Stand: 05.04.2019 14:02 Uhr

Reiners bringt neue Formate ans Theater Kiel

von Eberhard Reuss

Das Landestheater Kiel hat ab der nächsten Saison einen neuen Generalmusikdirektor (GMD): den 36-jährigen Benjamin Reiners, aktuell noch Erster Kapellmeister am Mannheimer Nationaltheater. Er tritt die Nachfolge von Georg Fritzsch an, der in Kiel seit 2003 die musikalischen Maßstäbe setzte. Nun steht ein Neuanfang bevor. Ein Porträt.

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Im März hat Benjamin Reiners bereits das neue Programm des Theaters Kiel vorgestellt.

Was hat Benjamin Reiners nicht alles am Mannheimer Nationaltheater musikalisch auf den Weg gebracht: "Ich habe da alles gerne gemacht - Musical, Operette, Barock-Oper, bis hin zu den großen spätromantischen Schinken. Aber ich mag auch neue Formate." Das beweist er auch in Mannheim, wo er den bundesweit wohl ersten "Oper Slam" dirigiert. Auch in Kiel plant er ähnliche Projekte. "Da machen wir einen 'Philharmonic Poetry Slam'. Da spielt die Oper keine Rolle, dafür das große Orchester. Ich bin auf der Suche nach neuen Formaten". Er suche nach neuen Weisen, Leute für klassische Musik, Orchester und fürs Musiktheater zu begeistern, sagt der geborene Duisburger.

"Die klassische Musik hat mich gepackt."

Benjamin Reiners weiß das aus eigener Erfahrung zu vermitteln: "Mich hat die klassische Musik gepackt, ohne dass ich von meinen Eltern dahin geprägt worden wäre. Ich komme aus einem, im positivsten Sinne, einfachen Elternhaus. Wir hatten keine Berührungspunkte zu Hochkultur oder zu klassischer Musik", erzählt er. "Mich hat es gepackt, so dass ich es heute beruflich mache. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass es jeden packen kann."

Kieler Haus "mit sehr gutem Ruf"

Die Kieler könnten also in Zukunft vielleicht bei einem Afterwork-Klassik-Konzert in einer Brauerei für klassische Musik begeistert werden - eine traumhafte Location. Damit sind wir schon mitten drin, weshalb Benjamin Reiners von seiner neuen Wirkungsstätte schwärmt: "Die Größe des Hauses passt für mich. Die vielen Jahre als Erster Kapellmeister haben natürlich darauf hin gezielt, dass man auch mal Generalmusikdirektor werden möchte. Kiel ist kein ganz kleines Haus, aber auch noch nicht das Riesenschiff. Daher hat es mich von der Größe angesprochen. Es ist in der Landeshauptstadt, es hat einen sehr guten Ruf, besonders auf der musikalischen Ebene," so Reiners. Ihn interessiert auch die Aussicht, Teil der Theaterleitung zu sein: "Man ist nicht angestellter Generalmusikdirektor, sondern man leitet das Theater in einem Dreier-Vorstand: der Generalintendant, der Geschäftsführer und der Generalmusikdirektor. Man kann ein Theater inhaltlich und von seiner ganzen Ausrichtung her prägen."

Vom Neckar an die Ostsee gezogen

An Rhein und Neckar hatten sich Reiners und seine Frau, eine international gefragte Sopranistin, gewöhnt. Dort braucht man gute Bahn- und Flugverbindungen. Das hat Kiel alles zu bieten - ebenso die Ostsee. Ende Mai plant der Künstler seinen Umzug: Dann rufen die Vorproben für die Open-Air-Inszenierung von "AIDA".

Benjamin Reiners ist ein überaus sympathischer Künstler. Ein junger, mitreißender Dirigent, der beim Interview mit den Händen gestikuliert und demonstriert, wie sehr er sich auf seinen Einstand in Kiel freut: "Wir haben uns ein schönes Programm überlegt. Sowohl im Konzertbereich, als auch im Musiktheater."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.04.2019 | 07:20 Uhr

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