Stand: 05.07.2020 15:08 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Daniel Huppert: Leiser Abschied als Generalmusikdirektor

von Axel Seitz

Am Sonntag Schlosspark Ludwigslust, am Dienstag auf dem Domplatz Güstrow - so war es geplant für diesen Sommer - mit den MeckProms der Mecklenburgischen Staatskapelle. Es wären die beiden letzten offiziellen Konzerte für Daniel Huppert gewesen als Generalmusikdirektor des Staatstheaters und Chefdirigent des Orchesters in Schwerin. Die Corona-Pandemie hat auch all diese Pläne durchkreuzt.

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Daniel Huppert war seit 2012 Generalmusikdirektor und Chefdirigent der traditionsreichen Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin.

Am kommenden Donnerstag stellt das Mecklenburgische Staatstheater seinen Spielplan bis zum Jahresende vor. Zugleich präsentiert der neue Chefdirigent Mark Rohde sein erstes Konzertprogramm mit der Staatskapelle.

Die südkoreanische Geigerin Je-Jun Park Hyeyoon Park spielt Mendelssohns Violinkonzert gemeinsam mit der Mecklenburgischen Staatskapelle unter der Leitung von Daniel Huppert. Alle sollten im vergangenen Mai erneut gemeinsam auftreten - es wäre das letzte Sinfoniekonzert für den scheidenden Generalmusikdirektor gewesen.

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"Dafür, dass die Kapelle eigentlich in ihrer Festbesetzung im Moment mit 58 Musikern unterbesetzt ist, haben wir uns einfach dieser Herausforderung gestellt. Herr Huppert stand dahinter und hat es durchgezogen. Das finde ich großartig. Ich finde es wichtig, dass man immer noch diesen künstlerischen Anspruch behält. Dieser Ehrgeiz war für dieses Orchester immer ein großer Gewinn und genau das Richtige in so einer schwierigen Zeit", sagt die Orchesterdirektorin Viktoria Louise Tafferner über die Arbeit von Daniel Huppert in neun Spielzeiten.

Sparzwänge machen Huppert erfinderisch

Jahre, die immer wieder von kulturpolitischen Sparzwängen begleitet wurden, das habe schon Kraft gekostet, sagt Daniel Huppert im Gespräch mit dem NDR: "Das Orchester zu reduzieren und Mittel einzufrieren, das war schon lange vor meiner Amtszeit beschlossen worden. Auf der anderen Seite wollte ich als Chefdirigent natürlich das Orchester weiterentwickeln und meine Visionen verwirklichen. Das sind Bestandteile, die sich einfach sehr schwer miteinander vereinbaren lassen", blickt Huppert zurück. "Das Positive an der Sache ist, dass man dadurch sehr realistisch wird. Mir war es trotzdem wichtig, das Orchester künstlerisch weiterzuentwickeln und interessante Konzertformate zu wählen oder eine Programmauswahl zu treffen. Das führt dazu, dass man erfinderisch wird."

2013: 450 Jahre Staatskapelle

2011 kam der in Kaiserslautern Geborene nach Schwerin an das Mecklenburgische Staatstheater, zunächst als Erster Kapellmeister. Zu seinen besonderen Höhepunkten als Chefdirigent zählte das große Jubiläum - 450 Jahre Staatskapelle 2013. "Diese Zahl ist natürlich erst mal beeindruckend. Gleichzeitig auch ein fantastisches Zeichen, wie lange schon so eine Orchestertradition in Deutschland besteht. Wenn man mit ausländischen Orchesterkollegen darüber spricht, dass das eigene Orchester schon 450 Jahre alt ist - da sind immer alle ganz überrascht", erklärt Huppert.

Dass die Feierlichkeiten überhaupt stattfanden, lag auch an ihm: "Gleichzeitig war es keine Selbstverständlichkeit, dass überhaupt 450 Jahre Mecklenburgische Staatskapelle gefeiert werden konnte. Das war ein großes Verdienst des Orchestervorstands und meiner Wenigkeit, dass wir da sehr beharrlich waren und gesagt haben, das ist ein wichtiges Ereignis."

9. Sinfonie von Beethoven ein Highlight

Wenn der heute 39-jährige Dirigent auf seine Zeit in Schwerin zurückschaut, dann bleiben ihm neben den jährlichen Meck-Proms, den Sommerkonzerten unter anderem in Schwerin, Ludwigslust und Güstrow, nicht zuletzt Beethovens 9. Sinfonie zum Jahresende in Erinnerung: "Ein Highlight der Konzertsaison. Es ist für uns Musiker eine unglaubliche Herausforderung, dieses Werk dirigieren zu dürfen. Ansonsten erinnere ich mich sehr gut an die 4. Sinfonie von Bruckner. Das war für mich ein sehr erfüllendes Konzert."

Huppert hat Maßstäbe gesetzt

Daniel Huppert ist bereits seit dem vergangenen Jahr Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker - dem Orchester für Remscheid und Solingen. In Schwerin, bei der Mecklenburgischen Staatskapelle, so meint Orchesterdirektorin Viktoria Louise Tafferner, hat Daniel Huppert auf jeden Fall Spuren hinterlassen: "Man muss auch fordern, man muss Maßstäbe setzen, Ziele erreichen wollen. Ich denke, dass Huppert da auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird." 

Seit Januar dieses Jahres steht fest, dass Mark Rohde in Schwerin neuer Chefdirigent von Deutschland drittältestem Orchester - der Mecklenburgischen Staatskapelle - wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.07.2020 | 08:00 Uhr

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