Stand: 28.08.2020 09:02 Uhr

Musiktheater Oldenburg: Saisonstart in Corona-Zeiten

von Helgard Füchsel

Das Musiktheater gehört zu den Theatersparten, die jetzt unter Corona-Bedingungen besonders schwer umzusetzen sind. Das Oldenburgische Staatstheater hat lange an einem Konzept getüftelt. Es hat für das Musiktheater völlig neue Premieren auf den Spielplan gebracht. Vom Bühnenbild, über die Besetzungen der Stücke, bis hin zum Kartenverkauf wurde alles an die Hygiene-Regeln angepasst. Auch das Oldenburgische Staatsorchester spielt unter ungewohnten Bedingungen.

Ein Orchester probt mit viel Abstand zwischen den Musikern, besonders zwischen den Bläsern © NDR Foto: Helgard Füchsel
Die Bläserinnen und Bläser halten auch bei den Proben einen noch größeren Abstand ein als die anderen Musikerinnen und Musiker.

Endlich probt das Oldenburgische Staatsorchester wieder. "Don Pasquale" von Gaetano Donizetti erklingt im geräumigen Probensaal. Orchesterdirektor Oliver Kersken ist guter Dinge: "Wir sind voller Tatendrang und hoffen, dass nicht irgendwie alles wieder fürchterlich wird, aber wir können jetzt mit Corona Kunst machen. Das ist uns wichtig."

"Don Pasquale" in abgespeckter Version

Die Streicher sitzen weit auseinander. Die Bläser halten noch etwas mehr Abstand und sitzen ganz weit hinten. Das klinge ganz anders als sonst, sagt Oliver Kersken, aber man gewöhne sich schnell daran. "Don Pasquale" wird in dieser Saison in einer abgespeckten Version gespielt - in einer Fassung für Kammerorchester, erläutert er: "Wir haben nicht drei Posaunen, sondern nur eine. Wir haben nur eine Oboe und ein Fagott. Wir haben auch die Streicherbesetzung reduziert, es sind nicht zwölf erste Geigen, sondern nur vier. Der Chor ist herausgekürzt. Ansonsten ist alles drin, was man möchte. Ein vollständiger 'Don Pasquale'."

Bläsergruppe hinter Folienwänden

Geprobt wird in zwei verschiedenen Besetzungen. Die Musikerinnen und Musiker spielen abwechselnd an den verschiedenen Abenden. Nur so können alle beschäftigt werden. Nach den Corona-Regeln dürfen nur noch etwa 25 bis 30 Musikerinnen und Musiker in den Orchestergraben.

Bei den Aufführungen sitzt die Bläsergruppe hinter durchsichtigen Stellwänden. Plexiglas, wie vor Supermarktkassen, ist da nicht geeignet: Es reflektiert den Klang zu stark. Die Theaterwerkstatt hat aber passende Stellwände aus sogenannter Fensterfolie angefertigt, freut sich Oliver Kersken: "Wenn Sie also auf der Bühne ein Fenster sehen, dann ist das nie Glas, sondern Fensterfolie und die ist einigermaßen durchlässig und reflektiert nicht so stark. Man gewöhnt sich auch daran, aber es ist natürlich trotzdem ein anderes Klangbild, als wenn man nicht in so einer Box sitzen würde."

Spannender Spielplan unter Zwängen

Bis zum Ende des Jahres sind im Musiktheater sieben Premieren geplant - wie "Die Spanische Stunde" von Maurice Ravel in einer Kammerversion, oder die Mozartoper "Zaide" mit Klavierbegleitung. Es gibt viele Opernfassungen für kleinere Besetzungen, die sich unter Corona-Bedingungen realisieren lassen, sagt der Intendant, Christian Firmbach. Aber zusätzlich sollte der Spielplan jeder Sängerin und jedem Sänger im Ensemble eine passende Rolle bieten. Das war knifflig, so Firmbach: "So ist dann aus diesen ganzen Zwängen heraus ein spannender Spielplan entstanden, vielfältig und vor allem ein Spielplan, auf den wir ohne Corona nie gekommen wären. Die Stücke hätte es zum Teil nie gegeben."

Solo-Abend über Zarah Leander

Zum Beispiel die Aufführung "Zarah 47": Die Sängerin Melanie Lang hätte normalerweise mehrere Rollen in verschiedenen Opern gesungen - unter anderem in Wagners Ring. Jetzt singt sie einen Solo-Aabend rund zum Zarah Leander, sagt Firmbach: "Da wird das Leben von Zarah Leander als Rückschau erzählt. Ganz, ganz spannend. Wenn man Melanie Lang kennt, kann man sich nur freuen, auf einen ganzen Abend mit ihr als Zarah Leander."

Sie singt allein mit viel Abstand zum Publikum. Auch dieses verteilt sich: Rund vier Fünftel der Sitze im großen und kleinen Haus sind abgeschraubt. Viele Stücke werden ohne Pause gespielt, damit sich keine Menschengruppen ansammeln. Kurz gesagt - das Theater ist auf eine Saison mit strengen Hygiene-Regeln vorbereitet.

Am Oldenburgischen Staatstheater beginnt die Saison am 4. und 5. September im Schauspiel mit "Draußen vor der Tür" und in der Oper mit Mozarts "Zaide".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 28.08.2020 | 09:20 Uhr

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