Stand: 21.02.2020 15:24 Uhr

Martha Argerich Festival mit Anne-Sophie Mutter

von Daniel Kaiser
Martha Argerich © Adriano Heitman Foto: Adriano Heitman
Sie begeistert mit Virtuosität und Temperament: Martha Argerich zählt seit sechs Jahrzehnten zu den bedeutendsten lebenden Pianistinnen.

Die weltbekannte Pianistin Martha Argerich versammelt Ende Juni wieder Familie, Freunde und Weggefährten auf der Bühne der Laeiszhalle, um gemeinsam Musik zu machen. Erstmals werden beispielsweise Martha Argerich und die weltbekannte Geigerin Anne-Sophie Mutter zusammen Musik machen - und unter anderem Beethovens Kreutzer-Sonate spielen. Mit dem Bariton Thomas Hampson wird Argerich den Beethoven-Liedzyklus "An die ferne Geliebte" aufführen. Außerdem stehen bei den Symphonikern Hamburg gemeinsame Abende mit der Pianistin Maria João Pires und dem Cellisten Mischa Maisky auf dem Programm. Der Ticketverkauf startet am 22. Februar um 11 Uhr. Im Interview verrät Daniel Kühnel, Intendant der Symphoniker Hamburg, Details zum Festival.

Herr Kühnel, wie haben Sie diese vielen bedeutenden Musikerinnen und Musiker verpflichtet?

Der Intendant der Hamburger Symphoniker Daniel Kühnel © Wilfried Beege Foto: Wilfried Beege
Daniel Kühnel ist seit der Spielzeit 2004/2005 Intendant der Symphoniker Hamburg. Er leitet das Martha Argerich Festival.

Daniel Kühnel: Das haben wir Martha Argerich selbst zu verdanken. Sie liebt die Laeiszhalle, sie liebt die Symphoniker und weiß, dass es hier gut ist. Und davon überzeugt sie dann auch die anderen, wie Anne-Sophie Mutter, die hier zum ersten Mal gemeinsam mit Martha Argerich auf der Bühne stehen wird. Die kennen sich schon länger, aber zusammen musiziert haben sie noch nie. Maria João Pires hat eigentlich schon aufgehört zu spielen. Sie soll jedoch gesagt haben, dass sie in jedem Fall kommen werde. Beide Pianistinnen zusammen auf der Bühne - das erlebt man auch nicht jeden Tag.

Martha Argerich wird in jedem der zehn Konzerte selbst spielen - zum Teil sehr schwere Stücke. Wie schafft sie das?

Daniel Kühnel: Dahinter stecken eine unglaubliche Disziplin und eine große Erfahrung. Sie schöpft auch immer viel Energie durch Freunde und Künstler, die beim Festival mit dabei sind. Sie ist ein Nachtmensch. Nach den Konzerten wartet sie immer einen Moment, begrüßt Freunde, die beim Konzert waren, geht dann etwas essen - und dann heißt es nach keiner Dreiviertelstunde: "Jetzt muss ich üben gehen!" Und dann übt sie bis zwei, drei oder vier Uhr früh - manchmal allein und manchmal mit anderen. So ist das Festival auch für uns eine faszinierende Zeit, in der das Leben umgedreht wird. Ich glaube, dass sich diese besondere Atmosphäre auch auf das Publikum überträgt. Jedenfalls war das in den vergangenen beiden Jahren so.

Es gibt große Namen für vergleichsweise kleines Geld. Die Tickets kosten zwischen 9 und 85 Euro. Wie groß war die Versuchung, einen Weltstar-Zuschlag zu erheben?

Daniel Kühnel: Das würde dem Charakter des Festivals widersprechen. Es geht darum, dass junge und ältere, bekanntere und noch eher unbekannte Musiker zusammenkommen und etwas sehr, sehr Besonderes machen, was sonst nicht möglich wäre. Sie kommen alle für eine sehr niedrige Gage. Und da gehört es sich als Veranstalter nicht, die Preise zu verdreifachen, obwohl Martha Argerich und Anne-Sophie Mutter zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stehen. Das ist in der Klassikbranche ein Weltereignis, das kann man nicht anders sagen.

In Hamburg als Stadt der Elbphilharmonie ist das Bekenntnis Martha Argerichs zur Laeiszhalle etwas Besonderes. Wie erklärt sich das?

Daniel Kühnel: Sie betritt die Laeiszhalle und man sieht, wenn man sie beobachtet, wie sie sogar körperlich aufatmet. Da kommt ein großer, positiver Seufzer. Ich sage ihr immer, wenn wir hereinkommen: "Welcome Home!" Sie schaut mich an und sagt: "Yes!" Sie ist hier zu Hause, sie fühlt sich hier zu Hause. Das hat mit der Atmosphäre des Saals, der besonderen Akustik und den Symphonikern Hamburg zu tun, die mit der Laeiszhalle eine Einheit ergeben - und damit ein Zuhause.

Martha Argerich Festival mit Anne-Sophie Mutter

Vom 20. bis 30. Juni 2020 findet in der Hamburger Laeiszhalle das Martha Argerich Festival mit der weltbekannten Pianistin statt. Stargast des Festivals ist Anne-Sophie Mutter.

Art:
Konzert
Datum:
Ende:
Ort:
Laeiszhalle
Johannes-Brahms-Platz
20355 Hamburg
Telefon:
(040) 35 76 66 66
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.02.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Kultur

Restauratorin Nicoline Zornikau begutachtet das Werk "Die Rückkehr des Dichters. © VG Bild-Kunst / NDR Foto: Kerry Rügemer

"Magische Wirklichkeit": Giorgio de Chirico in der Kunsthalle

Giorgio de Chiricos Bilder von menschenleeren Plätzen sind weltberühmt. Die Hamburger Kunsthalle bringt sie erstmals nach Norddeutschland. mehr

Ein Dudeneintrag definiert die Worte Handelspartner und Handelspartnerin © imago images/MiS

Gendern: Online-Duden ändert Personenbezeichnungen

Der Duden ändert online 12.000 Personenbeschreibungen zwecks geschlechtergerechter Sprache. Das sorgt für Kontroversen. mehr

Lady Gaga singt bei der Amtseinführung von Joe Biden © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Andrew Harnik Foto: Andrew Harnik

Die Symbolik des Pop bei der US-Inauguration

Die Amtseinführung von US-Präsident Biden war ein schillerndes Pop-Theater. Die Auftritte von Lady Gaga und Jennifer Lopez hatten viele Dimensionen. mehr

Regisseurin und Autorin Nora Fingscheidt im Interview in Hamburg © NDR Foto: Patricia Batlle

Chancen-Gleichheit im Film? Wenige deutsche Regisseurinnen

Zwar ist die Hälfte der Regie-Studierenden weiblich, doch wenige können sich in der konservativen Filmwelt durchsetzen. mehr