Eine Platte mit der Aufschrift "Record Store Day" in einem Plattenladen © IMAGO / Müller-Stauffenberg

Wie steht es um die Plattenläden in Hamburg?

Stand: 19.02.2021 14:53 Uhr

Hamburger Plattenläden haben es gerade nicht einfach. Meckern will die Branche aber nicht, stellt Danny Marques Marcalo fest. Er hat zwei Traditionsläden besucht und festgestellt: Die Scheiben drehen sich weiter.

Im Schaufenster von Michelle Records in Hamburg stehen vor einem Konzert viele Instrumente. © NDR Foto: Heiko Block
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von Danny Marques Marcalo

Platten, wohin man schaut. Wahrscheinlich sind es bis zu 300.000. So genau wissen sie es aber nicht, sagen Christopher Zielske und Sebastian Prinz von der Plattenrille im Grindelviertel, einem von etwa drei Dutzend Plattenläden in Hamburg. Hier kann man gut erhaltene Scheiben aus allen Genres und Zeiten kaufen.

Verkauf im Hamburger Plattenladen - nur noch online

Aktuell aber nur online: "Du sitzt den ganzen Tag nur in deinem Büro und wirst zum Schreibtischtäter. Das wollten wir eigentlich nicht," so Christopher Zielske. Der Alltag sei ein bisschen traurig. "Man versucht, sich das ein bisschen nett zu machen, in dem man eine Platte auflegt, um ein bisschen das Gefühl für den Plattenladen zu bekommen." Er habe den eigenen Laden neu kennengelernt, sagt Zielske. Manchmal stöbert er im eigenen Sortiment, etwa in den "Italosachen aus den 80ern. Zum Beispiel Kodo, 83, das war so ein Italokünstler."

Im Schaufenster von Michelle Records in Hamburg stehen vor einem Konzert viele Instrumente. © NDR Foto: Heiko Block
Im Schaufenster von Michelle Records in Hamburg wurden früher immer wieder mal Konzerte gespielt.

Alles schön und gut, sagen die beiden, aber eigentlich sollte die Plattenrille voller Leben sein. 2021 gibt es sie seit 40 Jahren. Es fühlt sich aber eher an wie Kater, als wie Party. Ein paar Kilometer weiter am Lattenplatz auf St. Pauli kennt Jakob Groothoff diese nüchterne neue Realität auch in seiner Hanseplatte, wo es nur Musik aus Hamburg gibt. "Samstags ist normalerweise überall hier Flohmarkt um den Laden herum. Man kommt hier an, macht Musik an, ist vielleicht noch ein bisschen beduselt vom Tag vorher. Man redet Quatsch und verkauft viel. Das ist so das Plattenladen-Life". Jetzt sei hingegen alles so vernünftig, es ginge ums Rechnung-Erstellen. "Das ist natürlich eine schlimm verwaltete Welt.", so Groothoff.

Hanseplatte verschickt Ware in einer Art Pizzasschachtel

Er packt eine Platte in einen Karton, der aussieht wie eine Pizzaschachtel. Er hat einen Haufen mit Pizzaschachteln, die dann per Versand an die Kunden gehen. Geschäftlich will er nicht klagen. Viele bestellen aus Solidarität. Was fehle, sei das Gefühl, die Spannung in der Luft, wenn Kunden aufgeregt nach neuem Stoff im Laden suchten. Seine Kollegin Sina Kelting ist ehrlich. "Ich bin ein bisschen gelangweilt - weil wir nur noch verpacken und keine Kundschaft mehr im Laden haben."

Gleiche Situation in der Plattenrille am Grindel. Kunden gibt es nur virtuell. Aber dafür so viele, das zumindest das Jahresgeschäft am Ende von 2020 okay war. Eigentlich sollen hier aber Menschen sein, Veranstaltungen stattfinden, die Musik die Menschen zusammenbringen. Sebastian Prinz ist hoffnungsvoll für die Zeit nach Corona. "Nach dem ersten Lockdown hatten wir erwartet, dass es wieder sehr langsam wieder losgehen wird. Das Gegenteil war der Fall. Innerhalb von ein, zwei Wochen haben sie uns die Bude gestürmt. Ich rechne, damit, dass es auch diesmal passieren wird und wir den Laden weiter betreiben können." Bis dahin wird es in der Plattenrille und in der Hanseplatte weitergehen, auch wenn derzeit alles seltsam steril ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.02.2021 | 19:00 Uhr

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