Stand: 09.03.2018 18:00 Uhr

Eine Messe für den Frieden

von Thomas Schwierzi

Ein deutscher Chor, ein Orchester aus syrischen Flüchtlingen, eine christliche Messe, arabische Folklore - hier treffen Welten aufeinander - und es gibt keinen Krieg, sondern ein äußerst gedeihliches Miteinander. So geschieht es gerade in Vechta in Niedersachsen bei den gemeinsamen Proben der Flüchtlingsmesse "Missa pro pace terrae in tempore fugae", die am 11. März in der Heilig-Geist Kirche Marienhain in Vechta uraufgeführt wird und die am 12. März in Osnabrück die Internationalen Wochen gegen Rassismus eröffnet.

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Zwei Musiker des Syrischen Exil-Orchesters während einer Probe.

Nein, Dirigent Robert Eilers ist noch nicht zufrieden mit dem Zusammenspiel. Wie sollte er auch, treffen nicht nur sein Vokalensemble Marienhain und das Syrian Expat Philharmonic Orchestra das erste Mal zusammen, sondern gleichzeitig auch ganz unterschiedliche Kulturen.

Doch Eilers nimmt es mit professioneller Gelassenheit: "Ich darf doch nicht erwarten, mich mit einer anderen Kultur zu treffen und die soll sich bitteschön genauso verhalten, wie ich es gewohnt bin."

Etwas, das die Menschen verbindet

Eilers zur Seite steht der Komponist der Friedens- und Flüchtlingsmesse, Constantin Grun: "Ja, der Auslöser war die Flüchtlingskrise, die ja eigentlich genau genommen bis heute anhält. Wir sehen, dass in Syrien immer noch viele Kriegsparteien tätig sind und die Menschen dort in die Flucht treiben. Die Idee war, etwas zu schaffen, was Menschen verbindet."

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Raed Jazbeh ist der Gründer des Syrian Expat Philharmonic Orchestra.

Gegründet wurde das Orchester von Raed Jazbeh, der den Bass spielt: "Die Idee war es, ein Symphonieorchester für professionelle und akademisch ausgebildete Musiker aus Syrien zu bilden, die nun überall in Europa leben, sie gewissermaßen wiederzuvereinigen, zusammen mit Menschen von hier."

Die Messe für Frieden in Zeiten der Flucht orientiert sich an der traditionellen Form. Komponist Grun: "Eingeschoben sind aber Texte, die Navid Kermani, der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, zur Verfügung gestellt hat und der als Journalist diesen Flüchtlingstreck durch Europa aufgezeichnet hat."

Christliche Messe und arabische Folklore

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Gemeinsam mit dem Vokalensemble Marienhain wird die Messe aufgeführt.

Zusätzlich zur Messe führen Chor und Orchester auch folkloristisch geprägte Musik syrischer Komponisten auf. Es seien Form und Inhalt des Konzertes, die diesen Auftritt so wichtig machten, betont Orchestermusiker Raed Jazbeh: "Das Konzert ist so wichtig für uns, diese spezielle Komposition und Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Chor und dem syrischen Orchester. Mit einer Messe als einer christlichen Komposition. Ein Friedenszeichen: Das ist die Botschaft, die von den Konzerten in Vechta und Osnabrück ausgeht."

Aufführungstermine der "Messe für den Frieden"

Sonntag, 11.3., 17 Uhr Uhr in der Heilig-Geist Kirche Marienhain in Vechta

Montag, 12.3., 19 Uhr in St. Katharinen in Osnabrück

Natürlich ist dem Komponisten Constantin Grun klar, dass ein Konzert nicht den Krieg in Syrien beendet: "Das ist auch ein Stück weit gelebte Integration. Wir interessieren uns für die syrische Kultur, für die syrischen Musiker, Komponisten und Menschen. Und wir erleben, dass die sich für unsere Kultur genauso interessieren."

Dirigent Robert Eilers ergänzt: "Die Begegnung miteinander bringt uns voran - zunächst nur im Kleinen, aber dann auch im Großen. Und wir zeigen, dass Kommunikation zwischen den Kulturen der Schlüssel ist und hoffen, dass diese Botschaft verstanden wird."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 10.03.2018 | 14:20 Uhr

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