Stand: 13.10.2017 14:24 Uhr

"Otello" in Schwerin: Spannend und herzergreifend

von Karin Erichsen

15 Jahre nach "Aida" schrieb Verdi die Oper "Otello". Die Premierenkarten wurden damals auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Mit Shakespeares Tragödie eröffnet das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin seine Theatersaison. Ein Spiel um die große Liebe, um Intrigen, Eifersucht und Zweifel. Das Spiel, das so tragisch endet.

Karen Leiber

Oper "Otello" am Schweriner Staatstheater

Nordmagazin -

Die erste Opernpremiere des Schweriner Staatstheaters: Otello, Verdis vorletzte Oper. Die weibliche Hauptrolle, die Desdemona, wird von der Sopranistin Karen Leiber gesungen.

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Sicher gibt es auch in dieser Verdi-Oper rauschende Chorszenen. Aber das wirklich bezaubernde sind die anrührenden Arien, wie das traurige Lied vom Weidenbaum oder das letzte Gebet der Desdemona, die fühlt, dass ihr geliebter Otello sie in der Nacht ermorden wird.

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Christian Juslin verkörpert in der Inszenierung am Mecklenburgischen Staatstheater den Otello.

In der weiblichen Hauptrolle präsentiert Generalmusikdirektor Daniel Huppert ein neues Ensemblemitglied - die Sopranistin Karen Leiber. Als Gast hat sie schon die vergangene Saison eröffnet, damals hat sie die Salome gegeben. Karen Leiber sei eine sehr ausdrucksstarke Darstellerin und es sei für ihn als Dirigent eine Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten, sagt Generalmusikdirektor Daniel Huppert.

An der Seite von Karen Leiber singt ebenfalls ein neues Ensemblemitglied, der Koreaner Yoontaek Rhim als Jago und nur für die Titelpartie ist ein Gast engagiert worden: der finnische Tenor Christian Juslin.

Stringente und schlichte Inszenierung

Die Regisseurin Katharina Thoma hat den Opernstoff nach dem Drama von William Shakespeare stringent und mit einem sehr schlichten Bühnenbild inszeniert. Es besteht quasi nur aus einer einzigen massiven Holzplatte - die so viel symbolisieren könne, meint Thoma: ein Boot, ein Tisch oder ein Podest. Wenn Jago beispielsweise sein dunkles Credo singt, schwebt die riesige Platte langsam von nur vier dünnen Drahtseilen gehalten vom Bühnenhimmel auf ihn herab, bis er seine Verachtung für Gott und die Welt nur noch liegend hervorstoßen kann.

Fake News auf der Opernbühne

Wie durch geschickt lancierte Fake News ein fatales Geschehen in Gang gesetzt wird, das hat Regisseurin Katharina Thoma bei "Otello" besonders gereizt. Das sei jetzt der ganz moderne Begriff dafür, sagt sie. Klassischerweise sei das Manipulation, Vorspiegelung falscher Tatsachen, die nicht hinreichend hinterfragt werden, sodass ein völlig falsches Bild entstehe, das schrecklichste Konsequenzen nach sich zöge.

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Die Inszenierung ist schlicht. Eine wichtige Rolle spielen jedoch audiovisuelle Medien.

So etwas wie in der Oper gäbe es in der realen Welt auch. Ein Mittel dafür seien Bilder, Medien, und deshalb nutzt Katharina Thoma in dieser Inszenierung auch Videotechnik, die das Geschehen auf der Bühne gleichzeitig auf großformatige Leinwand überträgt. Diese Bilder wirken dann schon viel vertrauter und gar nicht mehr wie ein Theaterspektakel. Zum Beispiel erinnert der große Opernchor auf einmal an die jubelnde Menge auf einer Wahlparty. So ist mit dieser Inszenierung ein raffinierter Brückenschlag über die Jahrhunderte gelungen. Sie ist spannend und herzergreifend zugleich - die Opernbesucher sollten Taschentücher einstecken.

"Otello" in Schwerin: Spannend und herzergreifend

Mit Verdis Oper "Otello" eröffnet das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin die Saison. Der Inszenierung ist ein Brückenschlag über die Jahrhunderte gelungen.

Datum:
Ende:
Ort:
Großes Haus/Alter Garten Schwerin 2

19055  Schwerin
E-Mail:
(0385) 5300 126
Öffnungszeiten:
Abendkasse jeweils eine Stunde vor Beginn
Hinweis:
Otello
Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi 
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln 

Musikalische Leitung: Daniel Huppert
Inszenierung: Katharina Thoma

mit: Christian Juslin als Otello, Befehlshaber der venezianischen Flotte und Karen Leiber als Desdemona, Otellos Gemahlin
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 13.10.2017 | 19:35 Uhr

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