Der Pianist Alfred Brendel 2016 bei einer Preisverleihung © imago images / APress

90. Geburtstag: Pianist Alfred Brendel im Interview

Stand: 05.01.2021 06:00 Uhr

Ob Schubert, Beethoven, Mozart oder Liszt - Alfred Brendel ist weltbekannt und preisgekrönt für seine einzigartigen Klavierinterpretationen. Am 5. Januar 2021 feiert Brendel seinen 90. Geburtstag.

Beitrag anhören 3 Min

von Philipp Schmid

Sie blicken auf ein facettenreiches, intensives Musikleben zurück. Welche Momente sind Ihnen in besonderer Erinnerung – oder besonders wichtig?

Alfred Brendel: Erstens: der Erfolg meines allerersten Klavierabends in Graz, der für mein weiteres Leben die Weichen stellte. Zweitens: die Zusammenarbeit mit Philips/Decca, der Schallplattenfirma. Drittens: die Aufführung der fünf Beethoven-Konzerte vor zwanzig Jahren in Salzburg mit Simon Rattle. Viertens: der Einsatz für Schuberts Klaviersonaten und fünftens: das Wiederauftauchen der neuen Musik, die in der Nazizeit verboten war, und ihre weitere Entwicklung nach dem Krieg.

Wenn Sie auf die heutige musikalische Landschaft insgesamt schauen, was würden Sie sich besonders wünschen?

Dass sie wieder zu einer Normalität zurückkehrt, die es unzähligen Musikern, den Orchestern und den Opernhäusern gestattet, ihre Tätigkeit wiederaufzunehmen.

Das letzte Jahr war ein großes Beethoven-Jahr. Vieles musste Corona-bedingt ausfallen oder konnte nur online stattfinden. Wie haben Sie, Herr Brendel, Beethoven, der Ihnen ja sehr am Herzen liegt, gefeiert?

Ich habe Beethoven über viele Jahre hinweg mit Zyklen der 32 Sonaten und mit der Arbeit an seinen Streichquartetten gefeiert. In diesem letzten Beethoven-Jahr entdeckte ich eine Reihe selten gespielter Werke wie das Oratorium "Christus am Ölberge". Die BBC hatte das ganze Jahr lang Beethoven-Sendungen, in denen auch alte Live-Aufnahmen zu hören waren, zum Beispiel die Neunte aus dem Jahr 1991 großartig dirigiert von Klaus Tennstedt.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Wie blicken Sie auf das Jahr 2021?

Selbst als alter Pessimist kann ich nur sagen: Es kann nur besser werden.

Das Interview führte Philipp Schmid.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.01.2021 | 06:40 Uhr

Mehr Kultur

Restauratorin Nicoline Zornikau begutachtet das Werk "Die Rückkehr des Dichters. © VG Bild-Kunst / NDR Foto: Kerry Rügemer

"Magische Wirklichkeit": Giorgio de Chirico in der Kunsthalle

Giorgio de Chiricos Bilder von menschenleeren Plätzen sind weltberühmt. Die Hamburger Kunsthalle bringt sie erstmals nach Norddeutschland. mehr

Ein Dudeneintrag definiert die Worte Handelspartner und Handelspartnerin © imago images/MiS

Gendern: Online-Duden ändert Personenbezeichnungen

Der Duden ändert online 12.000 Personenbeschreibungen zwecks geschlechtergerechter Sprache. Das sorgt für Kontroversen. mehr

Lady Gaga singt bei der Amtseinführung von Joe Biden © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Andrew Harnik Foto: Andrew Harnik

Die Symbolik des Pop bei der US-Inauguration

Die Amtseinführung von US-Präsident Biden war ein schillerndes Pop-Theater. Die Auftritte von Lady Gaga und Jennifer Lopez hatten viele Dimensionen. mehr

Regisseurin und Autorin Nora Fingscheidt im Interview in Hamburg © NDR Foto: Patricia Batlle

Chancen-Gleichheit im Film? Wenige deutsche Regisseurinnen

Zwar ist die Hälfte der Regie-Studierenden weiblich, doch wenige können sich in der konservativen Filmwelt durchsetzen. mehr