Stand: 05.07.2019 15:26 Uhr

"Musik, die einem die Seele erfüllt"

Grieg: Lyric Pieces / Mendelssohn: Lieder ohne Worte
von Denis Kozhukhin
Vorgestellt von Chantal Nastasi
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Mit seinen vielen Anschlagsnuancen lässt Denis Kozhukhin eine Fülle imaginärer Bilder im Kopf entstehen.

Beinahe zehn Jahre ist es her, dass der russische Pianist Denis Kozhukhin den Concours Reine Elisabeth in Brüssel gewann - der Beginn einer internationalen Karriere für den damals 23-Jährigen. Und spätestens seit Kozhukhin vor ein paar Jahren kurzfristig für Martha Argerich und für Lang Lang einsprang, wurde er einem breiteren Publikum bekannt. Nach einigen virtuosen Aufnahmen mit Klavierkonzerten von Tschaikowsky, Prokofiev, Ravel und Strauss und einer CD mit Balladen und Fantasien von Brahms widmet sich Kozhukhin nun lyrischen Werken von Mendelssohn und Grieg.

"Musik, die einem die Seele erfüllt mit tausend besseren Dingen als Worten" - so beschrieb Felix Mendelssohn Bartholdy seine Miniaturen, seine "Lieder ohne Worte", die er für einen intimen Rahmen komponierte. Einige von ihnen schrieb er seiner Schwester Fanny in ihre Notensammlung: "Ich möchte gern bei Dir sein (...) und Dir was erzählen, es will aber nicht gehen. Da habe ich Dir denn ein Lied aufgeschrieben, wie ich's wünsche und meine", schrieb der reisende Mendelssohn an Fanny aus dem fernen Großbritannien.

Spielfreude, Tiefgang und Intimität

Insgesamt vier Dutzend "Lieder ohne Worte" hat Mendelssohn über Jahrzehnte komponiert, veröffentlicht in acht Bänden. Aus fünf dieser Bände hat Denis Kozhukhin exemplarisch Werke ausgewählt, darunter auch eines der posthum veröffentlichten "Kinderstücke" aus dem letzten Band.

Kozhukhin beeindruckt sowohl mit Spielfreude und behänder Virtuosität als auch mit Tiefgang und Intimität. Gerade die sanglichen und schlichten Stücke bringen besonders die einfühlsame Seite des jungen, fingerflinken Russen zum Vorschein.

Musikalisches Abbild der Natur

Kozhukhins klarer Ton und sein natürliches, prunkloses Gestalten steht auch den "Lyrischen Stücken" von Edward Grieg gut zu Gesicht - die in insgesamt zehn Bänden veröffentlichten Werke hat der norwegische Komponist selbst als "ein Stück intimer Lebensgeschichte" bezeichnet.

Griegs Musik ist noch bilderreicher als die von Mendelssohn. Sie ist nicht nur Innenschau, sondern auch musikalisches Abbild der Natur.

Mit seinen vielen Anschlagsnuancen lässt Kozhukhin eine Fülle imaginärer Bilder im Kopf entstehen. Selten hat man diese Werke so präzise und klar gehört. Er zelebriert, ja seziert manchmal jede Nuance, ohne den großen Bogen aus dem Blick zu verlieren - und vor allem nicht die Feinfühligkeit, die direkt zu Herzen geht.

Grieg: Lyric Pieces / Mendelssohn: Lieder ohne Worte

Label:
Pentatone

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 08.07.2019 | 06:40 Uhr

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