Der Trompeter Nils Petter Molvær © imago images / ZUMA Wire

Jazz auf NDR Kultur: Stefan Gerdes über die neuen Sendungen

Stand: 30.12.2020 12:59 Uhr

Im neuen Jahr kommt der Jazz von NDR Info zu NDR Kultur. Darüber spricht NDR Kultur Moderatorin Petra Rieß mit Jazzredakteur Stefan Gerdes.

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von Petra Rieß / Stefan Gerdes

Stefan, wann und wie bist Du zum Jazz gekommen?

Stefan Gerdes: Zu Hause war ich umgeben von Musik. Da lief praktisch alles von den Beatles bis Beethoven. Mit zehn Jahren habe ich meine erste Gitarre bekommen und so ein bisschen Bob Dylan nachgespielt. Und dann habe ich mit ungefähr 13 Jahren zum ersten Mal John McLaughlin gehört, den englischen Jazzgitarristen, und der hat mich buchstäblich umgehauen.

Jazzredakteur Stefan Gerdes im Porträt © NDR Foto: Jenny von Gagern
Stefan Gerdes und die NDR Jazzredaktion wechseln zum Jahreswechsel zu NDR Kultur.

Ich bin in Jever groß geworden, in Friesland, und bin nach der Schule immer sofort nach Hause geradelt, denn um die Mittagszeit lief Jazz im NDR. Das muss man sich mal vorstellen: Werner Burkhardt hat damals neue Platten vorgestellt und ich bin dann nach dem Mittagessen sofort in die Metropole Wilhelmshaven und habe mein ganzes Taschengeld für die neue Platte von Keith Jarrett auf den Kopf gehauen. In Wilhelmshaven gab es in den 1970er-Jahren schon das Pumpwerk. Das war so etwas wie die kleine Schwester der Fabrik in Hamburg. Und da hab ich sie dann alle gesehen: Joachim Kühn, Joe Henderson, Archie Shepp. Man kann sagen, das Radio und die Konzerte haben mich zum Jazz gebracht. Und ich wollte als Schüler schon zum Radio, und speziell zur Jazzredaktion.

Das klingt nach einer Liebesgeschichte, die ein Leben lang dauert. Du bringst jetzt den Jazz mit vielen neuen Sendungen zu NDR Kultur. Welche Sendungen erwarten uns denn?

Gerdes: Ich glaube, wir kommen mit einer sehr schönen Mischung aus bereits Bewährtem und Neuem. Wir haben ja künftig die Sendestrecke abends immer von kurz nach halb elf bis Mitternacht. Und die haben wir zweigeteilt, das heißt in der ersten Stunde hören wir "Play Jazz!". Da gibt es dreimal die Woche das Magazin mit Berichten aus dem Sendegebiet, neuen CDs und dann natürlich die NDR Bigband - dieses Weltklasse-Ensemble hat einen eigenen Sendeplatz am Donnerstag. Und das freut mich riesig. Denn jetzt haben alle Ensembles des Norddeutschen Rundfunks ihren Sendeplatz bei NDR Kultur. Und unsere Konzertreihe, unsere Konzertsendung, die gehört künftig auch zu NDR Kultur. Da senden wir Mitschnitte von allen Festivals und aus den Clubs im Norden.

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Don Cherry spielt auf einer Taschentrompete. © picture alliance / Jazzarchiv Foto: Hardy Schiffler

Jazz auf NDR Kultur

"Play Jazz!" und "Round Midnight" geben fundierte Einblicke in die aktuelle Jazzszene und auch in die Geschichte des Jazz. mehr

Und für die letzte halbe Stunde vor Mitternacht haben wir uns für NDR Kultur etwas ganz Besonderes ausgedacht: Diese Reihe heißt künftig "Round Midnight". Da wollen wir ein bisschen tiefer graben, Hintergrundgeschichten erzählen, durchaus auch politische Geschichten. Oder mal schauen, wie sich Jazz zu anderen Genres verhält, zu Samba, Tango oder klassischer Musik. Und wir erzählen die Geschichten berühmter Jazz-Songs oder sogenannter Standards. Da hab ich auch gleich eine Empfehlung: Am 5. Januar widmen wir uns dem Titel, der dieser Reihe den Namen gegeben hat, nämlich Thelonious Monks Komposition "Round Midnight".

Du hast jetzt schon die NDR Bigband erwähnt, die ihren Platz in den neuen Sendungen haben wird. Aber es gibt ja im Jazz beim NDR noch mehr: Die Live-Konzerte liegen Dir besonders am Herzen, glaube ich.

Gerdes: Ja, wenn ich ehrlich bin, ist das ein bisschen das Sahnestück meiner Arbeit. Diese Konzertreihe im Rolf-Liebermann-Studio gibt es ja schon seit über 60 Jahren. Und ich habe jetzt schon seit 20 Jahren das große Vergnügen, diese Reihe zu kuratieren, das heißt, die Künstler einzuladen. Und das hat eine große Tradition, denn dort haben Karrieren wie die von Keith Jarrett oder Jan Garbarek mit angefangen. Ich bin mir dessen sehr bewusst und versuche auch heute, Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die genau in diesem Moment kurz vor ihrem Durchbruch stehen. Der italienische Pianist Stefano Bollani, die Franzosen Vincent Peirani und Émile Parisien, die junge Schlagzeugerin Eva Klesse, die waren alle genau in dem Moment bei uns.

Und das hatte ich eigentlich auch für diese Saison geplant, aber die ist durch Corona buchstäblich an die Wand gefahren. Ich musste zwölf Bands ausladen beziehungsweise in das neue Jahr umparken. Und wenn ich mir so das Frühjahr anschaue, dann wird mir schon ein bisschen Angst und Bange. Aber ab April könnte es vielleicht etwas entspannter werden. Das ist mir auch sehr wichtig, denn dann kommt ein Musiker, auf den ich mich sehr freue: Das ist Pablo Martin Caminero aus Madrid. Der hat klassischen Kontrabass in Wien studiert und spielt heute mit seiner Band eine unglaublich raffinierte Mischung aus Jazz und Flamenco. Das wäre ihr erstes Konzert außerhalb von Spanien - also drücken wir die Daumen für April!

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 30.12.2020 | 15:40 Uhr

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