Mann hält Tablet mit einer Balalaika auf dem Schoß © IMAGO / Shotshop

"Musikhochschulen 4.0": Digitale Lehre wird gestärkt

Stand: 16.12.2021 14:48 Uhr

"Hochschullehre durch Digitalisierung stärken", so heißt ein Förderprogramm der von Bund und Ländern finanzierten Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Von ihm profitieren jetzt auch 18 der 24 Musikhochschulen in Deutschland, darunter vier aus Norddeutschland.

von Agnes Bührig

Mit einem Pilotprojekt der Musikhochschule Mannheim können Studierende wie Gäste Gehörbildung selbständig betreiben - in Kategorien wie Melodie, Harmonik oder Intonation, anhand von 1.300 Hörbeispielen. Im "Netzwerk der Musikhochschulen 4.0" soll es jetzt weiterentwickelt werden. "Dieser Aspekt der Digitalisierung ist jetzt keine Alternative zum künstlerischen Präsenzunterricht, sondern ein Additivum und hilft uns dabei, eben auch in bestimmten Situationen zusätzliche Unterrichtsformate zu erkennen. Dazu bedarf es aber natürlich auch eines guten Equipments", sagt Hans Bertels, Kanzler der federführenden Hochschule für Musik in Detmold.

Einfluss des Digitalen auf künstlerischer Ebene

Rund 4,9 Millionen Euro Projektförderung erhalten die 18 Musikhochschulen des Netzwerkes 4.0 in den kommenden drei Jahren. Die Geschäftsstelle befindet sich in Detmold, in Norddeutschland sind Rostock, Lübeck, Hamburg und Bremen dabei. Damit wird eine bereits bestehende Zusammenarbeit, die in den letzten neun Jahren durch den Qualitätspakt Lehre finanziert wurde, staatlicherseits weitergeführt - auch beim Thema Qualitätsmanagement.

"Da ist ein Hochschulverbund natürlich ideal geeignet, im Sinne einer kollegialen Zusammenarbeit den einzelnen Musikhochschulen bei der Qualitätssicherung bis hin zur Evaluation behilflich zu sein," sagt Reinhard Schäfertöns, Rektor der Hochschule für Musik und Theater Rostock. "Da haben wir häufig das Problem, wenn wir mit Agenturen zusammenarbeiten oder auch die Lösungen übernehmen von Universitäten, dass die eigentlich für Musikhochschulen und ihre speziellen Unterrichtsformate nicht wirklich passen." Denn anders als in anderen Studiengängen ist im Musikstudium der Einzelunterricht die Basis. Damit muss auch die Bewertung der Lehre anders organisiert werden. An der Musikhochschule Lübeck wurde dazu in einer früheren Förderungsphase des Netzwerkes geforscht, am Ende gab es ein Handbuch und das Land Niedersachsen förderte eine Stelle für Qualitätssicherung.

In Zukunft ein digitales Musik-Zentrum?

Ein anderes wichtiges Thema ist der Einfluss des Digitalen auf künstlerischer Ebene, sagt Rico Gubler, Präsident der Musikhochschule Lübeck: "Das betrifft jetzt nicht nur elektronische Musik, das ist ein relativ typisches Feld. Aber es geht auch darum, wie arbeite ich im multimedialen Bereich. Wie stehe ich zur Digitalität, also auch die Reflektion dazu?" Und das könnte in den nächsten Jahren zu einem digitalen Musik-Zentrum führen, in dem sich Studierende und Lehrende der 18 angeschlossenen Musikhochschulen austauschen.

Weitere Informationen
Tania Renz steht neben einem Klavier © NDR Foto: Linda Ebener

Musikkarriere starten in Zeiten von Corona

An der Musikhochschule Lübeck gibt es ein "Career Center", bei dem sich Studierende in Zeiten von Corona beraten lassen können. mehr

Frau hört mit geschlossenen Augen eine Stimmgabel die neben ihr Ohr gehalten wird © IMAGO / Panthermedia

Musikmedizin: Neues zum absoluten Gehör und Hilfe bei Ansatzdystonie

Musikmediziner in Hannover haben neue Erkenntnisse zum absoluten Gehör und zur sogenannten Ansatzdystonie bei Blechbläsern. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.12.2021 | 08:15 Uhr

Mehr Kultur

Ein buntes Mosaik mit Bildern der Interviewpartner der Doku "Wie Gott uns Schuf", in der Mitte ein bilden diese ein Kreuz. © Eyeopening Media/rbb/SWR/NDR

"Wie Gott uns schuf": Katholische Gläubige wagen Coming Out

100 nicht-heterosexuelle Menschen sprechen in einer ARD-Dokumentation (heute Abend im Ersten) über den Kampf um ihre Kirche. mehr