Jan Vogler im Porträt © picture alliance/Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa Foto: Patrick Pleul

Jan Vogler zur US-Wahl: "Viele Leute sind sehr nervös"

Stand: 04.11.2020 16:54 Uhr

Der Cellist Jan Vogler hat neben der deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. In seiner New Yorker Wohnung verfolgt er die US-Wahl.

NDR Kultur: Jan Vogler, wie haben Sie das Wahlgeschehen der letzten Stunden erlebt.

Jan Vogler: Ich persönlich bin nicht überrascht, ich glaube, dass sich sehr viel entscheiden wird, wenn die frühen Votes und die Mail-in-Ballots gezählt sind, denn es herrscht doch eine Pandemie und in der Pandemie wurde völlig anders gewählt. Ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft und das große Privileg, in beiden Ländern wählen zu dürfen. Und ich habe auch mehrere Tage vor der Wahl gewählt, und das heißt: Das muss alles ausgezählt werden.

Ich persönlich glaube immer noch, dass Biden gewinnen wird und auch ziemlich deutlich. Aber ich bin auch Optimist und es gibt viele Kollegen, die deutlich nervöser sind, einfach weil es so lange dauert. Vor allem im Kulturbetrieb, denke ich, gibt es eine sehr hohe Prozentzahl, weit über 90 Prozent, die hofft, dass es eine Veränderung im Weißen Haus gibt.

Nun hat Donald Trump aber schon gesagt, er hätte die Wahl ja schon gewonnen. Was fühlen Sie, wenn Sie solche Sätze hören?

Vogler: Ich glaube eigentlich nicht, dass die Demokratie schon so verlottert ist, dass man das dann einfach als Tatsache annimmt, weil er halt Präsident ist. Ich glaube, das ist der Wunsch, einfach irgendwie etwas zu reißen. Ich glaube er ist auch sehr nervös - so habe ich das die letzten 24 Stunden bemerkt, und ich glaube nicht, dass das jemanden dazu beeinflussen wird, das Recht zu brechen und irgendwelche rechtmäßigen Stimmzettel nicht zu zählen.

Also ich glaube, das ist einfach politisches Theater. Und da muss man relativ gelassen bleiben. Von Trump kennen wir ja, dass er ständig nur Theater spielt und gerade das ist ja der Grund, warum so viele Menschen hoffen, dass er nicht noch mal vier Jahre verantwortlich ist.

Finden Sie diese Gelassenheit auch bei ihren Künstlerkolleginnen und -kollegen, mit denen sie in Kontakt stehen?

Vogler: Nein, es ist ganz verrückt. Ich bin im Moment fast der einzige aus meiner Familie, der gelassen ist, weil ich mir das mathematisch ganz gut angeschaut habe. Ich glaube - ich kann mich natürlich irren - dass die Zahlen hinkommen werden.

Aber natürlich sind viele Leute sehr nervös. Man sagt hier, eigentlich ist es ein sogenannter Nail-Biter, also ein Fingernagel-Kauer. Es ist eine sehr knappe Sache, zumindest sieht so aus, und das macht die Leute sehr, sehr nervös. Und ich glaube, dass viele tatsächlich - man kann fast sagen - traumatisiert sind. Für die Künstler ist es unvorstellbar, dass der Trump noch mal vier Jahre regiert. Aber natürlich ist das eine Wahl, und ganz ausgeschlossen ist das nie.

Das Gespärch führte Petra Rieß.

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Dieses Thema im Programm:

Klassisch unterwegs | 04.11.2020 | 15:40 Uhr

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