CD-Cover: Yannick Nézet-Séguin - Sergei Rachmaninoff: Symphony No.1 & Symphonic Dances © Deutsche Grammophon

CD der Woche: Yannick Nézet-Séguin dirigiert Rachmaninoff

Stand: 29.01.2021 19:31 Uhr

Auf seiner ersten USA-Tournee wurde der Pianist und Dirigent Sergej Rachmaninoff zum Fan des Philadelphia Orchestra. Das war 1909. Seither gehören die Werke von Rachmaninoff zum Kernrepertoire des Orchesters. Das spiegelt sich auch auf einer neuen CD-Edition unter Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Die erste Folge vereint die Sinfonischen Tänze von Rachmaninoff mit seiner ersten Sinfonie.

CD-Cover: Yannick Nézet-Séguin - Sergei Rachmaninoff: Symphony No.1 & Symphonic Dances © Deutsche Grammophon
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von Marcus Stäbler

Dunkel und schwer beginnt Sergej Rachmaninoff seine erste Sinfonie. Das Philadelphia Orchestra spielt mit mächtigem und sattem Klang - er passt wie gemalt zur Musik. Beim Komponieren höre er den Sound des Philadelphia Orchestra vor dem inneren Ohr, hat Sergej Rachmaninow einmal gesagt. Diese enge Verbindung zwischen seinen Ideen und dem Orchester ist auch heute noch zu spüren.

Rachmaninoffs Vorbilder: Wagner und Tschaikowsky

Yannick Nézet-Séguin, seit 2012 Musikdirektor in Philadelphia, kostet die spätromantischen Farben der Sinfonie genüsslich aus. Wenn er das Orchester schwelgen lässt - aber auch in den heroischen Momenten. Die Blechbläser entfalten majestästische Pracht - die Streicher formen einen breiten, vibratosatten Ton, der auch gut eine Leinwand füllen könnte, so wie im Andante.

In der ersten Sinfonie des damals 24-jährigen Rachmaninoff schimmern mitunter die Vorbilder Wagner und Tschaikowsky auf, der Komponist wirkt stellenweise noch auf der Suche nach dem eigenen Ton. Den hat er im zweiten Werk des Albums längst gefunden; seinen Sinfonischen Tänzen.

Nostalgische Atmosphäre

Die Sinfonischen Tänze sind das letzte vollendete Werk von Rachmaninoff, entstanden 1940 in den USA und angelegt als eine Art musikalische Rückschau auf sein Leben. Der Komponist zitiert hier seine erste Sinfonie als Erinnerung an die Kraft der Jugend; mit dem Walzer im zweiten Satz beschwört er den Abschied von einer vergangenen Epoche.

Yannick Nézet-Séguin und das Philadelphia Orchestra fangen die nostalgische Atmosphäre und das allmähliche Erlahmen beim Walzer sehr schön ein - aber auch die ambivalente Stimmung im Finale der Sinfonischen Tänze. Momente der Wehmut treffen hier auf bewegte und hoffnungsfrohe Passagen und Anklänge an das gregorianische Motiv des Dies Irae, als Vorbote des nahenden Todes.

Mit Leidenschaft und Farbpracht

Die Orchestermusik von Sergej Rachmaninoff ist für das Philadelphia Orchestra und seinen Chef eine Herzensangelegenheit. Das ist den Interpreten anzumerken. Mit Ihrer Leidenschaft und Farbpracht machen sie die Aufnahme zu einem starken Bekenntnis für den oft unterschätzen Komponisten.

Sergei Rachmaninoff: Symphony No.1 & Symphonic Dances

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 31.01.2021 | 15:20 Uhr

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