Stand: 02.07.2020 18:13 Uhr  - NDR Kultur

CD der Woche: Eine Reise durch die tschechische Musik

Bohemian Tales
von Augustin Hadelich
Vorgestellt von Philipp Cavert

Den Corona-Lockdown in seinem New Yorker Apartment auszusitzen, kam für ihn nicht in Frage. Den Geiger Augustin Hadelich zog es aufs Land in die Nähe von New Haven, Connecticut. Gerade ist seine neue CD erschienen: Bohemian Tales. Ein überragendes Album, findet Philipp Cavert.

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Mit "Bohemian Tales" ist dem Geiger Augustin Hadelich ein überragendes Album gelungen.

Leidenschaftlich frei, geradezu improvisatorisch schwingt sich die Sologeige empor in Antonín Dvořáks Violinkonzert, das den Einfluss des Mentors Johannes Brahms erkennen lässt. Dvořáks Konzert gilt als besonders knifflig im Zusammenspiel von Solist und Orchester - auch als schwer zu dirigieren. Augustin Hadelich hat sich für seine Aufnahme das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ausgesucht und mit Jakub Hrůša einen ausgewiesenen Dvořák-Kenner.

Gemeinsamer Ursprung in der Volksmusik

"Die Musik auf diesem Album ist unglaublich charaktervoll und auch sehr emotional", findet Hadelich. "Das sind Stücke, die sehr mitreißend sind und deswegen viel Freude machen beim Spielen, weil ich beim Spielen total von den Charakteren und den Emotionen dieser Stücke ergriffen werde. Alle drei Komponisten haben gemeinsam, dass sie sehr von der Volksmusik ihres Landes beeinflusst waren, jeder auf seine Weise. Auch wenn Dvořák und Janáček total gegensätzlich sind, hat diese Musik doch ihren gemeinsamen Ursprung in der Volksmusik."

Beide haben zwar die gleiche Klangsprache, dennoch versucht Janáček praktisch das Gegenteil von Dvořák zu machen. Dem ging es darum, Stimmungen miteinander zu verschmelzen, wohingegen bei Janáček oft rührend innige Momente auf harsche Ausbrüche folgen.

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Augustin Hadelich: "Bohemian Tales"

NDR Kultur - Neue CDs -

Mit "Bohemian Tales" ist dem Geiger Augustin Hadelich ein überragendes Album gelungen. Darauf spielt der Geiger Stücke von Antonín Dvořák, Leoš Janáček und Josef Suk.

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Augustin Hadelichs kongenialer Partner ist hier der Pianist Charles Owen. Und er hat noch einen weiteren neuen Partner: "Le Duke". "Seit etwa einem halben Jahr spiele ich die Geige von Guiseppe Guarneri del Jesu; sie heißt 'Le Duke' und war 30 Jahre lang die Lieblingsgeige von Henryk Szering, dem großen polnischen Virtuosen", erzählt Hadelich. "Ich bin mit vielen seiner Aufnahmen aufgewachsen und kannte den Klang dieser Geige schon. Und es ist eine große Ehre, auf dieser Geige zu spielen und macht mir jeden Tag viel Freude."

Das Holz der Guarneri ist dicker als das der Stradivari, der Klang etwas dunkler, wärmer und voller.

Natürlich, warmherzig und technisch überragend

Der dritte Komponist auf dem Album ist Josef Suk. Auch wenn Suk Dvoráks Schwiegersohn und Schüler war: seine "Vier Stücke für Violine und Klavier" aus dem Jahr 1900 haben eine ganz eigene Sprache. Das wehmütige Volkslied "Un poco triste" scheint schon Satie vorwegzunehmen, während die "Burleska" für heutige Ohren wie eine Verfolgungsjagd im Zeichentrickfilm klingt.

Am Schluss weist Dvořáks Humoreske in der Kreisler-Fassung schon auf ein nächstes Album voraus, für das Augustin Hadelich bereits Werke von Bach und Kreisler aufnimmt. Zuvor versöhnt das Lied "Als die alte Mutter mich noch lehrte singen" aus den Zigeunermelodien. Augustin Hadelich und Charles Owen spielen ihre eigene Transkription, um ganz nah an der Originalfassung für Gesang und Klavier zu bleiben.

Natürlich, warmherzig und technisch überragend - diese Reise durch die tschechische Musik ist zum Niederknien!

Bohemian Tales

Label:
Warner Classics

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 05.07.2020 | 15:20 Uhr

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