Stand: 18.09.2019 12:27 Uhr

Usedomer Musikfestival startet

von Juliane Voigt

In Peenemünde startet am Sonnabend das 26. Usedomer Musikfestival. Bis Mitte Oktober finden auf der deutsch-polnischen Ostseeinsel knapp 30 Konzerte und Veranstaltungen statt. Das Festival hat erstmals den Länder-Schwerpunkt Deutschland. Und gleich am Wochenende steht dann auch die Region im Fokus, deren wilde Faszination Künstler und Künstlerinnen seit knapp 200 Jahren anzieht: Die Ostseeküste. Noch heute inspiriert und beglückt dieses sanfte Meer seine Besucher und ist auch der Austragungsort dieses hochkarätigen Musikfestivals. Diesmal gibt es zum Musikfestival auch eine Ausstellung und eine musikalische Lesung.

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Die Ostseebäder wie in Heringsdorf beeindruckten viele Künstler und sogar Adelige.

Ganze 13 Jahre hat er die Fertigstellung vor sich hergeschoben. Erst auf Rügen kam der Komponist in Schwung und beendete bald darauf seine 1. Sinfonie. Die Sassnitzer Kreidefelsen inspirierten Johannes Brahms zu einem Alphornsatz. Die 1. Sinfonie von Johannes Brahms darf im Programm des Usedomer Musikfestival mit dem Länderschwerpunkt Deutschland natürlich nicht fehlen. Genauso wenig wie die Hebriden-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy, denn auch er verbrachte einige Sommer an der Ostsee.

Die Künstler wohnten bei den Fischern

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Die Familie des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy war oft in Heringsdorf zu Gast.

Eine Ausstellung in Heringsdorf zeigt jetzt die Geschichte der Ostsee-Bäder. Hans-Christian Bresgott hat diese in einer wissenschaftlichen Arbeit untersucht. Städter, sagt er, quartierten sich mit Vorliebe bei den Fischern ein. "Das waren lange Tagesreisen, die man auf sich genommen hat. Man war damals aber auch nicht nur drei Wochen, sondern in der Regel ein Vierteljahr an der Ostsee. Das heißt, der ganze Hausstand wurde mitgenommen", so Bresgott. "Als die Mendelssohns in Heringsdorf waren, haben sie dafür gesorgt, dass sie aus Swinemünde ein Klavier bekommen haben, damit man das ordentlich hatte. Aber man wohnte bei den Fischern, hat auf der Algenmatratze geschlafen und fand es auch berauschend, zum einfachen Leben zurückzukehren."

Der Sprung ins kalte Wasser wurde modern

Aber nicht nur die Waldeinsamkeit der Romantiker, auch der Sprung ins kalte Wasser wurde modern. "Das war offensichtlich eine spannende Erfahrung. In das Meer einzutauchen hatte eine leibliche Präsenz, die man nicht gewohnt war," erzählt Hans-Christian Bresgott. "Humboldt oder Mendelssohn Bartholdy und auch seine Schwester Fanny Mendelssohn Bartholdy sprangen ins Wasser und sagten, wie berauschend es sei, in diesem Wasser zu sein. Die quietschten vor Vergnügen - offensichtlich eine körperliche Erfahrung, die völlig neuartig war."

Auch die Kronprinzessin kam an die Ostsee

Knapp 100 Jahre später waren Seebäder Orte mit luxuriösen Villen. Auch der Kaiserliche Hof hatte die Sommerfrische an der See entdeckt. Prinzessin Cecilie, die Gattin des Thronfolgers Wilhelm von Preußen, residierte in Zoppot, dem Badeort vor Danzig. Sophie Prinzessin von Preußen hat sich mit dem Leben der Kronprinzessin beschäftigt. "Man muss dabei wissen, dass die Kronprinzessin mit ihrem Mann seit 1911 im Seebad Zoppot gewohnt hat, wo er als Regimentskommandeur der Leibhusarengarde stationiert war", erklärt Sophie Prinzessin von Preußen. "Von der Villa Seehaus in Zopot ist sie regelmäßig mit dem Boot auf die Halbinsel Hella übergesetzt und hat dort lange Spaziergänge gemacht. Diese Zeit gilt innerhalb der Familie als die glücklichste in ihrem Leben. Sie hat nicht immer ein einfaches Leben gehabt."

Ein Buch wird neu entdeckt

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Sophie Prinzessin von Preußen hat sich mit dem Leben von Cecilie von Preußen beschäftigt. Diese war die Urgroßmutter ihres Mannes Georg Friedrich.

In dem Buch "Sommer an der See" hat Cecilie ihre stillen Naturbeobachtungen festgehalten. Eine musikalische Lesung des Usedomer Musikfestival erinnert jetzt an dieses vergessene Büchlein. Lesen wird Sophie Prinzessin von Preußen. Ihr Mann Georg Friedrich Prinz von Preußen ist der Urenkel von Cecilie, deren Sommer 1914 so noch einmal lebendig wird. "Das ist was sehr Schönes, denn es sind ja sehr persönliche Eindrücke, die sie schildert", sagt Sophie von Preußen. "Ich habe gestern einfach auch mal den Versuch unternommen, den Kindern aus dem Buch vorgelesen und alle haben gesagt: 'Mama, was für ein schönes Buch.'" Demnächst will Sophie Prinzessin von Preußen mit ihrem Mann und den Kindern die Lebensorte von Cecilie besuchen: Zoppot, die Insel Hella, aber auch Mecklenburg - das Schweriner Schloss, in dem Cecilie geboren wurde - und das Jagdschloss Gelbensande, Vorbild für das Schloss Cecilienhof in Potsdam.

Die Lesung "Sommer, Sonne, Kaiserwetter" ist am Sonntag in Ahlbeck zu erleben und die Ausstellung über die Ostseebäder im 19. und 20 Jahrhundert ist ab Montag in der Villa Irmgard in Heringsdorf zu sehen. Am Sonnabend eröffnen die Baltic Sea Philharmonics das 26. Usedomer Musikfestival mit einem Konzert im Kraftwerk Peenemünde.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 18.09.2019 | 09:20 Uhr

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