Stand: 10.09.2018 14:51 Uhr

Auftakt für die Orgelspiele MV

von Axel Seitz
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Die Orgel in der Kirche in Döbbersen ist ein Werk von Johann Heinrich Runge aus dem Jahr 1878.

Mecklenburg-Vorpommern ist einmalig in Deutschland - jedenfalls wenn es um die Königin der Instrumente geht - die Orgel. Landesweit existieren derzeit rund 1.000 Orgeln, davon wurden rund 650 in der Zeit der Romantik, zwischen 1820 und 1920 gebaut. Und diesen großen Bestand gibt es kein zweites Mal in Deutschland. Um diese Instrument, vor allem in den zahlreichen Dorfkirchen, noch bekannter zu machen, wird es im kommenden Jahr erstmals die Orgelspiele Mecklenburg-Vorpommern geben. Am Wochenende gab es einen kleinen Vorgeschmack im westmecklenburgischen Döbbersen.

Start am 16. Mai 2019

Die Orgelspiele MV wird es vom 16. Mai bis zum 2. Juni 2019 an drei Wochenenden zwischen Zarrentin und Neustrelitz geben. Sie wollen die klanglichen Schatztruhen des Landes öffnen, so werben die Organisatoren für ein neues Musik-Fest im Land. Eine dieser Schatztruhen steht in der westmecklenburgischen Gemeinde Döbbersen. "Wir leben hier im Biosphärenreservat Schaalsee und unsere alte Kirche St. Vitus, 1194 das erste Mal erwähnt, hat eine unglaublich schöne Atmosphäre und eine wirklich beeindruckende Akustik", schwärmt Pastor Cornelius Wergin. Er ist erst seit Anfang dieses Jahres in Döbbersen im Amt und hat dieses erste Konzert unter anderem mit Helga Trölenberg verabredet, die vor einigen Jahren auf die Idee kam, Orgelspiele zu organisieren.

"Warum ist hier eigentlich nie ein Konzert?"

"Der Ursprung war eigentlich, dass ich mit meiner Tochter, die als 13-Jährige Orgelspielen gelernt hat, durch die Dorfkirchen in Mecklenburg gezogen bin, weil meine Tochter üben und bei Gottesdiensten spielen musste", erzählt Helga Trölenberg. "Und ich saß dann da und dachte: 'Hier ist es wunderschön. Warum ist hier eigentlich nie ein Konzert?'" Helga Trölenberg traf auf Friedrich Drese, Orgelsachverständiger in der Nordkirche und Leiter des Orgelmuseums Malchow, der ebenfalls diese Instrumente häufiger zum Klingen bringen möchte. "Diese Orgelspiele haben das Anliegen, diese Instrumente in kompakter Weise in den Fokus zu stellen. Die Konzerte sollen zeitlich schnell aufeinander folgen, damit auch die Gäste, die von weiter weg anreisen, mehrere Konzerte besuchen und mehrere historische Orgeln kennenlernen können."

Orgel in Döbbersen war fast unspielbar

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Fabio Paiano spielte am Wochenende in Döbbersen die Orgel, Sofia Galeati die Geige.

Und so spielte jetzt am Wochenende Fabio Paiano die Orgel, an seiner Seite Sofia Galeati an der Geige. Beide Italiener studieren an der Musikhochschule Lübeck. Die Runge-Orgel von 1878 im Döbbersen hat eine ganz besondere Geschichte, denn vor gut vier Jahrzehnten wurde das Instrument ziemlich verstümmelt, so Friedrich Drese. "Das war eine Zeit, in der man mit dem romantischen Orgeln nicht besser umzugehen wusste, als sie dahingehend zu verändern, damit sie in den damaligen Zeitgeschmack passten", meint Drese. "Vor etwa fünf Jahren entstand dann die Idee, aus dieser fast unspielbaren Orgel wieder ein spielbares Instrument zu machen. Außerdem war Anspruch der Kirchengemeinde, die Orgel zu vergrößern, um anspruchsvollere Musik spielen zu können." Deshalb habe die Orgel vier Register mehr bekommen, die harmonisch zu dem alten Bestand passen.

Orgelspiele MV wollen sich bewusst abgrenzen

Die Orgelspiele MV wollen sich bewusst von den etablierten Festivals in Mecklenburg-Vorpommern abzugrenzen, verrät Helga Trölenberg. "Keines dieser Festivals hat nur historische Orgeln im Fokus", sagt sie. "Wir gehen gerne auch dorthin, wo die anderen nicht hingehen - und weil es im Sommer schon so viele Konzerte gibt, sind wir auf die drei letzten Wochenenden im Mai gekommen." Und so wird dann im Frühjahr 2019 die Runge-Orgel in der Kirche von Döbbersen im Rahmen der ersten Orgelspiele MV erneut erklingen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 10.09.2018 | 19:00 Uhr

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