Eine Frau und ein Mann präsentieren im Jahr 1988 neue Frisuren. © picture-alliance / dpa Foto: Wolfgang Eilmes

Lambada und Lalala: Zeitreise in die Popkultur der 80er

Stand: 22.11.2021 14:03 Uhr

Oft fallen Erinnerungen schwer - die 80er-Jahre machen eine Ausnahme, wie die "Hör mal'n beten to"-Redaktion festgestellt hat.

von Lornz Lorenzen

Zählen Sie auch zu den geburtenstarken Jahrgängen? Wissen sie auch noch wie eine "Grüne Wiese" (Blue Curaçao mit O-Saft, Anm. d. Red.) schmeckt, oder wie sich das Leben vor dem Internet anfühlte? Herzlichen Glückwunsch, dann sind Sie mit gewisser Wahrscheinlichkeit in den 1960er- oder 1970er-Jahren geboren - wie unsere "Hör mal'n beten to"-Autoren Ines Barber, Matthias Stührwoldt und Jan Graf.

Matthias Stührwoldt in den 80er-Jahren. © Matthias Stührwoldt / privat
Matthias Stührwoldt ging 1987 als Teenager kurz vor dem Abi, immer mit nassen Haaren ins Bett. So zauberte er diesen speziellen 80er Look.

Der kreative Biobauer und Musikfan aus Stolpe im Kreis Plön, Matthias Stührwoldt, bilanziert in seiner "Hör mal'n beten to" Geschichte trocken: "Wat vele musikalische Highlights angeiht, weer ik to laat. As The Who "My generation" sungen hebbt, weer ik nich mol een Pogg in Diek. As de Beatles sik oplöst hebbt, harr ik noch een Windel üm. As Elvis doot bleev, heff ik mit Lego speelt, un as Punk nah Dütschland keem, heff ik jüst dat erste Mol Trecker föhrt." ("Was viele musikalische Highlights angeht, war ich zu spät. Als The Who "My Generation" sangen, war ich noch nicht mal ein Frosch im Teich. Als die Beatles sich auflösten, hatte ich noch eine Windel um. Als Elvis starb, spielte ich noch mit Lego und als der Punk nach Deutschland kam, saß ich das erste Mal auf einem Traktor.")

Dünne Autos vs. Blechmonster

Und dann war der Dorfjunge dreizehn Jahre alt, ging ins Konzert und erlebt Annette Humpe von der Kultband Ideal hautnah mit "Deine blauen Augen" auf der Bühne mit. Wenn man jünger ist, hat die interne Festplatte noch Platz. Platz, um all die eigenartigen Sitten, Moden, Gebräuche und Kulte der 80er-Jahre abzuspeichern. Zwischen Petting und Pershing, Zauberwürfel und "Vokuhila"- Frisur. Und irgendwann purzeln die Geschichten dann heraus.

Ines Barber in den 80er-Jahren © Ines Barber / privat
Ines Barber wundert sich heutzutage vor allem über die "aufgeplusterten verfressenen Blechmonster" auf den Straßen - in den 80ern, als das Foto entstand, waren Autos noch "schlank und rank".

Wie bei Ines Barber. Sie stellt lapidar fest, dass die Autos früher "dünner" waren: "Rund, as so'n oppuust Schlauchboot, so seht hüüt doch vele Autos ut. Eerst düsse SUVs. As hebbt se al toveel Wittkohl intus, verfreten Blickmonster oppe Straaten. Dat kenn ik noch ganz anners! As ik Studentin weer, lang lang is dat her, also, inne tachentiger Joarn, dor weern de Autos noch slank un rank. Will sik hüüt keen Minsch mihr op besinnen." ("Rund und aufgeplustert wie ein aufgeblasenes Schlauchboot, so sehen heute viele Autos aus. Dann erstmal diese SUVs. Als hätten die zu viel Weißkohl intus, verfressene Blechmonster auf den Straßen. Das kenne ich noch ganz anders. Als ich Studentin war, da waren die Autos noch schlank und rank.")

Ohne Airbag direkt in die 80er-Jahre katapultiert

Mal ehrlich! Mit welchem Jahrzehnt haben Sie sich denn zu Hause eingerichtet? Als Thomas Lenz einen Bekannten besuchte, den er Jahrzehnte nicht gesehen hatte, war es so, als hätte jemand Doc Browns Fluxkompensator aus "Zurück in die Zukunft" angeschmissen und ihn ohne Airbag direkt in die 80er Jahre katapultiert: "Ik bün in't Museum west! Bi een Fründ. De hett nich alle Latten an'n Tuun. Ik mag em, man woans he wahnt, dat treckt di doch de Schoh ut. In'e Wahnstuw en öwerdimensionerte Plüschsofa mit quietschbunte Samtkissen dorup un en Tigerfell-Imitatschon dorvör." ("Ich war im Museum. Im Wohnzimmer stand ein überdimensioniertes Plüschsofa mit quietschbuntem Samtkissen, davor eine Tigerfellimitation.")

Das Fazit seiner Geschichte: "Alles hat seine Zeit. Manche Sachen überleben, manche Sachen werden mit der Zeit auch vergessen. Und das ist noch viel besser."

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Junge Frau flüstert einem Mann etwas ins Ohr. © Fotolia.com Foto: olly

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Vergessen schwer gemacht

Ja, mag sein, aber das mit dem Vergessen funktioniert nur in den seltensten Fällen. So bekommt wohl niemand, der ein Herz hat, die Szene mit dem hässlichen Gremlin aus Joe Dantes Horrorkomödie "Gremlins - die kleinen Monster" von 1984 aus dem Kopf - der, der im Mixer zerfleischt wurde.

Als Einstiegsdroge für den 80er-Rausch bietet sich übrigens das Stück von Gerd Spiekermann an. Darin versucht er seinen drei Töchtern, die allesamt in den 80ern geboren wurden, zu erklären, was sie alles verpasst haben: "9. November 1989 fullt in Berlin de Muur! Wi hefft Lambada danzt un sungen: 'Live is Life'! Dat weern de 80er. Noch wat vergeten? Och ja: lalalalala" ("9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin. Wir haben Lambada getanzt und sangen: 'Life is Life'. Das waren die 80er. Noch etwas vergessen? Ach ja: lalalalala!")

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Hör mal 'n beten to | 26.11.2021 | 20:50 Uhr

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