Stand: 07.11.2019 15:00 Uhr

Boris Giltburg startet Beethoven-Projekt

Beethoven: Klavierkonzerte 1 und 2; Rondo WoO 6
von Boris Giltburg
Vorgestellt von Franziska v. Busse
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Boris Giltburg wurde 1984 in Moskau geboren. Anfang der 90er-Jahre wanderte seine Familie nach Israel aus.

Ludwig van Beethoven ist überall - jetzt schon, im Vorfeld zum Beethovenjahr 2020. Auch der israelische Pianist Boris Giltburg stürzt sich mit viel Energie ins Thema: Alle 32 Beethoven-Klaviersonaten will er lernen im Lauf des Jahres und seine Fortschritte mit Videos im Internet dokumentieren. Außerdem plant er eine CD-Gesamtaufnahme mit allen fünf Beethoven-Klavierkonzerten, zusammen mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und Dirigent Vasily Petrenko. Folge eins ist gerade erschienen - drauf zu hören sind die Konzerte Nr. 1 in C-Dur und Nr. 2 in B-Dur.

Virtuoses Figurenspiel

Boris Giltburg und das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra spielen sich warm für ihr Beethoven-Projekt, im Lauf des C-Dur Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven. Das beginnt im ersten Satz geradezu minimalistisch. Aber spätestens wenn das Klavier sich einklinkt, ist klar, wer hier der Star ist: der Solist. In der Uraufführung Beethoven selbst, der dank der unerbittlichen Strenge seines ehrgeizigen Vaters ein herausragender Techniker gewesen sein soll. Das gilt auch für Boris GIltburg, der das virtuose Figurenspiel stellenweise fast zu lässig aus dem Ärmel schüttelt. Kontraste dazu schafft er mit teils scharfer Artikulation und einer sehr klaren Rhythmik.

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Wunderbar schlicht beginnt der zweite Satz, der sich im Verlauf immer wieder klanglich öffnet und schließlich zu einem fast überirdischen Schluss findet. Und der dritte sprüht Funken; hier wirkt es, als würden sich Solist und Orchester immer wieder gegenseitig anschubsen: Das ist das Tempo! Hier ist der Akzent! Komm! Mach mit!

Mozart-Atmosphäre

Das B-Dur-Konzert trägt im Werkverzeichnis Nummer zwei, ist aber eigentlich zuerst entstanden. Eine Mozart-Atmosphäre herrscht hier vor allem zu Beginn. Die fängt das Orchester wunderbar ein, mit federnden Streichern und weichem Holzbläserklang dazu, bevor das Klavier auch hier die Glanzlichter setzt.

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Boris Giltburg spielt Beethoven

NDR Kultur - Neue CDs -

Der Pianist Boris Giltburg hat Beethovens Konzerte Nr. 1 und Nr. 2 aufgenommen.

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Wie eine Opernszene entwickelt sich der langsame zweite Satz: Könnte etwa der schmerzliche Abschied zweier Liebender im Mondschein sein. Und nach intensiver Zwiesprache bleibt einer der beiden mit sehnsüchtigen Gefühlen zurück.

Exzellente Partner

Charmant gelingt auch das forsche und sprunghafte Rondo - ein Schluss, zu dem Giltburg, Petrenko und das Royal Liverpool Philharmonic gleich noch eine Alternativ-Version mitliefern. Ursprünglich hatte Beethoven nämlich ein anderes Finale vorgesehen - das ist dann viel später als Rondo WoO 6 herausgekommen. Während Boris Giltburg in beiden Konzerten die originalen Beethoven-Kadenzen spielt, hat er für das Rondo eine eigene ersonnen.

Wer GIltburg beim Spielen zuhört, der merkt: Hier springt einer nicht einfach auf einen fahrenden Jubiläums-Zug auf. Hier nutzt einer vielmehr die Gelegenheit, Beethovens Klavierwerk so intensiv wie möglich für sich zu erschließen. Dirigent Vasily Petrenko und sein Liverpooler Orchester, mit denen er auch schon eine hochgelobte Schostakowitsch-Aufnahme veröffentlicht hat, sind dafür wieder exzellente Partner.

Beethoven: Klavierkonzerte 1 und 2; Rondo WoO 6

Genre:
Klassik
Zusatzinfo:
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra Ltg.: Vasily Petrenko
Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 10.11.2019 | 15:20 Uhr

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