Stand: 20.03.2018 16:22 Uhr

Volle Dröhnung in Lindenbergs "Panik City"

Die "lebende Legende" Udo Lindenberg hat in Hamburg jetzt sein eigenes, begehbares Denkmal: An der Hamburger Reeperbahn wurde die "Panik City" eröffnet. Da der Eintritt in die Multimedia-Show nicht ganz billig ist, stellt sich die Frage: Lohnt es sich, reinzuschauen?

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

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Wenn es nach Udo Lindenberg ginge, wäre in der "Panik City" jeden Abend große Party angesagt.

Keine Panik! Damit das mal gleich zu Anfang klar ist. Hut, Brille, Zigarre. Grüne Socken, Nuschel, Nuschel. Eierlikör. Lecker. Lass jucken und krachen am Trallafitty-Tresen.

Udonauten, Lindianer aller Länder muss ich ja wohl gar nicht mehr sagen. Herzlich willkommen in der "Panik City", im Innersten des Udoversums.

Bitte ziehen Sie keine Filzpantoffeln an. Und flüstern Sie nicht, während Sie hier vor den sorgenfrei ausgestellten Exponaten bewundernd mit den Augen rollen.

Niemand ist wie er

Nein, in der "Panik City" geht es anders zu als in behördlich organisierten Kulturvermittlungseinrichtungen, sprich: einem Museum. Hier kriegt man die volle Dröhnlandsinfonie. Lange Ohren. Check mal. Dededededede. Oder so.

Denn eines ist klar, von Anfang an: Niemand ist wie er. Udo Lindenberg. Nachtigall. Und deshalb ist die "Panik City" auch kein Museum. Klaro?

Einer muss den Job ja machen

Die Briten haben Keith Richards, die Franzosen hatten Johnny Hallyday. Die gesamte Rockwelt hatte Lemmy Kilmister von Motörhead. Und wir haben eben Udo. Einer muss den Job ja machen. Wie gut.

Denn wenn man den nicht hätte, würden da die Rockbeamten übrig bleiben, die normalen, bedächtigen, innerlichen. Ja, die engagierten, musikalisch versierten. Sicher. Und genauso die jungen Jammerlappen auf der Bühne, die mit Mitte 30 schon den wilden alten Zeiten hinterhersingen und irgendwie mal raus wollen, es aber nicht schaffen. Ach nein?

Außer Lärm nichts gelernt

Sänger Udo Lindenberg sitzt bei der Eröffnung der "Panik City - Die Udo-Lindenberg-Experience" auf der Bühne. © dpa bildfunk Fotograf: Christian Charisius

Ehre, wem Ehre gebührt: Applaus für Lindenberg

NDR Info - Auf ein Wort -

Der Popstar Udo Lindenberg hat jetzt an der Hamburger Reeperbahn ein eigenes kleine Udoversum. Und das auch völlig zu Recht! Ocke Bandixen bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Die Jungen gucken Krimi oder Quiz. Und einer ist da, wo die Action ist. Einer hat es gemacht. Immer. Udo.

Er hat sich rausgetrommelt aus seiner Kleinstadt. Gronau an der Donau. Er hat sich freigepoltert aus einer Nachkriegskindheit, aus der Enge, dem Schweigen. Später hat er für seine Eltern ganze Alben aufgenommen. War der wilde Mann am Trommelfell, der Beste. Außer Lärm nichts gelernt. Jazz, Beat, Rock. Udo machte, konnte alles. Bei Onkel Pö am Tresen stehen und ebenso für die Tatort-Musik trommeln. Sponti-Sprüche aufsaugen und Lieder schreiben.

Den Sonnenaufgang an der Bar abgewartet

Und hat immer genau für eines gestanden: für sich selbst. Hau rein, ist Tango. Tu ihn rein, ist ChaChaCha. Trommelstöcke in der Tasche, in der Hand 'ne Cognacflasche.

Unter den Tischen durchgesoffen. Als Erkenntnistrinker das nasse Gold unten im Glas gesucht, den Sonnenaufgang an der Bar abgewartet und nebenbei mit Likör Männchen mit Hut koloriert.

Sich selbst karikiert. Genau, denn auch das kann und konnte er immer. Gern im Mittelpunkt stehen, aber auch alles und sich selbst nicht so ernst nehmen.

... und die ganze Honky-Tonky-Show

Angelockert, alles, irgendwie. Und dann all diese Gestalten, die nachts in der Raucherlounge des Hotels Atlantic alle wieder lebendig werden: Bodo Ballermann, Votan Wahnwitz, Rosa, die sich immer auszieht, Chubby Checker, Rudi Ratlos, die ganze Honky-Tonky-Show. Und der Nervenarzt weiß auch nicht mehr, wie es weitergeht. Alles klar?

Provoziert - und durchgesetzt

Ach, und dann war da ja auch noch die DDR-Sache. Mädchen aus Ost-Berlin. Entschuldigen Sie ... In der "Panik City" gibt's dazu einen eigenen Raum. Klingt von heute aus putzig. War es aber nicht. Ist das der Sonderzug nach Pankow? Udo Lindenberg hat erst gegen die Mauer gesungen, hat provoziert und sich durchgesetzt, ist tatsächlich in Ost-Berlin aufgetreten. Gitarren statt Knarren. Schalmei.

Lindenberg ist reif für die Lebenswerkschau!

"Berufsjugendlicher" warf man ihm später hinterher, weil Udo auch ab 40 nicht würdig werden wollte, sondern wild bleiben. Verwegen. Hut auf, Sonnenbrille. Rücken gerade.

Dafür gab es in Deutschland kein Vorbild. Hat gegen rechts gerockt, als es kaum einer machte, gegen Homophobie. Udo, das Comeback, Udo, das Musical. Die Schule, die Briefmarke, das Theaterstück. "Panikherz" von Benjamin von Stuckrad-Barre -, hat nebenbei mal eben einen Kumpel gerettet, mit seinem Udo-Sein. Und jetzt: Reif für die Lebenswerkschau? Mit Rundkino und VR-Brille? Warum nicht?

Wir haben die Nuschel-Nachtigall

1970 bekam Cary Grant einen Oscar für sein Lebenswerk. Frank Sinatra las die Begründung vor: Den Ehrenoscar bekam er einfach dafür, dass er Cary Grant war.

So! Und wir haben die Nuschel-Nachtigall und sein Lindenwerk. Dafür: Hut auf. Tür auf. Und noch etwas: Keine Panik.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 20.03.2018 | 18:25 Uhr

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