Stand: 13.02.2020 10:18 Uhr

Stephan Zilias wird neuer Generalmusikdirektor in Hannover

von Agnes Bührig

Mit der Wiederaufnahme der Oper "Salome" hat Stephan Zilias im Herbst 2019 sein Debüt als Dirigent an der Staatsoper Hannover gegeben. Anfang der Woche entschied nun der Aufsichtsrat des Hauses, ihn zum neuen Generalmusikdirektor zu machen. Mit der kommenden Spielzeit wird der 34-Jährige die Stelle bekleiden, die seit dem Weggang von Ivan Repušić im vergangenen Sommer vakant war.

Der künftige Generalmusikdirektor Stephan Zilias der Staatsoper Hannover © Simon Pauly Foto: Simon Pauly
Stephan Zilias studierte Klavier und Dirigieren in Köln, Düsseldorf und London.

Das Auswahlverfahren ist lang und intensiv gewesen - unter anderem hatten in den vergangenen Monaten namhafte Dirigenten wie Constantin Trinks und Jordan de Souza in Hannover dirigiert - doch am Ende hat Stephan Zilias in allen Abteilungen des Hauses überzeugt, sowohl als Musiker wie als Mensch.

Ein Dirigent mit starken Visionen

"Ich denke, das muss jemand sein mit starken Visionen, der so überlegt: Wo möchte ich hin, was kann ich hier verwirklichen, was kann ich machen, was kann ich machen mit den Menschen, die ich entdecke um mich herum. Und ich denke, dass Stephan ein sehr offener Mensch ist, der auch zuhört und auf andere reagiert und trotzdem sich gut durchsetzen kann", erläutert Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover, die Wahl.

Eigenschaften, mit denen es der gebürtige Wiesbadener, Jahrgang 1986, bis zur Position des Kapellmeisters an der Deutschen Oper Berlin gebracht hat, die er derzeit bekleidet. Zuvor war er in gleicher Funktion am Staatstheater Mainz, am Theater Lüneburg und an der Oper Bonn tätig. Doch seine Leidenschaft für die Musik wurde schon in der Kindheit geweckt. Seine Tante, damals Solo-Cellistin in Osnabrück, nahm ihn mit ins Konzert. Dann fesselte ihn Alban Bergs Oper "Wozzeck".

Die habe er wirklich schon als Zehn- oder Elfjähriger entdeckt. "Ich habe die Wiesbadener Musikbibliothek damals wirklich ausgeraubt, mit allem, was ich über dieses Stück finden konnte." Und dann habe er seine ganze Familie mit dem Stück "gequält" - fast ein Jahr sei es pausenlos zu Hause gelaufen.

Interesse für moderne Opern

Das Interesse für moderne Opern ist geblieben. In der vergangenen Spielzeit dirigierte Stephan Zilias Detlev Glanerts neue Oper "Oceane", auch bei Philip Glass' "Echnaton" aus den 1980er-Jahren stand er schon am Pult. Daneben hat er Klassiker von Mozart bis Verdi aufgeführt. Das wird auch in Hannover so bleiben.    

"Ich finde, dass man auf jeden Fall die großen Kernstücke des Repertoires spielen muss. Auch die Kernstücke, die eben ein großes Orchester benötigen. Aber, ich möchte immer dafür sorgen, dass man eigentlich das Gefühl hat, auch als Konzertgänger, ich verstehe, warum dieses Stück heute Abend gespielt wird, mit diesem anderen Stück gepaart", umschreibt Zilias seine Projekte. Viele Konzerte plane er außerdem mit kleinen Gesprächseinlagen zu koppeln.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 12.02.2020 | 19:00 Uhr

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