Stand: 14.03.2017 13:57 Uhr

CD-Reihe erinnert an legendäres Onkel Pö

CD-Reihe: "At Onkel Pö's Carnegie Hall"
Vorgestellt von Felix Tenbaum
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Im Jahr 1985 wurde Onkel Pö's Carnegie Hall geschlossen.

Das Onkel Pö in Hamburg-Eppendorf: ein Jazzclub, der in den 70er- und 80er-Jahren Legendenstatus erreichte. Mehr als 120 Konzerte hat der NDR im Onkel Pö mitgeschnitten. Jetzt erscheint eine CD-Reihe mit Live-Mitschnitten "At Onkel Pö's Carnegie Hall". Die Konzerte von Chet Baker, Dizzy Gillespie und Johnny "Guitar" Watson erscheinen als erster Teil einer Reihe, die an die großen Zeiten des Pö erinnern sollen.

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"Das war schon ein riesen Theater"

"Die ersten fünf Produkte, die jetzt kommen, sollten einen Querschnitt zeigen von dem, was da so im Laufe der Jahre so alles passiert ist in dem Club, nämlich Blues, Funk, Jazz", sagt Produzent Joachim Becker. Er hat sich vorgenommen, einen großen Nachlass zu verwalten. Holger Jass war damals dabei. Der ehemalige Betreiber des Pö erinnert sich noch gut daran, mit welchem Aufwand damals Live-Mitschnitte verbunden waren. Dass es überhaupt so viele Aufzeichnungen gibt, liegt vor allem am vor Kurzem verstorbenen früheren Jazzredakteur des NDR. "Damals war Michael Naura der große Boss beim NDR", erzählt Jass. "Wenn er gesagt hat: 'Die Gruppe will ich haben', dann kamen etwa 30 Leute und bauten die Mikros auf. Das war ja noch eine relativ alte Technik im Vergleich zu heute. Das war schon ein riesen Theater. Wenn Mitschnitte gemacht wurden, vor allem von Konzerten, die live gesendet wurden, dann mussten wir natürlich pünktlich anfangen. Das war schon immer mit ein bisschen Aufregung verbunden."

Unheimlich tolle Akustik

Für die Aufregung wurde Jass wie alle anderen Besucher des Pö regelmäßig mit legendären Konzertabenden entschädigt. Dass es im Onkel Pö so viele großartige Abende gab, lag am Club selbst. "Die Grundfläche vom Pö war, weil es in einem Eckhaus lag, konisch zulaufend - dadurch gab es keinen rechten Winkel in dem Laden", erinnert sich Jass. "Rundherum waren die Wände mit Holz verkleidet und es hingen alle möglichen Bilder und Poster dran. Das ergab eine unheimlich tolle Akustik - und das hat manche Musiker veranlasst, dort zu spielen, weil: Diese Akustik, die kannst du Dir ja nicht bauen."

"Das Onkel Pö war ein mythischer Ort"

Zu guter Musik und guter Akustik kam auch noch gute Stimmung hinzu, die den Konzerten das gewisse Etwas gibt, findet der heutige NDR Jazzredakteur Stefan Gerdes. "Das Onkel Pö war eigentlich ein mythischer Ort. Der Jazzclub, den man sich wünscht - und den es heute eigentlich gar nicht mehr gibt", sagt Gerdes. "Das war ein Raum, der so voller Energie steckte: voller Hautkontakt der Musiker mit dem Publikum. Da konnte man auf der Bühne buchstäblich die Reaktion des Publikums mitbekommen - und auch umgekehrt: Jede Ansage wurde begeistert aufgenommen, kommentiert, und das Ganze transportiert sich wunderbar auf den Mitschnitten. Das alles, diese gemeinsame Energie, die ist auf all diesen Platten zu spüren." Wie bei Dizzy Gillespies Konzert. Im März 1978 brachte er mit einem zündenden Mix aus Bebop und Funk das Onkel Pö zum Kochen.

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Damit das Onkel Pö - zumindest auf CD und Schallplatte - wieder zurückkehren kann, wurde an den Mitschnitten selbst wenig getan. Das war Joachim Becker besonders wichtig. "Die Absicht war, die Atmosphäre des Clubs dadurch wiederzugeben, dass man nicht nur ein paar Stücke rausnimmt und irgendwas auf einer CD zusammenschneidet, sondern das komplette Konzert - so wie es war, manchmal 60 Minuten, manchmal 2,5 Stunden - zu veröffentlichen."

Das ganze breite Spektrum der Musik in den 70ern

So sind zwar bei Chet Baker nur fünf Titel auf zwei CDs zu hören, dafür spürt man den Geist von Bakers Musik, bei der lyrische und feine Improvisationen die Stücke bis zu 28 Minuten lang werden lassen. "At Onkel Pö's Carnegie Hall" zeigt das breite Spektrum der Musik in den 70er-Jahren, von modernem Mainstream-Jazz à la Chet Baker bis hin zu geradezu unverschämt lässigen Partys mit Johnny "Guitar" Watson.

"Da werden wohl manche Erinnerungen wiederkommen"

Für Ex-Betreiber Holger Jass ist die CD-Reihe ein weiterer Baustein Erinnerung an die sieben Jahre, in denen er das Pö geführt hat. "Ich freue mich, dass ich das mal wieder höre. Das Zeug ist 30 Jahre beim NDR irgendwo verstaubt, das hat man ja nicht mehr gehört. Da werden wohl manche Erinnerungen wiederkommen."

Das legendäre Onkel Pö kehrt zurück, für alle Jazzfans, alle, die damals schon dabei waren oder gerne dabei gewesen wären - mit "At Onkel Pö's Carnegie Hall" ist ein Stück Jazzgeschichte wieder aufgetaucht.

CD-Reihe: "At Onkel Pö's Carnegie Hall"

Genre:
Jazz
Zusatzinfo:
CD-Bestellnummern: Dizzy Gillespie: 5055551770372, Chat Baker: 5055551770389, Johnny "Guitar" Watson: 5055551770396, die Tonträger sind auch auf Vinyl erhältlich.
Label:
Jazzline (Delta Music)
Veröffentlichungsdatum:
17.03.2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 14.03.2017 | 15:55 Uhr

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