Stand: 02.03.2020 07:23 Uhr

Musica assoluta: Gamelan-Auftakt zu neuer Konzertreihe

von Miriam Stolzenwald

Die Gruppe musica assoluta ist bekannt für ihre experimentellen Konzerte mit zeitgenössischer Musik. Am Sonntag hat das Ensemble aus Hannover wieder einmal zu einem sehr besonderen Konzert im hannoverschen Tonstudio Tessmar eingeladen und ist damit in seine neue Konzertreihe "INSIDE 360° - Zeit zum Hören" gestartet. Im Mittelpunkt standen Entschleunigung und Stille. Die Anreise zum Konzertort im historischen Bus ist Teil des Konzeptes. NDR Kultur ist mitgefahren.

Moderatorin Meike Pfister steht mit einem Mikrofon vorne im Bus und führt das Publikum in das Werk "In Between" der Komponistin Ana Sokolovic ein: "Heute wird ein Gamelan-Ensemble mit einem europäischen Streichquartett kombiniert. Das war auch die Idee, dass östliche und westliche Klänge hier zusammenkommen." Währenddessen rumpelt der alte Bus voller Leute durch die Straßen von Hannover dem Tonstudio Tessmar entgegen, wo das Werk aufgeführt werden soll. Die Fahrt soll die Zuhörerinnen und Zuhörer auf das Konzert einstimmen, damit sie abschalten können.

Zum Auftakt gibt es Stille

Am Tonstudio angekommen muss das Publikum am Eingang erst einmal die Handys abgeben, damit die Menschen sich ohne Ablenkung der Musik widmen können. Als dann alle im Saal sitzen, beginnt das Konzert ... mit Stille.

"Ich glaube, das ist erst mal schon ungewohnt, denn Stille hat man heute selten", erklärt der künstlerische Leiter von musica assoluta, Thorsten Encke, und fügt hinzu: "Meistens ist die Welt erfüllt von vielen Geräuschen, die so ein Breitbandrauschen erzeugen, in dem man schwer differenzieren kann. Und wir wollten die Ohren öffnen, indem wir am Anfang des Konzertes Stille haben."

Meditative Stimmung durch Gamelan-Instrumente

Als das Ensemble zu spielen beginnt, sitzt das Publikum wie gebannt. Es scheint, als würde keiner einen Atemzug tätigen. Durch diesen Anfang schafft musica assoluta eine meditativ-gespannte Stimmung, in der die Aufmerksamkeit zu 100 Prozent auf die Klänge fokussiert ist. Und das lässt auch in keinem Moment bis zum Ende nach.

Das Programm ist kurz, etwas über eine halbe Stunde. Der blecherne Klang der Gamelan-Instrumente scheint alles regelrecht in eine andere Sphäre zu rücken. Für europäische Ohren klingen die indonesischen Instrumente beinahe so, als wären sie ein bisschen verstimmt. Die Musiker des Gemelan-Orchesters spielen im Sitzen, denn im Vordergrund steht das Instrument, die Musik.

Am Ende gibt es wieder ... Stille

Die Musiker spielen ohne Pause, die Stücke gehen ineinander über. Auf einmal stehen einige Musiker auf, schreiten durch das Publikum und bitten einzelne Personen aus dem Publikum auf die Bühne. Sie dürfen bei der Schluss-Improvisation mitspielen. Es ist ein Miteinander zwischen Publikum und Orchester, wie es nur selten im Konzert zu erleben ist. Und am Ende wieder ... Stille, bis nach einer ganzen Weile der erste Applaus aufkommt.

Auch für Thorsten Encke ein außerordentlich gelungenes und besonderes Konzert: "Für uns war es ein Experiment. So was haben wir noch nie gemacht. Und ich muss sagen, ich bin sehr beglückt, es war sehr berührend für mich, dass die Leute so wunderbar mitgemacht haben."

Wer sich ebenfalls gerne von musica assoluta in die Welt der Klänge, fernab des Alltags, entführen lassen will: Das nächste Konzert findet am 1. April in Hannover statt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.03.2020 | 17:40 Uhr

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