Eindrücke vom "Musikfest Hasselburg", das im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals stattfindet. © Axel Nickolaus Foto: Axel Nickolaus

Welche Kulturveranstaltungen sind im Sommer in SH möglich?

Stand: 07.05.2021 15:45 Uhr

Viele Veranstalter hoffen, dass im Sommer mit Open-Air-Veranstaltungen mehr Kultur möglich ist. Veranstaltungen unter freiem Himmel - wie das Wacken Open Air - unterliegen zurzeit aber noch den gleichen Regeln wie Indoor-Veranstaltungen.

Eindrücke vom "Musikfest Hasselburg", das im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals stattfindet. © Axel Nickolaus Foto: Axel Nickolaus
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von Anina Pommerenke

Die Festivalveranstalter des Wacken Open Air Holger Hübner (links) und Thomas Jensen (rechts) © dpa-Bildfunk
Die Festivalveranstalter des Wacken Open Air Holger Hübner (l.) und Thomas Jensen (r.) hoffen auf Planungssicherheit.

Findet es statt oder nicht? Das fragen sich derzeit noch zehntausende Heavy-Metal-Fans auf der ganzen Welt. Doch wenn die Macher des Wacken-Festivals so wie zahlreiche andere Kulturschaffende auf lockerere Regelungen für Open-Air-Veranstaltungen spekuliert haben, so hängen sie zurzeit immer noch in der Luft.

Das legt eine Stellungnahme für die Fans auf der Festival-Homepage nahe: "Gemeinsam mit anderen Festivalveranstaltern, verschiedenen Behörden, Virologen, Epidemiologen, Hygienikern, Politikern und vielen weiteren Experten arbeiten wir unermüdlich an Ideen und Konzepten. Wir setzen aktuell alle Hebel in Bewegung, um euch alsbald Planungssicherheit zu geben." Das Problem für Schleswig-Holsteins Kulturveranstalter: So recht weiß niemand, wie sich die Corona-Pandemie bis zum Sommer entwickelt. Und welche Regeln dann gelten werden.

SHMF plant hauptsächlich Open-Air-Veranstaltungen

Klassizistisches Herrenhaus von 1804 © NDR/ Petra Volquardsen Foto: Petra Volquardsen
Das Schleswig-Holstein Musikfestival plant in diesem Jahr mit wesentlich mehr Outdoor-Konzerten, so auch auf dem Gut Haseldorf.

Das Schleswig-Holstein Musikfestival hat sich deswegen komplett neue Veranstaltungsorte gesucht. Wären es in normalen Jahren gerade mal drei Open-Air-Veranstaltungen, sind es in diesem Jahr rund 100. Zwei Drittel der 157 Konzerte sollen unter freiem Himmel stattfinden. "Die aktuelle Situation ist die, dass wir von den Ordnungsämtern gar keine Genehmigung für unsere Konzerte im Sommer bekommen - ob outdoor oder indoor, das ist ganz egal", erklärt Pressesprecherin Laura Hamdorf. Aktuell gebe es noch gar keine rechtliche Grundlage für den Sommer. "Wir hoffen, dass in absehbarer Zeit ein Stufenplan für die kommenden Monate entwickelt wird, aufgrund dessen wir dann auch mit etwas klarerem Blick in den Sommer schauen können."

Der Hintergedanke bei den zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen ist naheliegend: Man hat die Hoffnung, dass bei Konzerten auf der grünen Wiese mehr Menschen Platz finden, als nach dem Schachbrettprinzip im Konzertsaal verteilt. "Wir wollen, dass unser Publikum sich sicher fühlt. Und das ist draußen mit einer größeren Kapazität möglich als drinnen", sagt Laura Hamdorf.

Infektionsschutzgesetz unterscheidet nicht Indoor- und Open-Air-Veranstaltungen

Im aktuellen Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung wird allerdings nicht zwischen Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen differenziert. Das hatte unter Kulturschaffenden für einen Aufschrei gesorgt. Für SHMF-Sprecherin Laura Hamdorf zurzeit jedoch kein Grund zur Sorge: "Wir sehen uns nicht in der Situation gerade, unser Programm neu zu denken für den Sommer. Wir sind sehr sehr zuversichtlich, dass wir zu großen Teilen so stattfinden können, wie es aktuell geplant ist. Und auch wenn die Beschränkungen dann doch da sind, werden wir damit umgehen können und sind dann auch sehr gelassen."

Planung des Kieler Sommertheaters noch unsicher

Auf dem Kieler Rathausplatz wird eine Open-Air-Bühne aufgebaut. © Theater Kiel Foto: Olaf Struck
Wie viel Publikum kann in diesem Jahr auf der traditionellen Open-Air-Bühne auf dem Rathausplatz dem Kieler Sommertheater beiwohnen?

Etwas schwieriger gestaltet sich aktuell die Planung des Kieler Sommertheaters: Traditionell wird dafür jedes Jahr unter freiem Himmel eine Tribüne für knapp 1.000 Menschen aufgebaut. Doch genauso wie für Indoor-Veranstaltungen würde auch hier - laut aktueller Verordnung - für das Publikum ein Abstand von 1,5 Metern in alle Richtungen gelten. Ob das Sommerevent unter diesen verschärften Bedingungen schwarze Zahlen schreiben würde und stattfinden könnte? "Kaum einer kann im Moment 'vorwissen', was im August genau sein wird", sagt Intendant Daniel Karasek. Man habe sich mit dem Gesundheitsdezernenten Gerwin Stöcken zusammengesetzt und prüfe jetzt innerhalb der nächsten 14 Tage, welche Wege möglich sind. "Das wäre auch für uns dringend zu wünschen, dass wir innerhalb von 14 Tagen zu einem Ergebnis kommen und in spätestens drei Wochen die Sommerbespielung ankündigen können."

Die Staatskanzlei der Landesregierung wollte sich zu konkreten Veranstaltungskonzepten noch nicht äußern. Man befinde sich in engem Austausch mit der Veranstaltungsbranche, heißt es auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein. Immerhin gibt es verhaltene Hoffnung: Grundsätzlich gelte das Prinzip "Draußen geht mehr als drinnen". Ministerpräsident Daniel Günther hatte bereits verlauten lassen, dass er im Sommer größere Veranstaltungen für möglich halte.

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