Stand: 02.06.2020 11:24 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Aktion "Aufatmen": Eine Bühne für Rostocker Künstler

von Melanie Jaster

Viele Musikerinnen und Musiker, DJs und Bands hatten in den letzten Wochen wegen der Corona-Krise keine Möglichkeit, live aufzutreten. Gleichzeitig mussten Kulturinteressierte zum Großteil auf Konzerte verzichten. Die Initiatoren der Kunst-Aktion "Aufatmen" in Rostock haben sich deshalb Wege überlegt, um lokale Künstlerinnen und Künstler wieder mit ihrem Publikum zu vereinen - und zwar ganz hygienisch und mit Abstand.

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Die Musiker der Rostocker Band Breitling Stompers sind froh, endlich wieder Musik machen zu können.

Als das Segelschiff "Santa Barbara Anna" am Montagabend mit der Rostocker Band Breitling Stompers den Stadthafen entlang fährt, sammeln sich viele Schaulustige an der Kaikante. Das fahrende Konzert ist Teil der Rostocker Kunst-Aktion "Aufatmen". Eine schwimmende Bühne, die Musik für die Menschen im Hafen spielt und dann weiter in Richtung Haedgehalbinsel und Kabutzenhof zieht.

Endlich wieder Musik hören - und machen

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Das Trio Catwalk hofft, wie der Veranstalter der Aktion "Aufatmen", dass es in diesem Sommer noch viele weitere Auftritte geben wird.

Insgesamt drei Rostocker Bands, ein DJ und ein Rapper ziehen gleichzeitig durch die Stadtteile Reutershagen, Evershagen, Groß Klein, Dierkow, die Innenstadt und die Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Dort spielen sie für je 15 Minuten. So sollen größere Menschenansammlungen vermieden werden. Für viele ist es der erste Auftritt seit Wochen, erzählt der Schlagzeuger der Breitling Stompers, Detlef Pielucha: "Ich habe zu meiner Frau gesagt: Ich weiß gar nicht, ob ich noch Schlagzeug spielen kann, und ob ich noch singen kann, das weiß ich alles gar nicht. Aber natürlich - funktioniert. Es ist schon ein bisschen aufregend! Wir haben lange nichts gemacht, die Auftritte sind weggefallen - Ostern, Pfingsten - wir hätten zu diesem Termin auch noch woanders gespielt - eigentlich."

Ähnlich geht es auch dem Trio Catwalk. Im Rahmen von "Aufatmen" haben sie zum ersten Mal seit Wochen einen Live-Auftritt: Es sei wichtig ein Zeichen zu setzen, finden sie und hoffen, in diesem Sommer bei noch mehr Live-Veranstaltungen auftreten zu können.

Von der Ausnahme zur Regelveranstaltung

Der Initiator der Aktion "Aufatmen", Wolfgang Schmiedt, will das kulturelle Leben in der Hansestadt wieder ankurbeln - und Publikum und Kunstschaffende nach der Corona-Pause wieder zusammenbringen: "Ich finde es schön, wenn man merkt, dass man eine Stadt zum Schwingen bringt." Und, man solle aufhören, zu denken, dass die Menschen an eine Bühne rankommen müssen. Die Bühne müsste zu den Leuten hinfahren.

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Ob die Veranstaltung ein regelmäßiges Sommerevent werden wird, hängt auch davon ab, ob das Konzept Unterstützer findet.

Der Montag war eine Art Testlauf für das Projekt - um zu sehen, wie die Idee angenommen wird, aber auch, um mögliche Sponsoren und die Stadt selbst von der Idee zu überzeugen. Im besten Fall soll die Veranstaltung regelmäßig stattfinden, so Schmiedt, die nächsten sieben Sommerwochen mit den Ferien. Das wären sein Wunsch und sein Ziel. Ob und wann es weitergeht, das hängt allerdings davon ab, ob sich die Stadt an dem Konzept beteiligen will.

Sehnsucht nach Kultur

Der Auftakt der Aktion kommt beim Publikum auf jeden Fall gut an. Nach den letzten Wochen haben sich viele nach kulturellen Angeboten gesehnt. "Das finde ich wunderbar. Ich finde ich richtig toll, und ich freue mich darüber, dass es wieder was geben darf an Kultur und an Musik", schwärmt ein Zuschauer. Für andere war es "ein sehr befreiendes Gefühl", wieder etwas erleben zu dürfen." Noch dazu bei strahlendem Sonnenschein: "Einfach klasse!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 02.06.2020 | 19:00 Uhr

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