Gisbert zu Knyphausen und Kai Schumacher (rechts) im Porträt. © Reeperbahnfestival Foto: Markus Werner

Knyphausen und Schumacher: Schubert im Hier und Jetzt

Stand: 13.09.2021 13:00 Uhr

Pianist Kai Schumacher und Sänger Gisbert zu Knyphausen interpretieren auf ihrem Album "Lass irre Hunde heulen" Lieder von Franz Schubert - mit E-Gitarre und Klavier-Arrangements.

von Petra Rieß/Charlotte Oelschlegl

Liebe, Tod, der Hunger nach Leben: Ohne diese zentralen Themen wären viele Kunstgattungen undenkbar - man denke nur an das romantische Lied und die berühmten Textvorlagen, auf die Franz Schubert zurückgriff. Moderne Singer-Songwriter schöpfen noch heute aus diesem reichen Fundus an Gefühlen und Gemütszuständen. Und manchmal greifen sie auch auf Schuberts Kompositionen zurück.

Der Pianist Kai Schumacher und der Sänger Gisbert zu Knyphausen haben das getan. Mit ihrem Album "Lass irre Hunde heulen" unternehmen sie den Versuch, Schuberts Pathos ins 21. Jahrhundert zu übertragen. Vor einem Jahr ernteten die beiden für ihren Schubert-Liederabend beim Reeperbahn-Festival in Hamburg bereits viel Applaus.

Wieviel Pop steckt in Schuberts Liedern?

Mit Schubert hatte Gisbert zu Knyphausen eigentlich nichts zu tun. Die Idee, Schubertlieder zu singen, kam mit dem Pianisten und Komponisten Kai Schumacher auf ihn zu: "Für mich waren das fast alles neue Seiten, die ich entdecken durfte, da ich vorher wenig von Schubert kannte. Ich fand es schön, in diese Welt einzutauchen".

Schumacher wollte schon immer mal Schuberts Lieder "ohne klassische Etikette" hören, von einem, der da ganz ungekünstelt rangeht. Der Pianist ist klassisch ausgebildet und spielt ebenso professionell Pop-Rock und Artverwandtes. Gemeinsam mit Knyphausen testet er Schuberts Lieder auf ihre Poptauglichkeit, mit Streichern, Posaune, E-Gitarre und Schlagzeug.

Knyphausen und Schubert haben vieles gemeinsam

"Für Kai war klar, dass ein Streichquartett dabei sein soll", sagt zu Knyphausen. "Und für mich war von Anfang an klar, dass da auch Instrumente aus meiner Musikwelt reinkommen müssen, damit wir im Sound ein schönes Gleichgewicht finden. Eine E-Gitarre zum Beispiel, die auch mal Dreck reinbringt, wenn es nötig ist, um Düsterkeit zu transportieren."

Immer wieder gibt es Momente, da werden die 200 Jahre alten Textvorlagen zu Knyphausens Songs. Dann, wenn er sich mit Schubert seinen eigenen Schmerz von der Seele schreit und die Worte wie seine eigenen klingen. "Schuberts Themen sind Themen, die Menschen zu jeder Zeit berühren. Sein Lied 'Der Wegweiser' spricht am meisten mit mir. Das kann ich so gut nachempfinden. Für mich ist es eine 200 Jahre alte Version von meinem Lied 'Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten'. Ein Mensch, der dauernd auf der Suche ist und sich fragt, warum er eigentlich auf der Suche ist. So ein Mensch bin ich auch."

Inspirierende Zusammenarbeit

Knyphausen und Schubert haben vieles gemeinsam, die Melancholie und die ständige Suche nach dem was wir Sinn des Lebens nennen. Was zählt. Was berührt. Was wir sein wollen.

Für Kai Schumacher war die Arbeit an dem Album eine willkommene Abwechslung zu seinem Schaffen als Solo-Künstler: "Ich bin es nicht gewohnt, mit Sängern zu arbeiten und auch nicht in so einem Bandkontext. Und ich freue mich total, wie man sich bei Proben gegenseitig inspirieren kann und so Ideen, die einer hat, vom anderen ausgearbeitet werden. Das hat mir in den letzten Jahren ein bisschen gefehlt. Tatsächlich fummel ich als pianistischer Autist ja immer allein in meinem Proberaum rum und kann nur selber zu mir sagen: Ist jetzt gut oder ist nicht so gut. So ein Feedback von außen ist doch sehr, sehr viel wert."

Das Album "Lass irre Hunde heulen" ist bei Neue Meister erschienen. Das Gespräch führte Charlotte Oelschlegel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 13.09.2021 | 13:00 Uhr

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