Stand: 04.10.2019 11:09 Uhr  - NDR Kultur

Nina Hagen und Brecht-Lieder zur Klampfe

Nina Hagen ist mehr als Punk und schrille Outfits. Davon kann man sich in der neuen Ausstellung "Nina Hagen. Collection Arne Buhrdorf" im Theatermuseum Hannover überzeugen. Zusammengetragen wurden die Exponate vom Sammler Arne Buhrdorf, der mit mehr als 3.000 Objekten eine der größten Sammlungen zu Nina Hagen besitzt. Am Donnerstag wurde die Schau eröffnet, am Abend gab die 64-jährige Künstlerin im Schauspielhaus Hannover Brechtlieder zur Klampfe zum Besten.

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Brecht-Lieder kann sie: Auch in der NDR Talkshow (Foto) hatte Nina Hagen im Jahr 2015 das unter Beweis gestellt.

Nina Hagen - breite Schleife im hoch aufragenden Haar, schwarz geschminkte Augen, wallendes Oberteil - begrüßt mit Reibeisenstimme, fast gehaucht, das Publikum im ausverkauften Schauspielhaus Hannover und lobt: "Ihr habt damals unter Ministerpräsident Albrecht die verfolgten Boatpeople aus Vietnam aufgenommen." Krieg und Frieden - das Thema zieht sich durch ihren gesamten Brechtabend - und immer wieder geht es um die Unzulänglichkeit menschlichen Strebens.

Seit 1980 sammelt Buhrdorf

Die Hintergründe ihrer Brecht-Liebe finden sich unter den rund 460 Objekten der Ausstellung: Geboren in Ostberlin, saß Nina Hagen schon früh im Berliner Ensemble. Vom Karrierebeginn als staatlich geprüfte Schlagersängerin in den 1970er-Jahren in der DDR bis zu Zeitungsausschnitten als Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Psychiatrieerfahrung heute reicht die Sammlung von Arne Buhrdorf. Seit 1980 trägt der gebürtige Niedersachse Fanartikel und Zeitungsberichte zusammen. Auslöser war nicht zuletzt Nina Hagens Stimme, sagt der 52-Jährige: "Es gab ein Wahnsinnskonzert in Japan, da hat sie die Arie Habanera aus Carmen gesungen, bei der ihre Stimme richtig zur Geltung kam. Da habe ich gedacht: 'Davon möchte ich mehr hören'."

Nina Hagen tobt sich auf der Bühne aus

Es sind die überraschenden und weniger bekannten Seiten von Nina Hagen, die die Ausstellung präsentiert. Auf einem großen Plakat wirbt sie knallig bunt für Brausepulver, ihre Beziehung zu Christentum und Spiritualität in Indien werden gezeigt und auf einem Vogue-Titel ist sie als Stil-Ikone zu sehen. Für Arne Buhrdorf ist sie vor allem ein sehr authentischer Mensch. "Sie macht das nicht aus Jux und Tollerei oder weil sie jemandem gefallen will. Sie macht ist mit dem Herzen dabei. Jeder will vielleicht manchmal ein bisschen so sein wie Nina Hagen, mal ausbrechen und sagen: 'Das passt mir jetzt alles nicht.' Aber dann traut man sich doch nicht. Nina Hagen braucht sich darüber keine Gedanken zu machen, sie kann sich als Künstlerin austoben."

Davon machte die 64-Jährige am Donnerstagabend in Hannover reichlich Gebrauch, auch in langen Monologen zwischen den Liedern, in denen sie über das Böse in der Welt philosophierte, von Krieg und Klimawandel bis zur Zwangsprostitution.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.10.2019 | 06:40 Uhr