Andrea Masurat vor einem Regal mit Geigen © NDR

"Masuratini": Lübeckerin erfindet eigenen Geigenkasten

Stand: 09.10.2020 14:03 Uhr

In zweiter Generation baut die Lübecker Familie Masurat Geigen. Mit dem neuen Geigenkasten "Masuratini" ist ihr ein erstaunlicher Erfolg gelungen.

von Thorsten Philipps

Rudolf Masurat © NDR
Rudolf Masurat hat die Firma aufgebaut und ist immer noch aktiv, gerade hat er einen eigenen Stradiwari-Lack gemixt.

Rudolf Masurat ist bereits 92 Jahre alt. Noch immer baut er im ersten Stock des Einfamilienhauses Violinen und Bratschen. Sogar der berühmte Violonist Saschko Gawriloff ließ im Hause Masurat schon Geigen anfertigen. Besonders stolz ist Rudolf Masurat auf seine Tochter Andrea, die ebenfalls Geigenbauerin ist. Mit einem neuen Geigenkasten ist ihr gerade ein großer Wurf in der kleinen Welt der Geigerinnen und Geiger gelungen.

Andrea Masurat arbeitet im Erdgeschoss in Ihrer Werkstatt am Tisch. Um Sie herum liegt allerlei Werkzeug und Holz. Etwa 500 Geigen, Bratschen und Celli hat sie in ihrem Leben schon gehobelt und gebaut - häufig geht es bei ihrer Arbeit um Zehntelmillimeter.

"The Strad" macht Masurats Geigenkästen berühmt

Inzwischen ist Andrea Masurat nicht nur für ihre Geigen, sondern auch für ihren selbsterfundenen Geigenkasten, den "Masuratini", weltweit bekannt. Seitdem das Klassik-Magazin "The Strad" einen Artikel über den "Masuratini" veröffentlicht hat, kommen die Bestellungen von überall her.

Geigentaschen © NDR
Geigentasche als Handgepäck: Die "Masuratinis" sind praktischer im Transport und werden wie ein Rucksack getragen.

Ihr ginge es aber weniger um das Geld als um die Ehre und Anerkennung. "Das ist schon ein besonderes Gefühl in der Strad zu erscheinen", sagt die Geigenbauerin. "Ich dachte eigentlich, dass ich da vielleicht eine Anzeige schalte und dann ruft die Strad vor ein paar Wochen an und sagt, dass sie in der Kategorie "New Products" den Masuratini vorstellen will." Der Name ginge auf einen Einfall ihres jüngeren Sohns Dan zurück, einfach die italienische Verniedlichungsform ihres Nachnamens Masurat zu nutzen.

Praktikabler als ein herkömmlicher Geigenkasten

Auf die Idee zum Masuratini war Andrea Masurat vor einigen Wochen durch eine Kundin gekommen. "Da kam ein 12-jähriges Mädchen zu mir, das regelmäßig nach Mallorca fliegt und dort immer Probleme mit dem Geigenkasten hat, weil sie ihn nicht als Handgepäck mitnehmen darf", erzählt sie.

Andrea Masurat mit einem Bohrmaschinen-ähnlichen Werkzeug. © NDR
Beim Bohren der Löcher für die Tragbänder geht es um Millimeterarbeit.

Der "Masuratini" sieht auf den ersten Blick aus wie alle anderen Geigenkästen, ist aber rund 20 Zentimeter kürzer und der Bogen steckt nicht im Kasten sondern außerhalb in einem eigenen Etui. Das wiederum wird mit Bändern an dem Geigenkasten fest gebunden. Die Bänder werden durch zwei Löcher an dem Kasten fixiert. Auch beim Bohren dieser Löcher für die Tragbänder geht es um Millimeterarbeit. "Wenn die zu locker sind, dann fängt das an zu Schlackern und das darf nicht sein." Dadurch dass der "Masuratini" kürzer als ein normaler Geigenkasten ist und Bänder wie ein normaler Rucksack hat, kann er als Handgepäck auch mit ins Flugzeug genommen.

Im nächsten Jahr will Andrea Masurat nach Cremona, der Heimatstadt von Antonio Stradivari und dort auf der großen Musikmesse ihren "Masuratini" vorstellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 08.10.2020 | 19:30 Uhr

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