Stand: 19.01.2019 22:59 Uhr

Aus der Met gesendet: Filigrane Klänge voller Poesie

von Sabine Lange

Dass Yannick Nézet-Seguin nicht nur im Konzert-, sondern auch im Opernrepertoire brilliert, fiel unter anderem in New York auf, wo ihn das berühmteste Opernhaus Amerikas, die Metropolitan Opera, an ihrer Spitze haben wollte. 2020 sollte es so weit sein. Doch nachdem James Levine als sein Vorgänger vorzeitig seinen Posten räumen musste, ist Nézet-Seguin schon in dieser Spielzeit angetreten - mit Claude Debussys rätselhafter Oper "Pelléas et Mélisande". NDR Kultur hat die Veranstaltung am Sonnabend live aus New York übertragen.

"Pelléas et Mélisande" an der MET

Eine der besten Partituren der Musikgeschichte

Es sind feine, filigrane Klänge voller Poesie, aber auch voller Rätselhaftigkeit, die der Impressionist Claude Debussy für seine 1902 uraufgeführte Liebesgeschichte um Pelléas und Mélisande fand. "Drame lyrique" nannte der Komponist dieses Meisterwerk, dessen Vorlage von Maurice Maeterlinck stammt.

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Yannick Nézet-Seguin James Levine, Musikdirektor der New Yorker Metropolitan Opera

Yannick Nézet-Seguin liebt diese Partitur, die er für eine der besten der Musikgeschichte hält, allein schon wegen der faszinierenden Orchestrierung. Seitdem er 2001 das Werk in Montreal erstmals aufgeführt hatte, wartete er auf den Moment, es endlich wieder dirigieren zu können. Jetzt tut er es, in seiner neuen Funktion als Musikdirektor der MET: "Jeder Dirigent, der vor diesem wunderbaren Orchester in diesem grandiosen Haus steht, mit der weltbesten Besetzung auf der Bühne, kann bei diesen fantastischen Arbeitsbedingungen höchste Exzellenz in jeder Aufführung anstreben. Wenn man nun aber auch noch wie ich Musikdirektor ist, ist es die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das Niveau immer so hoch bleibt oder sogar noch steigt. Das ist doch das allgemeine, philosophische Prinzip des Lebens: Wenn man will, dass man auf seinem besten Niveau bleibt, muss man versuchen, immer noch besser zu werden."

Isabel Leonard als Mélisande und Paul Appleby als Pelléas in Debussys "Pelléas et Mélisande." © Met Opera Foto: Karen Almond

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"Ich muss die Musik verkörpern"

"Was ich besonders von meinem Lehrer Carlo Maria Giulini gelernt habe, ist, dass der Dirigent, um für die Musiker klar zu sein, selber in seinem Kopf klar sein muss. Sobald ich denke: Oh, ich muss jetzt diese oder jene Geste machen, ist die Klarheit schon verloren. Ich habe das Gefühl, ich muss die Musik verkörpern. Es geht nicht darum, welche Art Taktstock ich benutze oder wie hoch ich meinen Arm hebe. Es geht darum, emotional im jeweiligen Moment absolut präsent zu sein und diesen Moment auszudrücken. Ich weiß, das klingt simpel - aber es ist alles andere als einfach. Ich fühle mich inzwischen erfahren genug im Konzert- und Opernrepertoire, um der MET bestmöglich mit meinen Fähigkeiten zu dienen. Vor zehn Jahren hätte ich weder diese Erfahrung, noch das nötige Selbstvertrauen gehabt. Jetzt bin ich aber auch noch nicht zu alt. Ich kann all meine Energie hineinstecken."

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Isabel Leonard singt die Rolle der Mélisande in Debussys Oper.

Yannick Nézet-Seguin dirigierte Claude Debussys "Pelléas et Mélisande" - seine Protagonisten auf der Bühne der MET waren handverlesen. Die gebürtige New Yorkerin Isabel Leonard, die schon mit zwei Grammys ausgezeichnet wurde, gab in dieser Produktion ihr Rollendebüt als Melisande. An ihrer Seite stand der ebenfalls noch junge amerikanische Tenor Paul Appleby als Pelléas.

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Dieses Thema im Programm:

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