Stand: 27.05.2019 11:25 Uhr

"Magische Saiten": Bilanz der Händel-Festspiele

von Catherine Wenk

In Göttingen sind am Sonntag die Internationalen Händel-Festspiele zu Ende gegangen. Die Festspiele umfassten insgesamt 60 Veranstaltungen, davon allein 24 Konzerte. Unter dem Motto "Magische Saiten" standen vor allem die frühen Werke Händels im Fokus.

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Erica Eloff in der Rolle des Rodrigo und Fflur Wyn als Esilena in der Inszenierung der Oper "Rodrigo".

Klanggewaltige Kompositionen, starke Stimmen und ein furioses Festspielorchester - so lassen sich die 99. Händel-Festspiele zusammenfassen. Die Veranstalter präsentierten ein musikalisch variantenreiches Programm mit einer imposanten Opern-Inszenierung und beeindruckenden konzertanten Aufführungen.

"2019 war ein wirklich fantastischer Festspiel-Jahrgang. Wir hatten großartige Künstler, die alle in Topform waren", sagt Tobias Wolff, der geschäftsführende Intendant. "Wir haben es wirklich mit wahnsinnig vielen ausverkauften und vollen Veranstaltungen zu tun gehabt. Ich bin ganz beglückt." Dass die Besucherzahlen dennoch insgesamt etwas geringer ausgefallen sind, liege an der Sanierung der Göttinger Stadthalle, die in diesem Jahr als Spielstätte wegfiel.

Bühnenbild von Oper "Rodrigo" begeisterte nicht alle

Zu den Höhepunkten der Festspiele zählte die Oper "Rodrigo" - Händels erste italienische Oper. Regisseur Walter Sutcliffe schuf eine psychologisch dichte und präzise Inszenierung, mit einem opulenten Bühnenbild: Die Protagonisten traten inmitten eines verfallenen Palastes auf. Musikalisch war in diesem frühen Werk schon viel von Händels späterer Genialität zu spüren, etwa in den zahlreichen Continuo-Arien, in denen die Protagonisten ihre großen Gefühle zum Ausdruck brachten.

Begleitet von einem grandiosen Festspiel-Orchester, unter der Leitung von Laurence Cummings, brillierten die Solistinnen und Solisten in der Festspiel-Inszenierung. Das Göttinger Publikum war hoch zufrieden: "Hervorragend. Ich würde mal sagen, so Neo-Barock vom Bühnenbild her und die Musik war natürlich, wie immer, klasse. Ich bin Händel-Fanatiker inzwischen geworden", sagte ein Besucher nach der Premiere. Das ungewöhnliche Bühnenbild stieß aber nicht bei allen auf Begeisterung: "Die Geschichte war gut, das Bühnenbild gewöhnungsbedürftig."

"Saul" in der St. Blasius Kirche in Hann. Münden

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Das Festspiel-Orchester Göttingen und der NDR Chor werden nach der Aufführung von "Saul" vom Publikum in der St. Blasius-Kirche in Hann. Münden gefeiert.

Ein weiterer Höhepunkt der Festspiele war das Oratorium "Saul". Für die Aufführung des alttestamentarischen Stoffes hatten sich die Veranstalter passenderweise einen sakralen Ort ausgesucht: die St. Blasius Kirche in Hann. Münden. Bei der Aufführung überzeugten nicht nur Festspiel-Orchester und NDR Chor, sondern auch die Solistinnen und Solisten - allen voran Countertenor Eric Jurenas in der Rolle des Davids.

Einen eindrucksvollen Ausklang boten die Händel-Festspiele mit "Dixit Dominus", Händels einzige liturgische Komposition mit einem vollständigen gregorianischen Choral. Präsentiert wurde das Werk vom italienischen Ensemble "Coro e Orchestra Ghislieri", in der Basilika St. Cyriakus in Duderstadt.

Oper "Rodelinda" 2020 im Hauptprogramm

Programm-Tipp

Am 30. Juni gibt es noch einmal Gelegenheit, die Händel-Festspiele zu erleben. Dann überträgt NDR Kultur um 22 Uhr das Konzert "Almiras Songbook".

Im kommenden Jahr feiern die Internationalen Händel-Festspiele ihr 100. Jubiläum.  Die Vorbereitungen dafür haben bereits begonnen. "Wir haben natürlich eine Oper im Hauptprogramm: 'Rodelinda'. Sie ist 1920 gespielt worden und wird im nächsten Jahr die Oper sein, die szenisch gespielt wird", blickt Tobias Wolff voraus. Zudem stehen bereits die Gewinner eines Regiewettbewerbs fest. "Die Namen werden wir aber erst später verkünden, da sind noch Gespräche zu führen und Verträge zu schließen. Alles in allem schaffen wir es tatsächlich alle 42 Opern-Titel Händels in einem Programm zu präsentieren. Ich glaube, das gab es noch nie."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.05.2019 | 06:40 Uhr

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