Johann Pätzold posiert vor einer Wand © Joahnn Pätzold/Presse Secrets Of Elements

Rostocker Johann Pätzold veröffentlicht neues Album "Chronos"

Stand: 22.04.2021 16:00 Uhr

Der Rostocker Johann Pätzold hat sich zum Prinzip gemacht, mit Musik Geschichten zu erzählen. Nun erscheint auf einem französischen Plattenlabel sein neues Album mit dem Titel "Chronos".

von Matthias Schümann

Das neue Album von Pätzold erscheint unter seinem Projektnamen "Secret Of Elements". Sein Debüt erschien bereits 2011. Seitdem hat er sich als Komponist einen Namen gemacht. Stücke des Rostockers laufen auf internationalen Radiosendern zum Beispiel der BBC.

Pätzold schreibt Filmmusiken für Netflix, Ballettmusiken für das Volkstheater Rostock und er arbeitete auch schon als Arrangeur. Auf seiner neuen Platte erzählt er nun Geschichten aus seinem eigenen Leben.

Pätzold baut auf "Chronos" Schicht um Schicht neue Motive auf

Meist sind es einfache, einprägsame Melodien oder Harmonien, die Johann Pätzold auf dem Klavier spielt. Dann legt er Schicht um Schicht neue Motive und Instrumente dazu: Keyboards, Schlagzeug, Streicher. So kommt es, dass seine Stücke oft ganz leise und beginnen, um sich dann mächtig zu steigern.

Johann Pätzold ist 1987 in Rostock geboren und Multiinstrumentalist zudem musikalischer Autodidakt. Das Stück "A Last Waltz" hat der Pianist Mischa Blanos eingespielt. Es ist ein einfaches, reduziertes Werk, das ein wenig an die Klavierstücke von Eric Satie erinnern mag.

Album "Chronos" spielt auf die griechische Mythologie an

Johann Pätzold posiert vor einer Wand © Joahnn Pätzold/Presse Secrets Of Elements
Johann Pätzold hat "Chronos" in und um Rostock aufgenommen.

Johann Pätzold orientiert sich aber nicht so sehr an der Musikgeschichte, sondern eher an der Gegenwart. Wer Philip Glass, Nils Frahm oder Max Richter mag, wird auch Secret Of Elements zu schätzen wissen.

Der Titel des Albums "Chronos" spielt auf die griechische Mythologie an, die beiden Götter Chronos und Saturn sind imaginäre Akteure hinter den Stücken. Aber Chronos bedeutet auch "Zeit". Johann Pätzold brauchte elf Jahre, um sein Werk fertigzustellen.

 Elf Titel sind elf Geschichten aus dem Leben Pätzolds

Elf Titel erzählen von elf Jahren aus dem Leben des Johann Pätzold. Von Liebe und Verlust, von der Geburt seiner Kinder. Sie erzählen aber auch davon, wie Pätzold sich ab 2015 für geflüchtete Menschen eingesetzt hat. Einmal stieg er kurzerhand ins Auto und holte eine verletzte Syrerin aus Griechenland zu ihrer Familie nach Rostock. Das dreiteilige Stück "Memento" erzählt davon.

"Memento" endet verhalten optimistisch. Der Titel "Vinculum" dagegen ist eine reine Klage. Vinculum ist lateinisch und steht für Fessel oder auch Gefängnis. Der Titel erinnert an die Zeit, in der Johann Pätzold als Maschinist des Schiffes "Sea Eye" auf dem Mittelmeer unterwegs war, um flüchtende Menschen von dem Ertrinken zu retten. Was oft misslang.

Album enthält ein Wechselbad der Gefühle

Vinculum hat auch die Versöhnung der Religionen zum Thema. Ein buddhistisches Mantra trifft auf eine deutsche Kirchenorgel, eingespielt in der Marienkirche von Gnoien, östlich von Rostock. Überhaupt ist der größte Teil der Platte in Rostock und Umgebung entstanden.

Eigentlich sollten die Stücke in Paris aufgenommen werden, aber die Pandemie kam dazwischen. Die Streicher zum Beispiel wurden an einem Tag in der Rostocker Musikschule Carl Orff aufgenommen. Mit Musikerinnen und Musikern aus der Umgebung und einer eigenen Hygienebeauftragten.

"Chronos" endet mit dem sehr persönlichen Stück "Mein Schmerz". Ein intensiver Abschluss eines sehr emotionalen Albums, dessen letzte Phase dem Musiker alles abverlangt hat. Es ist aber auch ein schwermütiges Album - im positiven Sinn. Ein Wechselbad der Gefühle, mit Dramatik, Momenten der Klarheit und reiner Schönheit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 22.04.2021 | 19:00 Uhr

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