Stand: 02.01.2020 18:14 Uhr

Bach-Aufnahme setzt neue Maßstäbe

von Marcus Stäbler

"Ohne ihn wäre es entsetzlich öde", sagt John Eliot Gardiner über Johann Sebastian Bach. Bachs Musik bildet für ihn den vielleicht wichtigsten Schwerpunkt in seiner Arbeit, zu ihr kehrt er immer wieder zurück. Auch mit der jüngsten Aufnahme. Sie ist den Violinkonzerten von Bach gewidmet. Gardiner dirigiert seine English Baroque Soloists, Solistin ist seine langjährige Konzertmeisterin Kati Debretzeni.

CD-Cover: Kati Debretzeni - Bach: Violinkonzerte © Harmonia Mundi
Die neue Aufnahme von Kati Debretzeni und John Eliot Gardiner setzt neue Maßstäbe bei den Bach-Konzerten.

Tanzen, Sprechen und Singen: Das seien für sie die zentralen Elemente zum Verständnis von Johann Sebastian Bach, betont die Geigerin Kati Debretzeni. Was sie damit meint, ist auf der neuen Aufnahme anschaulich zu erleben. Etwa im tänzerischen Schwung der raschen Sätze, wie im Allegro assai aus Bachs a-Moll-Konzert.

Ausdrucksvolle Klangrede

Der leichtfüßige Groove und der schlanke Klang bei Bach gehören längst zum Standard der Historischen Aufführungspraxis. Aber John Eliot Gardiner, die English Baroque Soloists und die Solistin Kati Debretzeni gehen noch einen Schritt weiter. Sie verdichten den Notentext zu einer ausdrucksvollen Klangrede, indem sie die Gesten der Musik zuspitzen.

Im Andante aus dem a-Moll-Konzert ist der tiefe Anfangston immer ein kleines bisschen gedehnt. Als wäre für eine Millisekunde nicht ganz klar, ob es weitergeht. Dadurch bekommt die scheinbar vertraute Musik plötzlich eine ganz neue Spannung, der Notentext trägt eine emotionale Aussage. Die harmonischen Reibungen der Musik sind rauer als sonst formuliert, vielleicht erzählen sie von Schmerz und Erlösung.

Enge Vertrautheit mit Bachs Klangsprache

Der Dirigent John Eliot Gardiner und die English Baroque Soloists © Fred Toulet/Leemage Foto: Fred Toulet/Leemage
Der Dirigent John Eliot Gardiner und die English Baroque Soloists

Gardiner und sein Ensemble lassen hier die Musik sprechen - wenig später setzt die Solistin Kati Debretzeni ein und bringt eine weitere Dimension dazu: den instrumentalen Gesang, mit feinem Ton und wenig Vibrato angestimmt.

Kati Debretzeni, seit dem Jahr 2000 Konzertmeisterin bei den English Baroque Soloists, ist eng mit Bachs Klangsprache vertraut. Sie tritt auch als Bearbeiterin in Erscheinung. Weil nur zwei Violinkonzerte des Komponisten überliefert sind, ergänzt sie das Programm mit zwei Arrangements von Klavierkonzerten.

Neben dem d-Moll-Konzert - von Bach selbst ursprünglich wahrscheinlich auch für Violine konzipiert - spielt die Geigerin ihre eigene Fassung des weniger bekannten D-Dur-Konzerts. Wie sehr ihr das Stück am Herzen liegt, verrät vor allem der langsame Satz, in dem sie mit ihren Kollegen eine beinahe zärtliche Stimmung verströmt.

Geheimnisvolle Momente

Kati Debretzeni kann die Saiten behutsam streicheln, sie formt wunderbar intime und geheimnisvolle Momente, verfügt aber auch über die schnellen Finger, die Kraft und Präzision für die virtuosen Passagen.

Mit diesem Mix aus blitzsauberer Technik, Stilsicherheit und eigenen Impulsen setzt die neue Aufnahme auch neue Maßstäbe bei den Bach-Konzerten.

J.S.Bach: Violinkonzerte

Genre:
Klassik
Label:
Soli Doeo Gloria

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 05.01.2020 | 15:20 Uhr

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