Stand: 19.04.2017 17:21 Uhr

Trauer um Hamburger Liedtexter Frank Dostal

von Andreas Gaertner
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Frank Dostal wurde 1945 in Flensburg geboren. 1966 trat er erstmals im Star Club auf.

Die Hamburger Musikszene ist um einen prominenten Vertreter ärmer: In der Nacht zu Mittwoch starb Frank Dostal im Alter von 71 Jahren. Ganz eng verbunden ist er mit dem Namen der bekanntesten Hamburger Beat-Band, den Rattles, zu denen er in den 60er-Jahren gehörte. Was aber viele nicht wissen: Frank Dostal steckte auch hinter vielen bekannten Schlagern und war ein Streiter für Künstler-Rechte.

Anfänge im Star- Club

Eigentlich hat die Künstlerkarriere des Frank Dostal im Star-Club angefangen. Noch keine 20 Jahre alt war er da, Anfang der 60er-Jahre. Für den gebürtigen Flensburger, der als Hamburger Jung aufgewachsen ist, gab es nur eins: "Meine Zuneigung zum Star-Club führte dazu, dass ich über Jahre fast jeden möglichen Tag dort war und dann selber anfing, Musik zu machen."

Und zwar mit der Band Faces, die 1966 einen Hamburger Nachwuchswettbewerb gewann. Dostals nächste Station: die Rattles. Doch zusammen mit dem Rattles-Gründer Achim Reichel ging Dostal musikalisch einen Schritt weiter. Die Gruppe Wonderland entstand, mit dabei auch Les Humphries. Der Titel "Moscow" fand international Beachtung.

Texte für Feddersen, Baccara und die Schlümpfe

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Im Hamburger Star-Club wurde Musikgeschichte geschrieben. Zur Eröffnung am 13. April 1962 spielten die Beatles, später weitere Stars wie die Small Faces. Fotograf Robert Günther erinnert sich. mehr

Noch erfolgreicher wurde Dostal aber mit Musik, über die die Rockfans der 70er eher die Nase rümpften: "Das Lied der Schlümpfe". 1978 steuerte Dostal den Text bei. Er dachte dabei an seine zweijährige Tochter, wie er später einmal erzählte. Und auch ein Text für Helga Feddersen und Diddi Hallervorden wurde zum Hit: "Die Wanne ist voll".

Zu Frank Dostals größten internationalen Erfolgen zählt aber das Frauenduo Baccara. Rolf Soja schrieb die Musik, Dostal die Texte - zu Welthits wie "Yes Sir, I Can Boogie" oder "Sorry, I'm A Lady". Frank Dostal beschrieb es so: "Die musikalische Richtung muss mich interessieren, und am schönsten ist es, wenn ich den Interpreten mag - zumindest mag, wofür er steht."

Einsatz für Künstlerrechte

Mit Frank Dostal verliert die deutsche Musikszene aber auch einen, der sich für die Rechte der Musiker eingesetzt hat. Denn jahrelang gehörte er dem Aufsichtsrat der Rechteverwertungsgesellschaft GEMA an. Was das für die Künstler bedeutete, beschreibt Dostal so: "Wir können uns in Ruhe mit der Kunst beschäftigen, während die über 1.000 GEMA-Mitarbeiter im ganzen Land rumflitzen und sagen 'Du benutzt gerade geistiges Eigentum - und dafür musst Du bezahlen.'"

Mit hanseatischem Humor, aber auch mit der gebotenen Schärfe habe sich Frank Dostal für die Künstler eingesetzt, würdigt ihn die GEMA. Hamburg hat mit Frank Dostal einen seiner wichtigsten Musik-Macher verloren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 19.04.2017 | 19:00 Uhr

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