Stand: 25.03.2019 11:40 Uhr

CD der Woche: Matthias Kirschnereit spielt Schumann

Robert Schumann: Concertant
von Matthias Kirschnereit
Vorgestellt von Raliza Nikolov
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Der Pianist Matthias Kirschnereit zählt zu den erfolgreichsten Pianisten seiner Generation.

Der Pianist Matthias Kirschnereit schwärmt von Robert Schumann: Er sei einer seiner "Herzenskomponisten". Kirschnereits neues Schumann-Album, aufgenommen mit dem Konzerthausorchester Berlin und Jan Willem de Vriend, ist unsere CD der Woche.

Matthias Kirschnereit kennt Schumann. So intensiv ist seine Nähe zu dem Komponisten, dass er es wagt, sein Publikum förmlich mit Leidenschaft und Emotionen zu überschütten - er wagt, und er gewinnt. Denn er erzählt Geschichten, so beredt, dass man gar nicht umhin kommt, dabei zu bleiben.

Eine verblüffende Erkenntnis

Schumann war nicht nur Komponist, Romantiker durch und durch, er war auch Poet, und Matthias Kirschnereit übersetzt in nuancierte Klangfarben, was Schumann notiert. Das berühmte Klavierkonzert setzt er bewusst ans Ende der CD, vorher stehen unbekanntere, seltener gespielte Werke für Klavier und Orchester - und ich rate dringend, die Reihenfolge nicht zu verändern, sonst brächte man sich um eine verblüffende Erkenntnis: Schumanns Sprache zu erkennen, aber doch überrascht zu sein. Matthias Kirschnereit spricht eine enthuasiastische Einladung aus. Er beginnt mit einer eigens verbesserten Bearbeitung des von Schumann so geliebten Konzertstücks für vier Hörner, typisch Kirschnereit, den die zufällig entdeckte Ausgabe nicht vollständig überzeugte.

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Die Geschichten hinter den Werken

Auch typisch Kirschnereit: Er möchte sein Publikum aufmerksam machen auf die Geschichten hinter den Werken. Im Interview im Beiheft erzählt er genauso einnehmend wie er spielt, wie Schumann die Widmung des Konzertstücks op. 134 an Clara zurückzog, um das Werk Brahms zuzueignen.

Das Tempo nimmt Kirschnereit oft sehr frei, in romantischem Überschwang, aber der Puls geht nie verloren. Kirschnereit leidet mit, aber er verliert doch nicht den Boden unter den Füßen. Deshalb wirkt seine Interpretation so schlüssig. Und das Konzerthausorchester Berlin mit Jan Willem de Vriend folgt dem Solisten, ist flexibel genug, der rhapsodischen Entwicklung den eigenen Stempel aufzudrücken - ein sensibler Dialog entsteht.

Wenn am Ende das vertraute Klavierkonzert erklingt, scheint uns Matthias Kirschnereit noch etwas mit auf den Weg geben zu wollen - Schumann komponiert nicht um des virtuosen Effekts willen, und wir wollen auch nicht effekthascherisch spielen. Vielmehr poetisch, frei, beseligend in vielen Augenblicken. Bravo.

Robert Schumann: Concertant

Label:
Berlin Classics

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 25.03.2019 | 06:40 Uhr

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