Stand: 26.05.2019 15:01 Uhr

Alter Elbtunnel wird zum Konzertsaal

von Daniel Kaiser

Die Elbphilharmonie muss sich warm anziehen. Denn auch der Alte Elbtunnel hat sich jetzt als Konzertsaal bewährt. An diesem Wochenende erklingt in den beiden Tunnelröhren Musik, die fast ausschließlich extra für den Raum komponiert wurde. Mit 144 Musikern bringen die Musikhochschule und die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) den Alten Elbtunnel zum Klingen. Daniel Kaiser war bei der Premiere unter der Elbe dabei.

Fußgänger gehen durch den Alten Elbtunnel, ein Orchester sitzt den Tunnel entlang verteilt und spielt Musik.

Musiker bringen den Alten Elbtunnel zum Klingen

Hamburg Journal -

Zur Feier der Fertigstellung der Oströhre des Alten Elbtunnels gibt es ein besonderes Klangerlebnis: 144 Musiker spielen die extra für den Anlass komponierte "Tunnelsymphonie".

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Mit Pauken und Trompeten geht’s los. Eine Fanfare klingt durch den alten Tunnel - erst von nah, dann von fern. Alles ist so genau berechnet, dass der Schall genug Zeit hat, sich in den fast 450 Meter langen Röhren auszubreiten. 144 Musikerinnen und Musiker machen mit. Alle sechs Meter steht jemand an der Tunnelwand und spielt ein anderes Instrument. Das Publikum wandert durch den Tunnel - vorbei an Fagott und Saxophon, an E-Gitarre, Geige und Akkordeon. Barbara Niestroy ist eine der 144 Musiker. Sie wartet mit ihrer Blockflöte gerade auf ihren nächsten Einsatz. "Das ist spitze", freut sie sich. "Vor allem das Zusammenspiel mit den anderen Musikerinnen und Musikern. Oh! Jetzt muss ich ran", lacht sie, setzt die Blockflöte an und spielt los.

Auf die Zehntelsekunde genau

In Georg Hajdus "Symphony for a tunnel" erklingen Hafengeräusche, und Sängerinnen rufen die Namen von Arbeitern, die den Elbtunnel damals unter härtesten Bedingungen erbaut haben. Ansonsten dominieren in den anderen Kompositionen Klangteppiche und sphärische Klänge. Alles ist auf die Zehntelsekunde genau berechnet. Das Orchester spielt dabei ohne Dirigent. Alle Musiker haben auf ihrem Notenständer ein Tablet, auf dem live und individuell angezeigt wird, wann was zu spielen ist. Die Computerzentrale ist am Südende des Tunnels aufgebaut. Konzentriert betrachtet das Team dort die Bildschirme. Die HPA hat extra ein Netzwerk angelegt, denn eigentlich gibt es unter der Elbe keinen Internetempfang.

Gnädige Akustik

Mit Getränk und Brezel bewaffnet schlendert das Publikum durch den Tunnel, bewundert die frisch renovierten Schmuckfliesen in der gerade wieder eröffneten Oströhre und bleibt bei einzelnen Musikern stehen. Die Akustik im Elbtunnel ist gar nicht mal schlecht und etwas gnädiger als in der Elbphilharmonie. Und doch gibt es immer wieder einen nervigen Geräuschteppich von Leuten, die einfach nicht aufhören können zu quatschen.

Neues Leben im Alten Elbtunnel

Am Ende schaut man in viele begeisterte Gesichter. Mozart war das ja nicht gerade, was dort eine Stunde zu hören war. Manche Besucherinnen und Besucher fremdelten mit den Klängen. Aber die Musik passte wirklich wie angegossen zum Raum. Was für eine grandiose Idee! Und was für eine gelungene Umsetzung! Diese Sinfonie brachte wirklich ganz neues Leben in den Alten Elbtunnel.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 26.05.2019 | 09:40 Uhr