Das Cover des neuen Selig Albums "Myriaden" © Vertigo Berlin

Selig mit neuem Album "Myriaden"

Stand: 30.03.2021 16:28 Uhr

Die Hamburger Band Selig stand immer für originelle, emotionale Texte und ausgefallene, überraschende Rockmusik. Nach längerer Zeit ist nun ein neues Album erschienen, ausgerechnet im Corona-Jahr.

von Ocke Bandixen

"Eigentlich bin ich der Pandemie sogar dankbar. Ich war erst erschrocken und dachte: Ach du liebes bisschen, ich kann nie wieder meinen Beruf ausüben. Aber dann habe ich gesehen, was ich alles zu Hause hatte. Meine Familie vor allem," erzählt Jan Plewka zu den Widersprüchen dieser Tage: Das Gute sehen, aber die Schwierigkeiten im Nacken.

Der Sänger und Texter von Selig hat auch für das neue Album wieder ganz weit ausgeholt und geschaut, was ihn bewegt und daraus Lieder geformt. Der Titel des Albums fiel ihm ein, als er an der Nordsee den Nachthimmel betrachtete: "Ich war auf Amrum am Strand und hab da die Nacht verbracht. Und über mir wurden es immer mehr Sterne, unendlich viele. Und dann kam das Wort Myriaden um die Ecke."

Album "Myriaden" ragt weit über diese Zeit hinaus

Jan Plewkas Stimme erzählt immer noch genug von Staub und Straßen, sie verpasst den Geschichten und Liedern wieder die raue Echtheit, die Selig immer ausgemacht hat. "Selig sein im Augenblick", wie es in einem Lied heißt. Vielleicht kein schlechter Tipp im Moment. Aber das neue Album ragt weit über diese Zeit hinaus.

Schon vor beinahe 30 Jahren stellten Selig die Frage: Ist es wichtig? Heute klären sich manche Dinge, verschieben sich Prioritäten: In den neuen Liedern ist das ablesbar. Da gibt es ein Bedauern um Liebesbriefe, die keiner mehr schreibt und Erinnerungen an den Vater, der nicht mehr lebt. Jan Plewka trägt sein Herz in die Lieder, auch hier: "Leo kam vorbei, unser Bassist. Und ich sagte: Guck mal die Gitarre, die hat meinem Vater gehört. Und so ist dieses Lied entstanden. Ein hochreizender Gruß vom Diesseits ins Jenseits."

Songs haben immer etwas Beschwörendes

Die Band hatte schon einige Zeit vor Corona an der Musik gearbeitet. Die Lieder sind also gemeinsam entstanden, oder: entzündet worden, möchte man sagen bei Selig. Denn sie haben immer etwas Beschwörendes: Festhalten, aufrütteln, zusammen das Leben feiern. "Das Lied 'Zeitlupenzeit' haben wir an einem Bandwochenende in Dänemark geschrieben. Da kamen wir gerade von der letzten Fridays-For-Future-Demo. Und dann kam die Pandemie und brachte genau das, was alle da fordern: runterfahren, eine Zeitlupenzeit."

Geplant ist ein Konzert in Hamburg, Anfang Mai. "Wer hätte gedacht, dass wir mal in der Barclaycard-Arena auftreten?", fragt Plewka. Corona-konform, also mit Abstand, an aufeinanderfolgenden Tagen. Auch dabei: Thees Uhlmann, Madsen und Versengold. Ob das alles so stattfindet? Ungewiss, aber bis jetzt so geplant. Und man hört Jan Plewka die Hoffnung an, dass das so bleibt und wie sehr ihm die Bühne fehlt: "Es ist uns beinahe egal, wo wir spielen. Hauptsache wir können das mal wieder machen."

 

Myriaden

Genre:
Pop
Label:
Vertigo Berlin
Veröffentlichungsdatum:
12.03.2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 31.03.2021 | 19:00 Uhr

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