Porträt von Kit Armstrong. © picture alliance / dpa | Irene Zandel

Kit Armstrong: Der Weltstar und die Nachwuchstalente

Stand: 23.09.2021 11:40 Uhr

Kit Armstrong spielt auf den größten Konzertbühnen und mit den bekanntesten Orchestern der Welt. Jetzt geht der Starpianist aus den USA aber mit einem für ihn eher ungewohnten Orchester auf Tournee: der Jungen Deutschen Philharmonie.

von Daniel Frevel

Mit fünf Jahren bekommt er den ersten Klavierunterricht, mit sieben Jahren studiert er bereits Kompositionslehre und Physik und ein Jahr darauf spielt er sein erstes eigenes Konzert: Kit Armstrong war und ist ein Wunderkind. Ein Probenbesuch in Wolfenbüttel.

Da sitzt er, der Weltstar und heute 28-Jährige, mit roter Cordhose und hellblauem Knitterhemd am Schimmel-Flügel - vor ihm eine bunte Truppe aus aufgeregten 18- bis 28-Jährigen. Im großen Konzertsaal der Niedersächsischen Landesmusikakademie sind sie zusammengekommen. Aber zum Staunen bleibt nicht viel Zeit, denn es geht direkt los - mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 22.

Junge Deutsche Philharmonie: Der Weg zum Vollprofi

Die Junge Deutsche Philharmonie auf der Bühne der Elbphilharmonie.  Foto: Clara Casado Rodríguez
Die Junge Deutsche Philharmonie bei einem Auftritt in der Elbphilharmonie.

Bei der Jungen Deutschen Philharmonie spielt nur mit, wer auf dem Weg zum Vollprofi ist. Alle 47 Mitglieder des Orchesters haben es durch ein aufwendiges Auswahlverfahren in das Ensemble geschafft.

Stefanie Tran Thu spielt Bratsche und wie die meisten hier sieht sie noch etwas müde aus: "Wir hatten ja gestern hier unseren bunten Abend und klar ging der auch ein bisschen länger, aber alle haben sich auch total gefreut: 'Ahh, heute kommt Kit Armstrong!' Alle waren super gespannt darauf und ich finde, man merkt es jetzt auch in der Probe. Alle sind total wach und neugierig auf ihn und es macht, glaube ich, allen total Spaß mit ihm zusammenzuspielen."

Kit Armstrong: Angetan vom jugendlichen Umgang mit der Musik

Dirigent Andrè de Ridder muss vermutlich öfter bei den jungen Musikern einhaken als bei gestandenen Profis. Kit Armstrong aber gefällt dieser jugendliche Umgang mit der Musik ganz besonders gut. Genau deshalb sagte er das Engagement auch direkt zu, als er die Anfrage bekam.

"Das ist einfach spannend, an so einer Arbeit teilzunehmen", erzählt Armstrong. "Das hat man eigentlich als Berufsmusiker viel zu selten. Ich will jetzt natürlich keineswegs die üblichen Profiorchester schlechtreden, aber man hat da natürlich etliche Einschränkungen, was die Probenzeit angeht, aber auch die Bereitwilligkeit, in dem eigene Spiel wieder so beeinflusst zu werden. Und hier kann man wirklich eine gemeinsame Klangfarbe oder sogar eine gemeinsame Interpretation von Anfang an erfinden."

Konzertprogramm unter dem Motto "Freigeist"

Das Konzertprogramm steht unter dem Motto "Freigeist", und neben einigen zeitgenössischen Stücken bildet das Klavierkonzert den Mittelpunkt. Mozart schuf damit ein ganz eigenes Genre, spannte den Bogen zwischen Solokonzert und großer Symphonie. Mit unzähligen Motiven und Themen zwischen prickelnder Heiterkeit und düsterer Dramatik ist es eines der reichhaltigsten Konzerte vom Freigeist Mozart.

"Also für mich hat Mozart immer was total opernhaftes", findet Tran Thu. "Diese verschiedenen Stimmungen und Rollen und Motive, die sich dann auch wiederfinden. Es hat etwas total Jugendlich-Frisches, aber in manchen Momenten dann wieder doch etwas Tragisches." Und Armstrong ergänzt: "Bei Mozart finde ich auch immer so beeindruckend, wie zeitlos die Musik ist. Und trotzdem, was für ein Gefühl des Zeitgeists aus Mozarts Epoche durch sie vermittelt wird."

Mit der intensiven Probe ist die Aufregung vom Anfang ganz schnell vergessen. Und so bringt die Magie der Musik einmal wieder Menschen zusammen. Diesmal eben einen Weltstar und 47 Nachwuchstalente - in einem Saal in Wolfenbüttel.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 23.09.2021 | 11:40 Uhr

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