Tania Renz steht neben einem Klavier © NDR Foto: Linda Ebener

Musikkarriere starten in Zeiten von Corona

Stand: 12.02.2021 12:25 Uhr

Was wird aus Musikstudierenden in Zeiten von Corona? An der Musikhochschule Lübeck gibt es nun ein "Career Center", bei dem sich Studierende beraten lassen können.

von Linda Ebener

Tania Renz studiert Gesang im Master an der Musikhochschule Lübeck. Ihr großer Traum ist es einmal Opernsängerin zu werden. Durch Corona ist dieser Traum etwas in die Ferne gerutscht, aber sie ist offen für alles und hat auch einen Plan B: "Für mich stand fest, dass ich mich auf jeden Fall breit aufstellen möchte. Demnach ist es für mich jetzt auch noch mal eine Option, ein Studium oben drauf zu nehmen - Sozialökonomie. Trotzdem möchte ich bei Vorsingen schauen, wie es alles geht. Aber die eigentliche Ausübung als Opernsängerin ist jetzt noch mal erschwert."

Aber nicht jeder Studierende hat auch einen Plan B. Deshalb gibt es an vielen Musikhochschulen ein "Career Center", unter anderem an der Musikhochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seit mehr als zehn Jahren werden die Studierenden beim Berufseinstieg - beispielsweise mit der Erstellung von Künstlerprofilen - unterstützt. Darin steht: Was kann ich und was sind meine Stärken?

Musikhochschule Lübeck will Einstieg ins Berufsleben erleichtern

An der Musikhochschule Lübeck arbeitet momentan Jens Bracher an einem Aufbau eines "Career Centers". Er erhofft sich, dass er dadurch Studierenden die Karrierewege erleichtern kann oder zumindest Alternativen findet, die ihnen vorher vielleicht nicht bekannt waren: "Schlussendlich muss man auch ein bisschen schauen, wo man bleibt. Man muss ja auch einfach irgendwo Einkommen generieren und sich vielleicht auch alternative Einkommensquellen schaffen. Die sind eigentlich auch vorhanden, das ist nicht so schlimm, wie man denkt. Also man muss vielleicht auch manche Vorstellungen über Bord werfen. Sich etwas Neues trauen, das möchte ich eigentlich vermitteln."

Ziel ist es, umfassende Künstlerpersönlichkeiten auszubilden

Das hat auch Tania Renz verstanden und bekommt auch immer wieder Unterstützung von Professor Jens Bracher: "Ich kann mir sehr gut vorstellen im Bereich Musikmanagement zu arbeiten, einfach weil da verschiedene Ströme von Sachen, die ich gut kann, zusammenkommen."

An der Musikhochschule Hannover gibt es kein "Career Center", dafür ist sie gut mit Branchen in der Stadt vernetzt und kann Studierenden zum Beispiel Möglichkeiten an der Staatsoper anbieten. Auch die Hochschule für Musik und Theater in Rostock hat Alternativen geschaffen, sagt Sprecherin Angelika Thönes: "Das Ziel unserer Hochschule ist es, möglichst breit und vielfältig aufgestellte kreative, eigenständige, reflektierende Künstlerpersönlichkeiten auszubilden, damit sie krisenresistent sind. Dazu gehört, dass sie Fächer belegen, wie Karriereplanung, Bewerbungstraining, Projektplanung, Musikpädagogik und vieles andere. Und diese Fächer ergänzen dann natürlich die künstlerischen Hauptfächer und die künstlerischen Kernmodule."

Tipp: Nicht verrückt machen!

Tania Renz hat noch einen Tipp: "Ich glaube, dass die Erfahrung, die wir in unserem Studium sammeln können, so einzigartig sind und auch genau die Kompetenzen sind, die in vielen Berufen gesucht werden. Demnach würde ich jedem raten, der gerade noch am Anfang ist, das in vollen Zügen zu genießen und sich nicht zu viele Sorgen zu machen." Denn auch abseits des eigentlich geplanten Weges, gibt es Möglichkeiten Fuß zu fassen und Karriere zu machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.02.2021 | 06:40 Uhr

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