Stand: 24.05.2018 12:29 Uhr

Zeitreise durch Hamburgs Musikgeschichte

von Daniel Kaiser

Das Komponistenquartier in der Hamburger Neustadt ist komplett. Jetzt sind auch die Ausstellungsräume über Gustav Mahler und das Geschwisterpaar Felix und Fanny Mendelssohn fertig. Ab dem 29. Mai können Besucher nun die Hamburger Musikgeschichte vom Barock bis zum Beginn der Moderne erleben, teilweise auch mit ganz unsinfonischen Klängen.

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Gustav Mahler war ein begeisterter Radfahrer. Auch seiner späteren Frau Alma begegnete Mahler zum ersten Mal auf seinem Fahrrad.

Ein Fahrrad lehnt an einer Litfaßsäule. Nur die Klingel und die vorsintflutliche Öllampe zeigen an, dass es nicht aus unserer Zeit stammt. Ansonsten erinnert es an ein nagelneues Hipsterbike aus dem Schanzenviertel.

Mit so einem Rad ist Gustav Mahler durch Hamburg geradelt, als er von 1891 bis 1897 Kapellmeister des Stadt-Theaters war. Damals vor 125 Jahren war Radfahren noch exotisch.

"Wir zeigen hier auch einige Texte, in denen er sich über die anderen langweiligen Hamburger beschwert hat, die kein Fahrrad haben", erzählt der Ausstellungsarchitekt Gunther Maria Kolck. "Er ist wohl auch sehr rasant gefahren und hat sich immer für die Preise der Rennräder interessiert." Der große, vergeistigte Gustav Mahler war also ein Pionier der Fahrradstadt Hamburg.

Lebendige Ausstellung im Komponistenquartier

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Kuratorin Rita Strate zeigt das Lochpapier, auf dem Mahlers Klavierspiel festgehalten wurde.

Das Komponistenquartier will nicht langweilige Noten-Originale in Schaukästen verstauben lassen, sondern ein Gefühl für die Musiker und ihre Zeit erschaffen - und das auf wenigen Quadratmetern.

Teil der Ausstellung ist auch ein automatisches Welte-Mignon-Reproduktionsklavier. Mahler hatte sich mal an so eine Maschine gesetzt, die sein Spiel auf Papierrollen stanzte und sozusagen aufnahm. Legt man die Papierrolle ein, kann man immer wieder Mahler spielen hören.

Nah dran am Dirigenten und Komponisten Mahler

Nebenan liegt das große, alte Taufbuch aus dem kleinen Michel, das zeigt, dass der Jude Mahler in Hamburg zum Katholizismus konvertierte. Man erlebt ihn auf Bildern und in einem Zoetrop, einer sogenannten Wundertrommel, beim wilden Dirigieren und beim Komponieren.

Seine großen Sinfonien erschuf Mahler nämlich in den Bergen, in kleinen Komponierhäuschen. Und so eines steht als begehbares Modell auch im Museum. "Man kann sich das als ganz primitive Gartenlaube vorstellen", erklärt Kolck. "Und in unserem Modell kann man auch Klanginstallationen auslösen und auf Bildschirmen die Themen vertiefen."

Fanny Mendelssohn tritt aus Schatten des Bruders

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Im neuen Fanny-und-Felix-Mendelssohn-Museum erfährt man besonders viel über Fanny Medelssohns Leben und Musik.

Die Inspiration für das Finale seiner zweiten Sinfonie bekam Mahler bei einer Trauerfeier für den Dirigenten Hans von Bülow im Michel. Nicht weit entfernt wurden zwei andere weltbekannte Komponisten geboren. Gleich gegenüber der Hamburger Hauptkirche, nicht weit vom Komponistenquartier entfernt, verbrachten Felix Mendelssohn und seine Schwester Fanny ihre ersten Lebensjahre. Später floh die Familie dann vor den napoleonischen Truppen nach Berlin.

Auch bei den Mendelssohns spielte die Konversion vom Judentum zum Christentum eine wichtige Rolle. In der textreichen Ausstellung erfährt man auch besonders viel über Fanny, ihr Leben und ihre Musik.

"Darauf bin ich ganz besonders stolz", sagt Beatrix Borchard von der Hamburger Mendelssohn-Gesellschaft. "Normalerweise geht es immer nur um Felix, hier aber ist Fanny nicht nur als Kommunikationspartnerin, sondern auch als Komponistin vertreten."

Ausstellung schon jetzt ein Erfolg

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Hamburger Komponistenquartier wächst weiter

Das Hamburger Komponistenquartier erinnert an berühmte Komponisten, die in Hamburg geboren sind oder hier gelebt haben. Nach Brahms, Telemann, Carl-Philipp Emanuel Bach und Johann-Adolf Hasse kommen mit den Mendelssohns und Gustav Mahler drei weitere Komponisten dazu. mehr

Mit dem Brahms-Museum, das sich schon seit 1971 in der Peterstraße befindet, und den Ausstellungen zu Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach und dem Bergedorfer Opern-Komponisten Johann-Adolf Hasse ist die musikalische Zeitreise vom Barock bis zum Beginn der Moderne komplett. Am Sonntag, 27. Mai, wird es ein Voreröffnungskonzert mit Kompositionen von Felix und Fanny Mendelssohn geben. Anschließend kann die Ausstellung begutachtet werden.

Schon jetzt ist das kleine aber feine Komponistenquartier ein Erfolg. Im vergangenen Jahr haben sich laut Clemens Toepfer von der Carl-Toepfer-Stiftung, die die Immobilie bereitgestellt und umgebaut sowie das Projekt auf den Weg gebracht hat, 12.500 Besucher die Ausstellungen angeguckt. "Die Besucher kommen zu einem Drittel aus Hamburg, zu einem Drittel aus dem Rest von Deutschland und zu einem Drittel aus dem Ausland. Natürlich müssten alle Hamburger mal herkommen", lacht Toepfer, "aber langfristig bauen wir vor allem auf den internationalen Besucherstrom."

Karte: Wo das Hamburger Komponistenquartier liegt

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.05.2018 | 19:00 Uhr

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