Stand: 23.11.2017 10:58 Uhr

Musikalisches Experiment: Dirigiert uns!

von Danny Marques Marcalo

Das kann doch jeder! Vor dem Orchester rumstehen mit dem Taktstock in der Hand und ein bisschen rumfuchteln. Möglicherweise gibt es den ein oder anderen, der tatsächlich so übers Dirigenten denkt. Dabei ist der Dirigent so viel mehr: Taktgeber, Lautstärkeregler und Rettungsanker für die Musiker. Das haben am Mittwochabend die Gäste in der Aula der Hochschule für Bildende Künste, kurz HFBK, in Hamburg selbst erfahren dürfen. Denn unter dem Motto "Dirigiert uns!" ließen die Symphoniker Hamburg Laien ans Dirigentenpult.

Die Erfüllung eines Lebenstraums

Marion Notz hat sich getraut: "Als Kind oder Jugendlicher, wenn man zu einer Platte improvisiert, das ist überhaupt kein Vergleich! Hier hat man Musiker, also wirklich Leute vor sich. Für mich ist wirklich ein Traum in Erfüllung ergangen." Zwar macht Notz schon ihr gesamtes Leben Musik, aber ein Orchester hat sie noch nie dirigiert. Die Symphoniker Hamburg machen den Spaß mit. Marion Notz wirkt professionell.

Mit schnellen Gesten und entschlossener Miene peitscht sie die Musiker durch die Ouvertüre von Georges Bizets Oper "Carmen". Ulrich Windfuhr ist professioneller Dirigent und hilft nur ein bisschen: "Sie sind schon am Anfang langsamer geworden. Das Cello fragte sich, was es machen soll und ist dann eben gleich mitgegangen."

Acht Laien wagen sich nacheinander ans Pult. Neben Bizet dirigieren sie Musik von Mozart, Tschaikowsky und Mendelssohn-Bartholdy. Die Musik hatte das Orchester vorher ausgewählt. Keiner muss Angst haben.

Kann wirklich jeder dirigieren?

"Von Toscanini gibt es diesen blöden Spruch: 'Jeder Esel kann dirigieren.' Die Grundbewegung ist auch nicht schwer, aber die dann in Verbindung mit der Musik zu bringen, das ist schon eine Kunst!" sagt Windfuhr. Dem erst 19-jährigen Mats Nowak gelingt das sehr gut. Er versucht sich an der Ouvertüre von Mozarts "Die Hochzeit des Figaro".

Er ist nervös. Wann steht man schon mal vor so einem Orchester! Aber es sei auch Freude und Bestätigung, erklärt Mats Nowak. Er wurde gefragt, was er werden möchte. Dirigent möchte er werden und das sei die Bestätigung seines Wunsches.

Auch für die Musiker ungewohnt

Auch für die Musiker ist so eine Situation ungewohnt. Herbert Rönneberg spielt Klarinette. Die Kommunikation mit so einem Laien am Pult ist gar nicht so einfach.

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Die Symphoniker Hamburg ließen Laien ans Dirigentenpult.

"Man muss immer entscheiden: Spiel' ich jetzt mit dem Orchester oder mit dem Dirigenten? Da die natürlich nicht so erfahren sind, helfen wir manchmal nach. Wir spielen zusammen und leiten den Dirigenten durch das Stück". Normalerweise sei es ja umgekehrt. Da leite der Dirigent die Musiker. Bei dem ein oder anderen mangele es aber - verständlicherweise - noch ein bisschen an Professionalität, meint einer der Orchestermusiker.

Es funktioniert ganz gut. Am Ende bekommen alle, die sich getraut haben, ihren verdienten Schlussapplaus.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.11.2017 | 07:40 Uhr

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