CD-Cover: Martha Argerich & Theodosia Ntokou - Beethoven: Symphony No. 6 & Piano Sonata No. 17 © Warner Classics

Martha Argerich und Theodosia Ntokou spielen Beethoven

Stand: 23.01.2021 14:56 Uhr

Corona-bedingt ist das Beethovenjahr verlängert worden. Doch ganz unabhängig davon werden auch in Zukunft neue Einspielungen seiner Werke erscheinen. Ungewöhnlich ist zum Beispiel die mit Martha Argerich: Beethovens sechste Sinfonie für Klavier zu vier Händen.

CD-Cover: Martha Argerich & Theodosia Ntokou - Beethoven: Symphony No. 6 & Piano Sonata No. 17 © Warner Classics
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von Philipp Cavert

Im 19. Jahrhundert erlebten viele Menschen die große sinfonische Literatur am Klavier, in Salons. Das erklärt die Menge an Transkriptionen. Allein für Beethovens Sechste gibt es Arrangements: von Franz Ludwig Schubert und Theodor Kirchner, von Carl Czerny, Franz Liszt, Wilhelm Meves und von Selmar Bagge.

Wie ein jahrelang eingespieltes Duo

Der Gewinn dieser Klavierbearbeitung liegt darin, dass musikalische Unterströmungen und Nebenschauplätze erkennbar werden, die im Orchester sonst kaum wahrzunehmen sind. Die Transkription des Organisten und Musikwissenschaftlers Bagge ist für Klavier zu vier Händen gedacht. In der vorliegenden Aufnahme ist sie an zwei Flügeln aufgenommen worden. Die Oberstimmen spielt Martha Argerich, links neben ihr: Theodosia Ntokou mit den unteren Stimmen.

Für die junge griechische Pianistin ist Argerich eine Freundin und Mentorin. Seit Jahren fördert die argentinisch-schweizerische Grande Dame des Pianos junge, oft weibliche Klaviertalente mit denen sie zusammen auftritt: Sophie Pacini, Shin-Heae Kang und nun auch Theodosia Ntokou. Die beiden klingen wie ein jahrelang eingespieltes Duo - präzise und doch lässig.

Grobheiten und Zärtlichkeiten

Theodosia Ntokou, die Frau aus Rhodos, die in Biografien ihr Geburtsjahr verschweigt, zeigt, dass sie auch ohne Argerichs Schützenhilfe bestehen kann. Kaum hat der Sturm sich in der Pastorale gelegt, gewinnt er erneut an Kraft in Beethovens Sturmsonate d-Moll. Ntokou präsentiert eine erstaunliche Koexistenz von Grobheiten und Zärtlichkeiten.

Nur keine falsche Demut vor dem Werk - hier schlummert ein pianistisches Kraftpaket. Dass sich die zunächst etwas ausgestellte Bescheidenheit alsbald als Grandezza enttarnt - das verzeiht man Theodosia Ntokou schon nach wenigen Takten. Abgeklärt und kraftstrotzend ist ihre Interpretation ein besonderer Hinhörer.

Beethoven: Symphony No. 6 & Piano Sonata No. 17

Label:
Warner Classics

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 24.01.2021 | 15:20 Uhr

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