Der Komponist Georges Aphergis © Kai Bienert Foto: Kai Bienert

Ernst von Siemens Musikpreis 2021 für Komponist Georges Aphergis

Stand: 16.06.2021 07:30 Uhr

Georges Aperghis, geboren in Athen, erhält den mit 250.000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis 2021. Man müsse sich bei jedem Stück neue Ohren aufsetzen, sagt der heute 75-Jährige: als Hörer und als Komponist.

von Margarete Zander

Georges Aperghis lässt sich von der Aura von Musikern und Schauspielern inspirieren. Er beißt sich in Musikern fest wie ein Vampir, sagt er, um das Künstlerische auszusaugen. Er nutzt ihr persönliches, ihnen eigenes Können, um neue Dimensionen zu öffnen. Das Unspielbare ist für die Musiker eine Herausforderung. Sie geben sich ganz in seine Hände. Weil diese sanft sind und ruhig, gelenkt von Poesie, Visionen und Kraft.

Georges Aperghis - stiller Komponist aus Athen

Aperghis ist eher ein stiller Mensch. Er ist am 23. Dezember 1945 in Athen geboren und wuchs quasi in einem Atelier auf, denn seine Eltern waren Künstler: der Bildhauer Achill und die Malerin Irene Aperghis. Kein Wunder, dass die multimedialen Aspekte der Kunst bei ihm aus einem Grundgedanken herauswachsen: "Man kann das Unaussprechliche wohl sagen".

In seinem Musiktheaterstück "Zeugen" lässt er einen Puppenspieler und eine Sängerin mit Handpuppen von Paul Klee und Texten von Martin Walser spielen. Dazu tasten sie mit zwei Kameras Details wie Mund und Stofffetzen ab und brechen so über eine Leinwand den engen Rahmen des Guckkastens auf.

Umzug nach Paris 1963, Gründung der Theatergruppe Atem

1963 zog Aperghis nach Paris und gründete 1976 die Theatergruppe Ateliertheater de Musique, kurz Atem. Dort arbeitete er wie ein Bildhauer und Maler zugleich. Aus dem, was die Akteure mit seinem Material machten, formte er das Stück.

Aperghis: "Komponieren soll dem Publikum Vergnügen machen"

Auch seine rein instrumentalen Werke entstehen im Prozess. Wie ein Graffiti-Sprayer lässt Georges Aperghis den Pianisten in "Dans le mur" auf eine Wand schreiben, deren Steine er im Studium mit Hilfe des Pianisten und der Elektronik aus bekannten Klavierstücken der Tradition geschaffen hat.

Was bedeutet für Georges Aperghis das Komponieren? "Es soll dem Publikum zuallererst Vergnügen machen. Aber Vergnügen heißt nicht nur Komisch-Sein - Vergnügen ist es, wenn wir über etwas nachdenken, über unsere Zeit, pessimistisch oder optimistisch. Und ich stimme die Menschen gern optimistisch."

Man muss sich bei jedem Stück neue Ohren aufsetzen, sagt Georges Aperghis als Hörer - und als Komponist. Er verurteilt nicht, er beobachtet und beschreibt, ob sich in den "Machinations" aus dem Jahr 2000 die Menschen den Maschinen angleichen oder ob er mit Heiner Müllers Theaterstück "Hamletmaschine" ein Requiem auf das Ende des letzten Jahrhunderts anstimmt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.06.2021 | 07:40 Uhr

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