Stand: 07.09.2017 15:11 Uhr

Franz Schubert - Komponist mit vielen Facetten

Franz Schubert: Klaviersonaten D 959 & D 960
von Krystian Zimerman
Vorgestellt von Marcus Stäbler
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Krystian Zimerman präsentiert auf seiner neuen CD eine sehr ausgewogene und wohlüberlegte Schubert-Interpretation.

Vor Franz Schubert hätte er besonders großen Respekt, sagt der polnische Pianist Krystian Zimerman. Deshalb hat er sich viel Zeit gelassen, dessen späte Klaviersonaten auf Tonträger einszuspielen. Doch kurz vor seinem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr war es an der Zeit, sich den Werken zu stellen und sie aufzunehmen. Jetzt ist die CD erschienen. Auf seinem ersten Solo-Album bei der Deutschen Grammophon seit 25 Jahren interpretiert Zimerman die beiden letzten Sonaten von Schubert.

Schicksalhaftes Gespür

Nur zögernd kommt die Musik in Gang. Sie gerät immer wieder ins Stocken oder versinkt in den dunklen Registern des Klaviers. Ist das ein gespenstischer Trommelwirbel? Ein düsteres Grummeln der Angst? Franz Schubert schrieb seine letzte Klaviersonate mit 31 Jahren, wenige Monate vor seinem frühen Tod. Womöglich hat er das nahende Ende damals schon gespürt. Jedenfalls klingt seine Sonate oft nach Abschied und nach schweren Schritten - und dann hellt die Stimmung plötzlich doch ein bisschen auf, mit diesem für Schubert so typischen Lächeln unter Tränen, das Krystian Zimerman mit klaren Farben malt.

Zimerman hat den fein nuancierten Anschlag und den ruhigen Atem, den diese Musik braucht. Auch im langsamen zweiten Satz der Sonate, in dem Schubert die Zeit anzuhalten scheint, um sich an längst vergangene Momente der Idylle zu erinnern. Wie ein Traum ziehen sie vor dem inneren Auge vorbei.

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Krystian Zimerman spielt Schubert

NDR Kultur -

Auf seinem ersten Solo-Album bei der Deutschen Grammophon seit 25 Jahren interpretiert der Pianist Krystian Zimerman die beiden letzten Sonaten von Franz Schubert.

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Ein Komponist mit vielen Facetten

Franz Schubert, der sanfte Melancholiker: eine von vielen Facetten seiner Persönlichkeit. Im langsamen Teil seiner vorletzen Sonate, ebenfalls im Todesjahr 1828 entstanden, offenbart Zimerman eine ganz andere Seite des Komponisten. Da rumort die Musik mit der finsteren Intensität eines Alptraums. Auch hier behält Zimerman immer die Kontrolle und findet das richtige Maß.

Der Pianist spielt auf einem Flügel mit einer selbst entworfenen Klaviatur. Die sorgt dafür, dass die Saiten etwas anders angeschlagen werden als auf den meisten modernen Konzertflügeln. Dadurch nimmt Zimerman mitunter in lauten Passagen einen etwas klirrenden und weniger brillanten Klang in Kauf - aber er findet einen besonders schönen Ton für die lyrischen Passagen, wenn er die einzelnen Noten zu einer sanglichen Linie verbindet.

Die Zerbrechlichkeit des Glücks

Solche Momente sind in den beiden letzten Sonaten nie von langer Dauer. Das Schicksal kennt kein Entrinnen, der nächste Absturz wartet schon. Diese Zerbrechlichkeit des Glücks ist bei Zimerman allgegenwärtig - auch als eine friedliche Melodie im Finale plötzlich abbricht und einem zornigen Motiv weichen muss.

Am Ende der letzten Sonate versiegt die Kraft allmählich. Viele Neuansätze laufen ins Nichts; bis sich die Musik schließlich doch aufrafft, dem Ende entgegen zu rasen. Der Schlusspunkt einer sehr ausgewogenen und wohlüberlegten Schubert-Interpretation, in der Krystian Zimerman seine künstlerische Reife mitunter fast schon zu abgeklärt ausspielt.

Franz Schubert: Klaviersonaten D 959 & D 960

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.09.2017 | 15:20 Uhr

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