Die Musikerin Feist mit ihrer Perfomance "Multitudes" ist beim Sommerfestival Kampnagel © Leslie Crisp Foto: Leslie Crisp

Kampnagel: Internationales Sommerfestival startet am 4. August

Stand: 16.06.2021 09:01 Uhr

"Es war ein krasses Jahr!" - so eröffnete Amelie Deuflhard, Intendantin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, am Dienstag die Pressekonferenz zur Programmvorstellung des Internationalen Sommerfestivals 2021 auf Kampnagel. Es findet vom 4. bis 22. August statt.

Die Musikerin Feist mit ihrer Perfomance "Multitudes" ist beim Sommerfestival Kampnagel © Leslie Crisp Foto: Leslie Crisp
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von Charlotte Oelschlegel

Noch donnert ein Hubschrauber über die Szenerie, Baulärm aus der Nachbarschaft erfüllt den Garten hinter der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel. Aber die neu aufgebaute Waldbühne, umrundet von Steinen und bestückt mit pinkfarbenen Sitzkissen, lässt erahnen: Hier eröffnet am 4. August ein industrielles Garten-Paradies voller Tanz, Theater, Performance und Musik. Der Avant-Garten bildet das Herzstück des alljährlich stattfindenden Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel.

Internationales Sommerfestival beginnt am 4. August

Sommerfestival 2021 auf Kampnagel: Christoph Marthalers "Das Weinen (das Wähnen) - nach Texten von Dieter Roth © Gina Folly Foto: Gina Folly
Christoph Marthalers "Das Weinen (das Wähnen)" feiert beim Kampnagel Festival Premiere.

"Hereinspaziert", sagt der Künstlerische Leiter Andras Siebold: "Man muss es sich so vorstellen, als wäre da so ein imaginäres Schild auf dem steht: 'Ihr, die da eintretet, fasst wieder Hoffnung.'" Geplant seien ein Freizeit-Kunstpark mit verschiedenen Bühnen, kleine Performances und kulinarische Angebote. "Konzerte, Lesungen, Performances und seltsame Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat."

Nordamerikanische Künstlerin Leslie Feist mit "Multitudes"

Auch wenn das Hygienekonzept des Festivals im letzten Jahr erfolgreich erprobt wurde, man muss sich als Zuschauerin oder Zuschauer doch wieder an Veranstaltungen gewöhnen. Lange waren die Bühnen leer, die Lichter aus und die Anlagen ausgesteckt. "Togetherness" ist das Motto, und demnach will die nordamerikanische Musikerin Leslie Fesit zur Eröffnung des Festivals die Bühne gemeinschaftlich zurückerobern. Mit der Weltpremiere ihrer Konzertperformance "Multitudes" gibt es die Möglichkeit, die gefeierte Künstlerin ganz nah und intim zu erleben.

Mozarts Requiem aus explizit schwarzer Perspektive

Das Programm des Internationale Sommerfestivals bietet nicht nur nahe und vertraute Momente, sondern regt auch dazu an, die Perspektive zu wechseln und sich mit neuen Blickwinkeln zu beschäftigen. So steht beispielsweise das berühmte Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart im Zentrum einer Produktion. Beeinflusst durch die Black-Lives-Matter-Proteste und die Corona-Pandemie betrachten Choreograph Kyle Abraham und Produzentin JLin das kanonische Werk der weißen westlichen Klassik aus explizit schwarzer Perspektive.

Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten

Wer den Zauberwald hinter der Kulturfabrik verlassen möchte, um das zu tun, was man in den letzten Monaten immer gemacht hat - nämlich spazieren zu gehen -, der könnte an unterschiedlichsten Orten der Stadt inspiriert werden. Von der Hamburger Seefrauenparade, die ein Zeichen für feministische Perspektiven auf Meer und Hafen setzt, bis hin zu einer Audiowalk-Performance durch den leerstehenden Kaufhof in der Hamburger Innenstadt werden sogar die Kirchen in der Winterhuder Nachbarschaft bespielt. Zum Beispiel vom Alte-Musik-Ensemble Graindelavoix, dessen Konzerte nicht nur durch historisch informierte Interpretationen beeindrucken, sondern auch durch das Ausloten der klanglichen Möglichkeiten des Raums, in dem sie spielen.

Neben der Aneignung des öffentlichen Raumes wurde während der Corona-Pandemie klar: Neben der internationalen Szene muss auch die regionale Kultur gefördert werden. Dieses Thema reflektiert das "Kultursommer Special auf Kampnagel" - präsentiert von NDR und "Zeit"-Stiftung.

Sophia Kennedy aus Hamburg auf der Waldbühne

Die Waldbühne im Festivalgarten wird zu diesem Anlass vom 10. bis zum 15. August mit einem regionalen Line-up bespielt, darunter die in Hamburg lebende Musikerin Sophia Kennedy, die mit ihrem Album "Monsters" wohl das Hamburger Indie-Album des Jahres abgeliefert hat. Oder das Detect Ensemble der Jungen Norddeutschen Philharmonie, das sich angstfrei über Genregrenzen hinwegsetzt.

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AUDIO: Sophia Kennedy - Monsters (4 Min)

Die Vorfreude ist groß bei Künstlerinnen und Künstlern, dem Publikum und auch bei Andras Siebold. Ein Jahr sei nicht viel passiert, nun könne es wieder losgehen: "Wir werden einige Arbeiten sehen können, die danach um die Welt reisen - aber hier in Hamburg das Licht der Welt erblicken."

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Kulturpartner: Kampnagel Hamburg

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Kampnagel: Internationales Sommerfestival startet am 4. August

Das Sommerfestival auf Kampnagel findet vom 4. bis 22. August unter dem Motto "Togetherness" statt - Corona-bedingt erneut in veränderter Form.

Art:
Fest
Datum:
Ende:
Ort:
Kampnagel
Jarrestraße 20
22303 Hamburg
Telefon:
(040) 270 949 49 (Montag-Freitag 10-19 Uhr)
Kartenverkauf:
Ticketverkauf für die einzelnen Veranstaltungen ab Juni. Inhaber der K-Karte (80,00 Euro, gültig für ein Jahr für zwei Personen) oder der Sommerfestival-Karte (35,00 Euro) erhalten 50 Prozent Nachlass auf alle Veranstaltungen.
Hinweis:
Bespielt werden die Kampnagel Hallen und diverse Orte in der Stadt. Täglich gibt es außerdem Shows auf mehreren Bühnen im Festival Avant-Garten.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 16.06.2021 | 10:20 Uhr

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