Stand: 11.08.2017 10:37 Uhr

Goslar: Vor den Künstlern kam das Hochwasser

von Frauke-Ragna Lipprandt

In diesem Jahr feiert das Goslarer Musikfest 15-jähriges Jubiläum. Es ist mittlerweile eine feste Größe bei Kammermusikliebhabern. Was ursprünglich aus den Konzertarbeitswochen von Meisterschülern entstand, bietet heute international anerkannten Künstlergrößen und ECHO-Preisträgern eine Plattform, klassische wie auch eigens komponierte Werke zu präsentieren. Das diesjährige Thema ist "Heimat - klingendes Kulturerbe". Vor diesem Hintergrund bekommt das verheerende Hochwasser, mit dessen Folgen die Goslarer aktuell zu kämpfen haben, noch einmal eine ganz andere Bedeutung.

15 Jahre Musikfest Goslar, 25 Jahre Welterbe, 1.000 Jahre Heinrich der III. - eigentlich sind das nur Gründe zum Feiern. Doch das Jahrhundert-Hochwasser in Goslar drohte, die fröhlichen Jubiläen zu überschatten. Elisabeth Keese, Organisatorin des Musikfestes: "Ich habe das Wasser hautnah miterlebt und war natürlich zwei, drei Tage für unser Musikfest leider nicht verfügbar, weil ich vor Ort mit angepackt habe."

Größere Auswirkungen haben die Veranstalter aber nicht zu verzeichnen: Alle Konzertsäle blieben von den Wassermassen verschont - auch die neue Spielstätte im Goethehaus. "Dieser Konzertsaal liegt genau zwischen den beiden Orten, die hier in Goslar am schlimmsten vom Hochwasser betroffen waren", erzählt Kreese. Seltsamerweise sei der Konzertsaal von der Überflutung nicht betroffen. Elisabeth Keese betrachtet das als ein gutes Omen.

Unterhalten und von den Sorgen ablenken

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Im Juli war die Altstadt von Goslar überflutet.

Das Festival ist also ohne Schäden davongekommen - im Gegensatz zu vielen Bewohnern, besonders der Altstadt, die noch immer an den Folgen der Zerstörung durch das Hochwasser leiden. Das wollen die Organisatoren des Musikfestes nicht übergehen. Alle Hochwassergeschädigten sollen freien Eintritt zu einem der Konzerte in der Kaiserpfalz bekommen.

Damit möchten die Veranstalter die Goslarer ein wenig von ihren aktuellen Sorgen ablenken und in die Welt der Kammermusik mitnehmen.

Programm zwischen Brahms und Gegenwart

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Als Solist spielte Johannes Krebs mit Dirigenten wie Ingo Metzmacher und Nicholas Milton.

Das Programm bewegt sich zwischen klassischen Kammermusikwerken von Brahms, Tschaikowski und Debussy, aber auch modernen Stücken, die extra für die Ensembles komponiert wurden. Ganz deutlich werde das gleich in der Eröffnungsgala, sagt Kaja Engel, Leiterin des Musikfests, "wo Johannes Krebs anfängt mit einer Cello Suite von Bach - der zweiten Cello Suite, was für die Cellisten so ungefähr der Ursprung aller Dinge ist. Anschließend spielen Quattrocelli das Stück 'Times', das extra von einem Mitglied der Gruppe, Tim Ströble, für sie komponiert ist. Ein sehr hochkarätiges zeitgenössisches Kammermusikwerk. Da haben wir zwei Pole die einander gegenüberstehen."

Das Heimatgefühl in der Musik erkennen

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Das Musikfest bespielt mit Kaiserpfalz, Altstadt und Rammelsberg die UNESCO-Welterbe-Stätte zum eigenen 15. Geburtstag und dem 1.000. Geburtstag von Heinrich III. unter dem Motto "Heimat". Zwei verschiedene Zugänge zu dem Thema Heimat haben zum Beispiel die Gruppe Spark und die Geschwister Alexandra Troussova und Kirill Troussov.

Spark hat eine sehr unkonventionelle Besetzung mit zwei Blockflöten, Geige, Cello und Klavier und für die Blockflöten liegen die Wurzeln ganz eindeutig in der Barrockmusik. Das nehmen die aber mit in die Gegenwart und in die Zukunft und gehen sehr unkonventionell mit ihrem Material um und eben auch sehr modern."

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Das Ensemble Spark überschreitet mühelos und ohne Scheu musikalische Grenzen.

Die Geschwister Troussov seien klassische Vertreter der russischen Schule. Kirill Troussov spiele sogar die Stradivari, auf der das Violinkonzert von Tschaikowski uraufgeführt wurde. Und sie spielten wirklich Musik aus ihrer russischen Heimat, schwärmt die Leiterin des Musikfestes.

So ist das Festival dieses Jahr besonders gefärbt von den musikalischen Wurzeln der Künstler und der Frage, was für sie Heimat bedeutet. Die Wassermassen haben diesem Fest nichts anhaben können - vielleicht schaffen es ja die Musiker, das angeschlagene Heimatgefühl der Goslarer wieder etwas zum Klingen zu bringen.

Goslar: Vor den Künstlern kam das Hochwasser

In diesem Jahr feiert das Goslarer Musikfest 15-jähriges Jubiläum. Noch vor wenigen Tagen hatte die Harzstadt mit Hochwasser zu kämpfen. Das wollen die Organisatoren des Musikfestes nicht übergehen.

Datum:
Ende:
Ort:
Verscheidene Veranstaltungsorte in und um Goslar

Preis:
15 bis 40 Euro
Kartenverkauf:
Musikfest-Büro:
Telefon: (05321) 702 204
E-Mail: tickets@musikfest-goslar.de
Goslarsche Zeitung
Telefon: (05321) 333448
Tourist-Information der GOSLAR marketing GmbH:
Telefon: (05321) 78060
Opus 57 Musikalien:
Telefon: (05321) 339668
Hinweis:
Weitere Informationen zu den Konzerten und Veranstaltungsorten unter www.musikfest-goslar.de/
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Dieses Thema im Programm:

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