CD-Cover: Sinfonie Orchester Biel Solothurn - Joseph Lauber: Sinfonien Nr.1 und 2 © World Premiere Recording

Eine großartige Entdeckung: Sinfonien von Joseph Lauber

Stand: 16.01.2021 18:17 Uhr

Dank dem Sinfonie Orchester Biel Solothurn und dem Label Schweizer Fonogramm werden die unbekannten, aber sehr hörenswerten Orchesterwerke von Joseph Lauber einem breiteren Publikum bekannt. Die ersten beiden Sinfonien sind nun erschienen.

CD-Cover: Sinfonie Orchester Biel Solothurn - Joseph Lauber: Sinfonien Nr.1 und 2 © World Premiere Recording
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von Chantal Nastasi

Man sieht die Natur, die ihm Inspiration und Entspannung zugleich war, förmlich vor sich: die schneebedeckten Gipfel, die Bergketten und Täler, in denen die Klänge widerhallen. Joseph Lauber war ein begeisterter Wanderer und verbrachte die Sommermonate komponierend in den Schweizer Westalpen, in Les Plan-sur-Bex südöstlich von Montreux. Rückzug in die Sommerfrische - nicht nur das erinnert an Gustav Mahler.

Entdeckt in einem Schweizer Archiv

Die Klangfülle der Spätromantik prägt auch Joseph Laubers sinfonische Werke mit seinen weiten Bögen, den ausdifferenzierten und präsenten Bläserstimmen, den dramatischen Verdichtungen, wie man sie auch in Bruckners Werken findet.

1895/96 entstehen die ersten Sinfonien Laubers, drei an der Zahl, in relativ kurzer Zeit. Seine 4. und 5. Sinfonie aus den Jahren 1913 und 1918 sind deutlich üppiger besetzt, zudem mit impressionistischen Einflüssen. Die 6. Sinfonie ist undatiert. Lange Zeit schlummerten diese Werke in der Schweiz in einem Archiv der Universität Lausanne. Kaspar Zehnder, der Leiter des Sinfonie Orchester Biel Solothurn, entdeckte sie, und dank ihm werden Laubers Sinfonien nun nach und nach auf CD eingespielt.

Ähnlichkeiten mit Werken von Richard Strauss

Den Auftakt macht die Aufnahme mit den ersten beiden Sinfonien. Weite, Naturschauspiel und Sehnsucht sprechen vor allem aus der 1. Sinfonie. Aber Lauber überrascht auch gerne mit abweichenden Metren.

Diese Eigenheit, die Melodien durch diese Metrumverschiebung unerwartet zu verlängern, findet sich auch in Laubers 2. Sinfonie, die insgesamt dramatischer und aufgewühlter wirkt als die Erste, passagenweise wie Richard Strauss, mit dem sich Lauber das Geburtsjahr teilt und den er in Paris traf während seines Studiums bei Jules Massenet.

Exzellente Einspielung

Immer wieder hört man Bekanntes heraus, meint Brahms, Mahler, Bruckner, oder Dvořák auszumachen. Lauber, Sohn eines Schneidermeisters, machte erste musikalische Erfahrungen in der Musikkapelle seines Vaters, studierte dank eines Stipendiums in Zürich bei Friedrich Hegar, einem Freund von Brahms, ging dann nach München und Paris, lehrte später in Zürich und Genf, wo er auch als Kapellmeister tätig war.

Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn spielt Laubers Werke mit viel Sinn für die unterschiedlichen Farben und die Stilvielfalt, die in seiner Musik steckt. Wunderbar aufeinander abgestimmte Streicher- und Bläsergruppen tragen dazu bei. Joseph Laubers Werke sind hier in exzellenter Weise eingespielt - eine großartige Entdeckung. Seine Werke haben viel zu lange einen Dornröschenschlaf gehalten!

Joseph Lauber: Sinfonien Nr. 1 und 2

Label:
World Premiere Recordings

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 17.01.2021 | 15:20 Uhr

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