Stand: 06.12.2019 16:41 Uhr  - NDR Kultur

CD der Woche: Vokalkunst auf höchstem Niveau

Farinelli
von Cecilia Bartoli
Vorgestellt von Marcus Stäbler

Ein ungewohntes Bild: Auf dem Cover ihres neuen Albums blickt Cecilia Bartoli mit einem dunklen Bart in die Kamera. Sie schlüpft in die Rolle von Farinelli, dem legendären Kastraten und wahrscheinlich größten Gesangsstar des 18. Jahrhunderts. Die Mezzosopranistin präsentiert barocke Arien, die für Farinelli entstanden sind, begleitet vom Orchester Il Giardino Armonico unter Leitung von Giovanni Antonini.

Beeindruckende Stimmkontrolle

"Farinelli hatte eine volle, satte, helle und wohlmodulierte Sopranstimme. Seine Intonation war klar, sein Vibrato schön, seine Atembeherrschung außergewöhnlich und seine Kehle ausgesprochen geschmeidig. Sein Einfallsreichtum bei der freien Verzierung von Adagios war stets ausgesprochen ergiebig." So schwärmte der Flötist, Komponist und Musiktheoretiker Johann Joachim Quantz über den Kastraten Farinelli - und Cecilia Bartoli gelingt es, all diese Qualitäten auf ihre persönliche Art zum Leben zu erwecken. Mit einem Timbre, das bisweilen an männliche Countertenöre erinnert und die Grenzen zwischen den Geschlechtern verwischt.

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Insgesamt elf Stücke hat Cecilia Bartoli ausgewählt - darunter fünf Arien des Komponisten Nicola Porpora.

Gerade in den Verzierungen der langsamen Arien demonstriert die italienische Sängerin eine unglaublich feingliedrige Flexibilität: Wenn sie die Töne umspielt und zu einem dichten Bogen verbindet, selbst in hoher Lage und in weichen Piano-Farben. Diese Stimmkontrolle klingt mehr als beeindruckend, das ist Vokalkunst auf höchstem Niveau, von Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico sensibel getragen und untermalt.

Packende und vielfältige Aufnahme

Es sind vor allem die sanften Momente, die den Hörer berücken und berühren - wie in einer Arie des Farnaspe aus der Oper "Adriano in Siria" von Geminiano Giacomelli. Aber das Album bietet auch ganz andere Facetten. Süße Liebesfreuden treffen auf Eifersucht, Schmerz und zornigen Freiheitsdrang, wie bei der Königin Cleopatra.

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Insgesamt elf Stücke hat Cecilia Bartoli ausgewählt - darunter fünf Arien des Komponisten Nicola Porpora, dem freundschaftlichen Mentor und Lehrer Farinellis, der seinem Schüler zahlreiche Arien auf den Leib geschneidert hat. Porpora nutzte den großen Stimmumfang von Farinelli, der mehr als drei Oktaven umfasst haben soll, und gab ihm Raum, seine Virtuosität zu entfalten. Den füllt auch Cecilia Bartoli aus, mit geläufigen Koloraturenketten und weiten Intervallsprüngen, in denen sich oft ein dramatischer Furor artikuliert.

Das Orchester Il Giardino Armonico beschränkt sich nicht auf die Begleiterrolle, sondern entfacht unter Giovanni Antonini die gewohnte Eigenenergie und perkussive Power.

Insgesamt ist es eine packende und vielfältige Aufnahme, die sich von anderen Farinelli-Alben durch die ganz eigene Handschrift der Interpreten abhebt und zwei Ersteinspielungen präsentiert.

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Farinelli - Cecilia Bartoli: Il Giardino Armonico

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Auf ihrem neuen Album schlüpft Cecilia Bartoli in die Rolle von Farinelli, dem legendären Kastraten und wahrscheinlich größten Gesangsstar des 18. Jahrhunderts.

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Farinelli

Genre:
Klassik
Zusatzinfo:
Label:
Decca

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 08.12.2019 | 15:20 Uhr

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