Stand: 05.05.2017 12:20 Uhr

Alexander Krichel: Hamburg bedeutet mir viel

Ein junger Hamburger Pianist flasht die Musikwelt. Der 28-jährige Alexander Krichel aus Hamburg-Eißendorf legt gerade eine richtige internationale Karriere hin. Gerade hat er eine wunderschöne CD mit Klaviermusik von Maurice Ravel veröffentlicht. Am Freitag spielt er zum ersten Mal in der Elbphilharmonie. Daniel Kaiser hat mit ihm gesprochen.

Mehrere Jahre haben Sie in London gelebt, wollen jetzt aber wieder mehr Zeit in Hamburg verbringen. Warum?

Alexander Krichel: Ich lebe nach wie vor in beiden Städten, habe aber meinen Lebensmittelpunkt wieder nach Hamburg verlegt. Hamburg bedeutet für mich viel Stabilität. Ich habe hier viele Freunde und meine Familie, und dadurch, dass ich so viel unterwegs bin, habe ich gedacht, dass es schön ist, zu den Wurzeln zurückzukehren - in eine so schöne Stadt, die ich auch toll finden würde, wenn ich nicht den ganzen Background hätte.

Und dann ziehen Sie auch wieder nach Eißendorf zu ihren Eltern?

Krichel: Erst einmal. Als Pianist erlebt man das Problem mit der Wohnungssuche noch einmal verstärkt. Man möchte am liebsten irgendwo wohnen, wo man auch zu Hause üben kann. Das geht in der Stadt nur schwer. Aber ich bin fleißig auf der Suche. Als Pianist braucht man tolerante Nachbarn oder einen schalldicht isolierten Raum - eins von beiden.

Sie spielen jetzt in der Elbphilharmonie Klavier-Musik von Schumann und die Etüden von Chopin. Etüden sind ja eigentlich Fingerübungen für den Klavierunterricht, die von Chopin sind aber ausgewachsene Höllenritte. Es klingt, als bräuchte man mehrere Arme und viel mehr Finger. Wie schwer ist das eigentlich?

Krichel: Es heißt zwar "Etüde", aber man darf die Stücke nicht wie Fingerübungen spielen. Es sind ausgewachsene musikalische Werke. Wenn man mit ihnen nur zeigen will, was man technisch drauf hat, würde man dem Komponisten überhaupt nicht gerecht werden. Zum Beispiel legt Chopin in die letzte Etüde, die ich auch in der Elbphilharmonie spielen werde, seinen ganzen Schmerz über das verlorene Polen, denn er hat in Paris gerade vom Ausbruch der Revolution erfahren und dass er nicht mehr zurückkehren kann. Und in dieser Etüde verarbeitet er diese Botschaft. Da geht es dann nicht nur um Klaviertechnik sondern um Gefühl. Das ist Drama pur.

Sie hatten mit Vladimir Krainev einen großen berühmten Lehrer. Als er 2011 plötzlich starb, stürzte Sie das in eine schwere Krise. Sie wollten sogar mit der Musik aufhören. Wie haben Sie das überwunden?

Alexander Krichel steht vor einem Flügel. © Uwe Arens / Sony Classical

Alexander Krichel in der Elbphilharmonie

NDR 90,3 -

Alexander Krichel spielt am Freitag sein erstes Konzert in der Elbphilharmonie. Der international erfolgreiche Pianist erzählt, warum er jetzt aus London wieder nach Hamburg zurückkehrt.

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Krichel: Ich habe nach seinem Tod auf ein Zeichen gewartet. Ich hatte das Gefühl, dass mit seinem Tod auch ein Teil von mir selbst mitgestorben ist. Wenn ich schwarz-weiß gesehen haben - also die Tasten meines Klaviers - bin ich zusammengebrochen und war nicht mehr in der Lage, Konzerte zu spielen. Ich hatte mich dann zu einem Konzert in Hamburg aufgerafft, und nach dem Konzert kamen zwei Produzenten meiner aktuellen Plattenfirma Sony Classical auf mich zu und haben mir einen Exklusivvertrag angeboten. Das war für mich das lang ersehnte Zeichen.

Was machen Sie eigentlich so in den Stunden direkt vor einem Konzert? Yoga, Spaziergänge, Üben? Viel essen, wenig essen?

Krichel: Ich esse vor Konzerten relativ viel zu Mittag. Aber nicht direkt davor, weil ich nicht wissen will, was dann auf der Bühne passiert. Eine Sache aber mache ich immer, egal wann und wo ich spiele: Ich rufe 20 Minuten vor dem Konzert meine Großmutter an und bitte sie darum, an mich zu denken und mir ihre positive Energie zu schicken. Wenn ich in Japan oder den USA bin, kann das auch mal nachts sein. Aber sie weiß Beschied und nimmt jedes Mal ab. Und das gibt mir die Ruhe und die Sicherheit, auf die Bühne zu gehen.

Das Interview führte Daniel Kaiser für NDR 90,3.

Weitere Informationen

79 Minuten impressionistisches Glück

Der Hamburger Pianist Alexander Krichel hat für seine neue CD drei Klavierzyklen Maurice Ravels eingespielt. Sein Spiel lässt Nachtfalter flattern, Zwerge toben und den Galgen knarzen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 05.05.2017 | 19:00 Uhr

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