Stand: 21.08.2020 09:26 Uhr

CD der Woche: Kian Soltani spielt Dvořák

von Marcus Stäbler

Die "Washington Post" vergleicht seinen Klang mit der "Weichheit und Fülle von Karamel", das Magazin "Gramophone" schwärmt von seiner "schieren Perfektion". Der österreichische Cellist Kian Soltani, 1992 als Sohn persischer Musiker in Bregenz geboren, ist einer der herausragenden Interpreten seiner Generation. Auf seinem aktuellen Album spielt er Werke von Antonín Dvořák, begleitet von seinem Mentor Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin.

CD-Cover: Kian Soltani - Dvořák: Cello Concerto © Deutsche Grammophon
Die Einspielung ist als Konzertaufnahme in der Berliner Philharmonie entstanden.

Herrliche Melodien erfinden, das konnte Antonín Dvořák wie nur wenige Komponisten. Eins seiner wohl schönsten Themen hat er dem Cello in die Saiten gelegt. Im langsamen Satz aus dem Cellokonzert lässt er das Instrument wie eine vokale Stimme singen. Kian Soltani spielt dieses Thema hinreißend - und verströmt dabei eine Atmosphäre von sanfter Wehmut und Süße. Man würde sich am liebsten reinlegen in den Klang. Soltani formt auf seinem Stradivari-Cello einen warmen und edlen Ton und dichte Bögen, getragen von der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim.

Solist und Orchester atmen gemeinsam und tauchen in die romantische Stimmung der Musik ein - auch dort, wo sie andere Facetten zeigt. So wie im ersten Satz, beim markanten Einstieg des Cellos. Dort streich Soltani mit sehnigem Sound.

Die besondere Energie der Live-Aufnahme

Die Einspielung ist als Konzertaufnahme in der Berliner Philharmonie entstanden. Diese Live-Situation sorgt zwar hier und da auch für minimale Präzisionseinbußen im Orchester - dafür sprüht in vielen Momenten aber auch eine besondere Energie, wie in den virtuosen Passagen, in denen Soltani seine exzellente Bogentechnik demonstriert.

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Der Cellist Kian Soltani sitzt auf einem Ledersessel und hält sein Instrument vor sich. © dpa Foto: Daniel Reinhardt

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Das Orchester bleibt immer aufmerksam und durchlässig für die Feinheiten des Solisten - doch da, wo Antonín Dvořák die Blechbläserpracht auffährt, geht Barenboim mit der Staatskapelle auch in die Vollen.

Zu viel Zucker auf der Sahne

Kian Soltani ergänzt die Aufnahme des Konzerts mit einer Art ausgiebigem Zugabenblock. Er umfasst fünf Dvořák-Bearbeitungen für Solocello und Celloensemble, die Soltani teilweise selbst arrangiert hat. Auch hier betört der Cellist mit seinem Schmelz, gibt aber etwas zu viel Zucker auf die Sahne. Da ist die Kitschgrenze manchmal zumindest in Glitschweite.

Trotz dieser leichten Tendenz zur Überschmachtung am Ende ist das Album ein Genuss. Weil Kian Soltani beglückend spielt und exzellente Partner an der Seite hat.

Antonín Dvořák: Cellokonzert, Bearbeitungen für Celloensemble

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 23.08.2020 | 15:20 Uhr

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