Stand: 24.04.2014 16:00 Uhr  - NDR Info  | Archiv

Eine Hommage zum 90. Geburtstag

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Der deutscher Jazzmusiker und Gitarrist Heinz Jakob "Coco" Schumann wurde 1924 in Berlin geboren.

"Ich bin ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZler, der Musik macht" - sagt Coco Schumann über sich selbst. Den "Swing-Bazillus" hat er sich vor acht Jahrzehnten eingefangen und ist ihn seitdem nicht mehr losgeworden. Gelernt hat er auf den Bühnen der Berliner Jazzclubs - mit Kollegen, wie Helmut Zacharias, Hans Korseck oder Bully Buhlan.

Lebensanker Musik

1943 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft verhaftet und verschleppt; zuerst nach Theresienstadt danach nach Auschwitz und Dachau. Ob bei den Ghetto-Swingers in Theresienstadt oder angesichts der unvorstellbaren Grausamkeit von Auschwitz: Das Überleben gelang ihm mit Hilfe der Musik, sagt er heute.

Herausragender Gitarrist

Doch er ist nicht nur Zeitzeuge des grauenhaftesten Kapitels der deutschen Geschichte, in seiner Lebensgeschichte spiegelt sich auch die Musikgeschichte des Swing im Nachkriegsdeutschland wider.

"Mein Leben, meine Freude am Leben haben sie schon damals nicht bekommen. Heute lasse ich sie mir nicht mehr nehmen, auch wenn die Luft dünner geworden ist", sagte der Musiker einmal.

Nach der Befreiung erwarb er sich den Ruf eines Weltklasse-Gitarristen. Als einer der herausragenden Gitarristen Deutschlands war er nach Kriegsende der erste, der mit einer elektrischen Gitarre auf der Bühne stand - mit Marlene Dietrich, Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong. Ob in Clubs, bei Tanzgalas oder auf Kreuzfahrtschiffen: Im Vordergrund stand immer die Musik, das Gefühl für den Rhythmus und den Augenblick.

Coco Schumann - Vita

Heinz Jakob "Coco" Schumann wurde am 14. Mai 1924 in Berlin geboren. In den 1930er -Jahren kam er in Kontakt mit den neu aufkommenden Musikrichtungen Jazz und Swing und spielte bereits als Jugendlicher in verschiedenen Swingbands.

Mit der Einführung der Rassegesetze der Nationalsozialisten 1935 wurde Schumann als "Geltungsjude" eingestuft: Seine Mutter war jüdisch, sein Vater war vor der Hochzeit vom Christentum konvertiert. Mit Hilfe falscher Steueridentität spielte Schumann bis 1943, wurde dann im März 1943 verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Im September 1944 wurde Schumann zunächst nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und spielte dort weiter mit anderen Musikern in einem Orchester des Arbeitslagers. Im April 1945 kam er mit anderen Häftlingen auf einen Todesmarsch in Richtung Innsbruck und wurde schließlich unterwegs von amerikanischen Soldaten befreit.

Schumann war bis zu seinem Tod als Musiker aktiv und versuchte jeden Tag Gitarre zu spielen. Er wurde wegen eines Hirntumors mehrfach operiert und trat deswegen kaum noch öffentlich auf.
Am 28. Januar 2018 ist er im Alter von 93 Jahren verstorben.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Jazz | 16.05.2014 | 22:05 Uhr

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