Junge Leute tanzen beim Pangea Festival auf einem kunstvoll verzierten Wagen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Wie geht es weiter mit den Musikfestivals?

Stand: 29.11.2021 11:36 Uhr

Wie müssen sich Musikfestivals verändern, um auch in Zukunft zu bestehen? Am Wochenende trafen sich 200 Aussteller aus der Branche auf der Messe "Future of Festivals" in Berlin.

Junge Leute tanzen beim Pangea Festival auf einem kunstvoll verzierten Wagen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck
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von Gesine Kühne

Wer als Veranstalterin oder Veranstalter in die Zukunft blicken möchte, muss sich in Zeiten von Corona das aktuelle Jahr ganz genau anschauen. 2021 entschieden große Festivals wie das Wacken Open Air ein weiteres Jahr zu pausieren, andere nutzten den Sommer, um mit umfangreichem Testkonzept live zu gehen. So das Pangea Festival bei Rostock. Dort gab es im August vier Tage Musik, Sport und Workshops mit 15.000 Festivalfans.

Pangea Festival: Komplette Test-Infrastruktur auf dem Gelände

"Wir haben alle vor Ort getestet, wozu es eine komplette Test-Infrastruktur auf dem Gelände brauchte", erzählt Hans Jensen, einer der Gründer des Pangea Festivals, der live aus Portugal zugeschaltet wurde. "Verschiedene Probleme haben dann dazu geführt, dass es sehr lange gedauert hat und es zu Engpässen kam."

In über 20 Talks wurde sich auf der Messe nicht nur über Nachhaltigkeit von Festivals und die Inklusion auf Festivals ausgetauscht, sondern eben auch das aktuell wichtigste Thema besprochen: Was tun, wenn eigentlich nichts geht? "Future of Festivals"-Initiator Robert Stolt plädiert dafür, Testkonzepte zu testen und sich miteinander auszutauschen.

Guthaben und Test-Ergebnisse auf Festival-Armband

Festivalbesucher feiern zur Musik.
Das Pangea Festival fand im Sommer unter strengen Hygiene-Maßnahmen statt und wurde wissenschaftlich begleitet.

"Wir hatten diesen Sommer wirklich die Möglichkeit, zu gucken, welche Systeme gut laufen", so Stolt. "Ganz klarer Hinweis: Die Zukunft ist cashless. Niemand braucht mehr Bargeld mitzunehmen, und dabei geht es ja auch um Hygiene. Du kannst alles auf deinem Band abbilden, was du möchtest."

Und so können auch die Corona-Testergebnisse auf einem solchen Armband gespeichert werden, berichtet Jakob Mandler, der als DJ auf dem Pangea Festival war: "Wir mussten jeden Tag, bevor wir auf das Gelände wollten, zum Schnelltest. Erst wenn der negativ war, wurde das Band für den Zutritt frei geschaltet - auch bei den DJs."

30 Prozent höherer Aufwand durch Corona-Tests

Was sich nach einem riesigen logistischen Aufwand anhört, ist noch eher das kleinere Problem in einer neuen Situation gewesen. Hans Jensen erzählt von einem 30 Prozent höheren Organisationsaufwand bei den Mitarbeitenden, denn die wurden zwei Mal am Tag getestet: "Wenn man keinen gültigen Test hat, kann die Person dann auch nicht an ihre Position und dann muss umdisponiert werden - das sind die Sachen, die es richtig kompliziert und komplex machen."

Beim Pangea Festival bei Rostock gab es eine Sondergenehmigung. Denn hier wurde wissenschaftlich aufgezeichnet, wie das umfangreiche Testkonzept funktioniert und das Hygienekonzept staatlich subventioniert. Ein paar falsch positive Testergebnisse gab es zu vermelden.

Finanziell im Minus, menschlich im Plus

Und finanziell? Am Ende stand beim Pangea-Festival keine schwarze Null - aber die Verluste sind laut Jensen zu verknusen. "Einen Zusammenhalt schaffen, sodass die Teams auch dabei bleiben und alle einmal wieder fühlen, warum man das macht - das ist in den soften Werten ein Plus."

Deshalb fordert Jensen auch von der Politik: "Ich fände es sehr wünschenswert, wenn der Staat lieber uns fördern würde, um so eine Veranstaltung möglich zu machen - und damit auch die Gäste die Festivalkultur wieder erleben können, als uns Almosen zum Überleben zu geben."

Trend zu kleinen Musikfestivals

Der Trend, beobachtet Messe-Gründer Stolt seine kleine Festivals, organisiert von Menschen, die nicht an Profit interessiert sind, sondern die wissen, wie wichtig Festivalkultur ist: "In diesem Jahr gab es 50 neue Festivals in Deutschland - unglaublich in dieser Zeit. Die haben alle gesagt, wir veranstalten nur mit 1.000 Leuten. Das ist eine Herzensangelegenheit von denen, und das ist auch gut so."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 29.11.2021 | 06:55 Uhr

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